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Donau-Ries

07.11.2017

Dem Tod geweiht – zurück im Leben

Franz Stockmeier und Ulrike Alban sind Mitarbeiter des Zentrums für Aidsarbeit Schwaben (ZAS). In der aktuellen Ausstellung im Krankenhaus Donauwörth klären sie über erfolgreiche HIV-Therapien auf.
Bild: Foto. Barbara Würmseher

Franz Stockmeier hat sich vor 30 Jahren mit HIV infiziert. Dass er heute ein normales Leben führt, verdankt er modernen Therapiemöglichkeiten. Eine aktuelle Ausstellung über Aids in der Donau-Ries-Klinik schildert, worum es geht

Vor 30 Jahren ist Franz Stockmeier mit einer Diagnose konfrontiert worden, die ihm schier den Boden unter den Füßen weggezogen hat: HIV – Aids! Eine Diagnose, die damals, in den 80er-Jahren, noch einem Todesurteil gleich kam. „Die durchschnittliche Lebenserwartung war zu dieser Zeit sieben bis zehn Jahre“, erinnert er sich. „Nachdem ich Lungenentzündung, Toxoplasmose und Gewebekrebs bekommen habe, hat man mir sogar gerade noch ein bis eineinhalb Jahre gegeben.“

Heute aber lebt der 58-Jährige völlig normal. Er macht Sport, geht zur Arbeit und auf Reisen, trifft sich mit Freunden, isst, wonach ihm der Appetit steht, und schlägt auch mal über die Stränge. Dank moderner Medikamente wird das HI-Virus in seinem Körper so weit zurückgedrängt, dass es kaum noch messbar ist. „Es schwimmt eigentlich nur noch als Gerümpel herum und taugt auch nicht mehr für eine Übertragung“, weiß Franz Stockmeier aufgrund seiner Untersuchungen.

„Das medizinische Aids hat man heutzutage im Griff – aber das soziale Aids ist immer noch da.“ Mit dieser Botschaft geht Ulrike Alban, die Leiterin des Zentrums für Aidsarbeit Schwaben (ZAS) bei der Arbeiterwohlfahrt zusammen mit Franz Stockmeier an die Öffentlichkeit. Sie wollen dazu beitragen, dieser Krankheit, die noch vor 20 bis 30 Jahren als moderne Seuche Angst verbreitete, ihren Schrecken zu nehmen. Denn dank erfolgreicher Therapiemöglichkeiten kann Aids für die Infizierten ein ganz normales Leben bedeuten. „Die Medikamente, die auf dem Markt sind, senken die Virenlast im Körper so stark, dass sie kaum noch nachweisbar ist“, sagt Ulrike Alban. „So können HIV-Infizierte andere auch nicht mehr anstecken.“

Worum es geht, zeigt eine Ausstellung, die bis zum 16. November im ersten Stock der Donau-Ries-Klinik in Donauwörth zu sehen ist. „Der lange Weg“ lautet ihr Titel und meint elf Schritte, die wohl jeder Aids-Patient gehen muss, um mit seiner Krankheit leben zu lernen. Dass am Ende dieses Wegs aber tatsächlich das Leben steht und nicht der Tod, das ist der wesentliche Teil der Botschaft, die hinter dieser Ausstellung steht. Sie erzählt von Verzweiflung, zerstörten Lebensplänen, Scham und Wut, Isolation, ungewisser Zukunft, existenziellen Ängsten und Rückschlägen. Die Wende kommt oft mit dem Mut, sich zu öffnen, Rat und Hilfe zu suchen. „Mein Leben ist wieder mein Leben“ steht denn auch als letzter Schritt der Aids-Ausstellung, die ein Konzept des Bayerischen Gesundheitsministeriums ist. Das Zentrum für Aidsarbeit Schwaben mit Sitz in Augsburg ist die einzige Beratungstelle der Arbeiterwohlfahrt in Bayern und die einzige Stelle, die auch für den Landkreis Donau-Ries konkrete Hilfe für HIV-Infizierte anbietet. Insgesamt gibt es bayernweit zehn Beratungsstellen ganz unterschiedlicher Trägerschaften.

Franz Stockmeier, der heute fachlicher Mitarbeiter der ZAS ist, ist diese elf Schritte des Leidenswegs gegangen. Heute sagt er „Ich plane derzeit mein Leben, bis ich 70 oder 80 Jahre alt bin. Ich werde an irgendetwas sterben, aber ganz sicher nicht an Aids!“ Doch diese Überzeugung steht am Ende des Leidenswegs. Am Anfang war Verzweiflung pur.

Franz Stockmeier ist homosexuell und gehört somit zu einer der ausgesprochenen Risikogruppen. Mit einer Entzündung im Oberkiefer, die einfach nicht heilen wollte, fing alles an. Nach quälenden Wochen des Wartens hat ihm sein Arzt die schreckliche Gewissheit überbracht. Der damals 28-jährige Stockmeier dachte, das sei es nun gewesen. Er kannte ähnliche Schicksale aus seinem Umfeld und aus der Münchner Szene, in der er sich bewegte. „Viele meiner Freunde und Bekannten starben damals weg“, erinnert er sich.

Er ließ sich behandeln, doch die Medikamente, die es in den Anfangsjahren der Aids-Therapien gab, waren hochtoxisch, wie er am eigenen Leib erfahren musste. „Die Nebenwirkungen waren heftig, meine sämtlichen Organe waren angegriffen. Die Nervenenden in meinen Beinen starben ab, sodass ich zwei Jahre kaum laufen konnte und auf dem Sofa dahinvegetiert bin.“

Der berufliche Abstieg folgte. Privat musste er seine Wohnung verlassen, denn als nach anfänglichem Versteckspiel schließlich bekannt wurde, dass er mit dem HI-Virus infiziert war, war er stigmatisiert und wurde teilweise gesellschaftlich geächtet.

Die Wende kam, als er den Mut fasste, sich einer Beratungsstelle anzuvertrauen. „Wichtig ist es, den Infizierten zu vermitteln, dass sie nicht alleine sind“, appelliert Ulrike Alban. „Es gibt Anlaufstellen, die fachliche Hilfe vermittelt.“ Und es gibt heute eine neue Generation von Aids-Medikamenten, die einen Durchbruch geschafft haben. Die Diagnose Aids ist kein Todesurteil mehr. Die Ausstellung in der Donau-Ries-Klinik in Donauwörth dokumentiert dies und zeigt Wege aus der Krankheit und ihrer sozialen Ächtung.

Info Wer die Angebote der ZAS und ihre Präventionsveranstaltungen kennenlernen möchte, wendet sich an deren Mitarbeiter unter 0821/158081. Mehr dazu gibt es auch im Internet unter www.zas-schwaben.de

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