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Donauwörth

04.02.2020

Das Vermächtnis des Alfred Delp

Der Jesuitenpater Alfred Delp ist ein christlicher Märtyrer des 20. Jahrhunderts. Auch aus dem Glauben heraus sah er sich dem Widerstand gegen das Hitler-Regime verpflichtet.
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Der Jesuitenpater Alfred Delp ist ein christlicher Märtyrer des 20. Jahrhunderts. Auch aus dem Glauben heraus sah er sich dem Widerstand gegen das Hitler-Regime verpflichtet.
Bild: dpa

Plus Warum der Namensgeber der Donauwörther Kaserne und des neuen Quartiers uns heute noch viel zu sagen hat.

„Es sollen einmal andere besser und glücklicher leben dürfen, weil wir gestorben sind“, - dieses Zitat von Alfred Delp bildete den Leitgedanken für die Gedenkfeier der Stadt Donauwörth aus Anlass der 75. Wiederkehr des Todestags des Jesuitenpaters Alfred Delps, der wegen seiner Ablehnung der nationalsozialistischen Diktatur ermordet wurde. Denn Delps Name ist mit Donauwörth fest verbunden: Seit dem 20. Juli 1961 trug die Kaserne auf dem Schellenberg den Namen Alfred Delps.

Vor 75 Jahren von den Nazis ermordet

Oberbürgermeister Armin Neudert begrüßte die Anwesenden im voll besetzten Mangoldsaal des Forums für Bildung und Energie/Volkshochschule. Er erinnerte an das Gedenken, das in der Hans-Leipelt-Schule für den Widerstandskämpfer Leipelt stattgefunden hatte. Auch dieser war vor 75 Jahren nur wenige Tage früher als Alfred Delp ermordet worden. Leipelt wie Delp stünden für Werte wie Respekt, Toleranz, gegenseitige Wertschätzung. Das neue Areal in der Parkstadt werde wieder eine Gedenkstätte für Alfred Delp erhalten, denn sein Vermächtnis verpflichte für Gegenwart und Zukunft. Für die katholische Kirche sprach Dekan Robert Neuner ein Grußwort. Heute wolle man „die alten Geschichten“ nicht ruhen, sondern lebendig werden lassen. Sie zeigten, wie Menschen gehandelt hätten, im Guten wie im Bösen. In seinem Grußwort für die evangelische Kirche knüpfte Dekan Johannes Heidecker an das eingangs genannte Zitat Delps an; wir seien diese anderen und durch unser Gedenken bleibe die Erinnerung an Menschen wie Delp lebendig.

Bürgermeister Jörg Fischer hatte die Gedenkveranstaltung konzipiert und umgesetzt. Er hielt den Vortrag „Alfred Delp – Geschichte eines Zeugen“. Idee und Ziel der Gedenkstunde begründete er so: „Gerade heute, wenn die unfassbaren Verbrechen der Nazis als ‚Vogelschiss’ bezeichnet werden und von der Notwendigkeit einer ‚Wende der Erinnerungskultur’ schwadroniert wird, ist es notwendiger denn je, sich Ausgrenzung, Diskriminierung und Fremdenhass entschlossen entgegenzustellen.“ In seiner mit zahlreichen Bildern anschaulich und einprägsam gestalteten Präsentation schilderte er den Lebensweg Delps, eingebunden in den Gang der deutschen Geschichte vom Ersten bis zum Ende des Zweiten Weltkriegs.

Das Vermächtnis des Alfred Delp

Als uneheliches Kind geboren - später Priester geworden

Er begann mit der Geburt 1907 in Mannheim als uneheliches Kind, dem konfliktreichen Aufwachsen in einem gemischt-konfessionellen Elternhaus und der Hinwendung zur katholischen Kirche mit Eintritt in den Jesuitenorden. Das Studium von Theologie und Philosophie, Priesterweihe sowie Tätigkeiten für den Orden führten ihn in die Pfarrei St. Michael in München-Bogenhausen, seine christlichen Überzeugungen bewirkten eine entschiedene Ablehnung der nationalsozialistischen Weltanschauung und Diktatur. Er schloss sich um 1943 dem Kreisauer Kreis an, einer weitverzweigten Gruppe von Oppositionellen unterschiedlicher sozialer und weltanschaulicher Herkunft. Sie suchten nach Wegen, auf denen es nach Hitler für Deutschland weitergehen sollte. Grundsätze einer Neuordnung sollten Werte wie Pluralismus, Menschen- und Grundrechte, Föderalismus, Selbstverwaltung sein.

Vertreter der christlichen Soziallehre

Delp trat in diesem Kreis vor allem als Vertreter der christlichen Soziallehre auf. Die Kreisauer fanden den Anschluss an die Widerstandsgruppe um den Grafen Stauffenberg, welche das Attentat und den Staatsstreich vom 20. Juli 1944 vorbereiteten. Dies wurde der Anlass für Delps spätere Verhaftung. Trotz Folter und drohendem Todesurteil blieb er in der Haft und vor Freislers Volksgerichtshof standhaft bei seinen Überzeugungen. Das Todesurteil vom 11. Januar 1945 wurde am 2. Februar 1945 in Berlin-Plötzensee durch Erhängen vollstreckt, Delps Leichnam verbrannt, die Asche verstreut und seiner Mutter wurde sogar die Todesanzeige verboten. Sein Vermächtnis, so Jörg Fischer, ist das Eintreten für Werte wie die Unantastbarkeit der Menschenwürde, das Recht als zentrale Ordnung, Glaubens- und Gewissensfreiheit, die alle in das Grundgesetz eingegangen sind. Der Referent schloss mit der Hoffnung, dass Delps Vermächtnis Kraft schenken möge, für diese Werte einzutreten. Dr. Ottmar Seuffert, Vorsitzender des Historischen Vereins, referierte über die Entstehung der Garnison in Donauwörth 1958 und ihre Geschichte bis 2013.

Männer des Widerstands als gesellschaftliche Vorbilder

Erste Versuche, ein Kaserne nach Donauwörth zu bringen, wurden 1934 von dem damaligen Bürgermeister Friedrich Dessauer in den Jahren 1934 und 1935 unternommen, aber ohne Erfolg. Der Kooperation zwischen Bürgermeister Andreas Mayr und dem Bundestagsabgeordneten Philipp Meyer aus Oppertshofen wird zugeschrieben, dass Donauwörth 1958 Garnisonsstadt wurde. Ursprünglich war ein schweres Pionierbataillon vorgesehen, schließlich wurden es Artilleristen, Panzergrenadiere und Panzeraufklärer. Am 1. Dezember 1959 sollte der Bau fertig sein, im April 1960 wurden die letzten Gebäude bezogen. Am 31. Mai 1960 fand die offizielle Schlüsselübergabe vor der Mangoldschule im Spindeltal statt und anschließend wurde mit einer Truppenparade durch die Straßen der Stadt, einem „Tag der Offenen Tür“ auf dem Schellenberg und einem rauschenden Fest in der Schwabenhalle gefeiert. Dass die Kaserne nach Alfred Delp benannt wurde, geht auf eine Anordnung des seinerzeitigen Verteidigungsministers Franz Joseph Strauß zurück. Nach ihr wurden am 20. Juli 1961, also 17 Jahre nach dem Attentat auf Adolf Hitler, fünf Kasernen nach Männern des Widerstands benannt.

Männer des 20. Juli als Vorbilder für die Bundeswehr

Dies waren aus dem militärischen Widerstand Erwin Rommel, Hans-Henning von Tresckow und Claus Graf Schenk von Stauffenberg sowie der Gewerkschaftsführer Wilhelm Leuschner und der Jesuitenpater Alfred Delp. In Donauwörth fand die Benennung durch General Paul Reichelt, Befehlshaber des Wehrbereichs VI, statt. Die Geschwister Alfred Delps legten an diesem Tag in der Gedenkstätte Plötzensee, wo ihr Bruder hingerichtet worden war, Kränze nieder. Nach Donauwörth war ein Vetter des Grafen Stauffenberg gekommen. Die Namensgebungen sollten belegen, dass die Männer des 20. Julis für die Bundeswehr Vorbilder seien.

Zum 20. Jahrestag der Ermordung Delps am 2. Februar 1965 wurde auf dem Exerzierplatz der Kaserne ein Gedenkstein für Alfred Delp enthüllt. Die Zivilsiedlung der Parkstadt entstand in enger Bindung an die Bundeswehrkaserne auf dem Schellenberg. Diese bestand bis März 2013. Bedingt durch die Truppenreduzierung nach Ende des Kalten Kriegs wurden das Panzerartillerie-Bataillon 305 aufgelöst und das Eloka-Bataillon 922 außer Dienst gestellt. Die Kaserne wurde geräumt, die am Eingang angebrachte Tafel für Alfred Delp abgenommen und im Stadtarchiv eingelagert. Der ehemalige Truppenstandort wurde ein Ankerzentrum, Erstaufnahmeeinrichtung für Flüchtlinge und Migranten. Diese wurde im Dezember 2019 geschlossen. Hier wird künftig eine neue Wohnsiedlung für etwa 2500 Bewohner entstehen. Der Name Alfred Delp soll auch mit ihr in Verbindung gebracht werden.

Für einen emotionalen Abschluss sorgte Jürgen Buhe, von 1993 bis 1996 als Oberstleutnant Kommandeur und Standortältester in der Alfred-Delp-Kaserne. Er erzählte, dass er bei Amtsantritt überprüfen lassen habe, wie präsent der Name Delp bei den Soldaten gewesen sei und dass er mit dem Ergebnis unzufrieden gewesen sei. Daher habe er die Initiative ergriffen, um Delps Vermächtnis in die Ausbildung der Soldaten zu integrieren. Höhepunkt sei die Alfred-Delp-Gedenkwoche gewesen mit einer großen Ausstellung und Anbringung der Gedenktafel. Er hob das Engagement Jörg Fischers hervor, der damals als Hauptmann zusammen mit seinem Team Gedenkwoche und Ausstellung konzipiert habe. Für seine Verdienste um die Erinnerung an Alfred Delp habe ihm, Jürgen Buhe, der Münchner KKV (Katholischer Kaufmannsverein) eine Alfred-Delp-Gedenkmedaille verliehen. Diese Medaille reichte er jetzt an den sichtlich bewegten Jörg Fischer weiter. Musikalisch wurde die Feier von einem Bläserensemble der Stadtkapelle umrahmt.

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