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Historie

10.09.2016

Der lange Weg zur Zugstrecke

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Zwischen 1902 und 1906 wurde die Zugstrecke zwischen Donauwörth und Treuchtlingen gebaut. 385000 Kubikmeter Erdmasse wurden dafür bewegt. Einschnitte bis zu einer Tiefe von 26 Meter waren dafür nötig.
Bild: Fotos: Gemeinde Otting/Archiv

110 Jahre gibt es schon den Heimatbahnhof Otting-Weilheim. 60 Jahre wurde diskutiert, dann die Zugstrecke gebaut. Seit 1906 ist viel passiert.

Von Barbara Wild

Otting/Monheim-Weilheim Es war ein langer und auch kein einfacher Weg, bis im Jahr 1906 in Otting-Weilheim ein Bahnhof stand. Denn es dauerte nicht nur fast 60 Jahre, bis der damalige Reichsrat sein Placet für den Bau der knapp 35 Kilometer langen Zugstrecke zwischen Donauwörth und Treuchtlingen gab. Auch die geografischen Gegebenheiten forderten die Ingenieure, denn Otting liegt am Fuße eines starken Gefälles und es galt, die Wasserscheide zwischen Wörnitz und Altmühl zu überwinden.

Schon 1836 wurden erste Geländeuntersuchungen getätigt mit dem Ziel, eine Bahnstrecke zu bauen. Der Trassenverlauf stand bereits 1842. Doch lange Diskussionen, ob nicht eine Strecke durch das Ries nach Nördlingen die bessere Alternative wäre, bestimmten die folgenden Jahrzehnte. Auch die immer weiter wachsenden Baukosten trugen dazu bei, dass der Bau einer “zweigleisige Hauptbahn“ erst am 10. Oktober 1901 per Gesetz beschlossen wurde. Übrigens mit zwei Gegenstimmen aus Nördlingen.

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Nach dieser Entscheidung lud das Handels- und Gewerbegremium Donauwörth zu einem Festabend ins Hotel Krone. Der Vorsitzende Ludwig Auer ließ für diesen Abend extra die Königshymne auf Prinzregent Luitpold auflegen. Der Bau begann schließlich am 2. November 1902. Vor allem Arbeiter aus Frankreich, Italien, Kroatien und Serbien ackerten für die Gleise, während der Führungsstab im Schloss Fünfstetten residierte.

Am 1. Oktober 1906 wurde die neue Bahnlinie offiziell mit drei Festzügen in Betrieb genommen. Nahe des Bahnhofs wohnten die Bahnangestellten in einer extra gebauten Unterkunft. Im März 1907 war dann auch das zweite Gleis betriebsbereit. Ein etwa zwei Kilometer langes Zubringergleis vom Steinbruchwerk Vetter wurde 1919 gebaut. 1935 wurde die Strecke dann elektrifiziert.

Nicht mehr zu datieren ist, wann die Bahnhofsgaststätte Schröttle ihre Pforten öffnete. Bis 1964 bewirtete der Metzgermeister und seine Nachfolger Zugreisende und andere Gäste. In diesem Haus sind heute Asylbewerber untergebracht. Bei der Bombardierung der Gleise 1945 starben neun polnische Zwangsarbeiter. Danach wurde es ruhiger um den Bahnhof Otting-Weilheim. Vor Ort arbeiteten Mitarbeiter der Bahn. Bahnhofsvorsteher Walter Bayerle wurde später Bürgermeister in Otting. Albert Müller lief als sogenannter Streckengeher bis 1987 zu Fuß die Gleise nach Schäden ab.

Das alte Bahnhofsgebäude wurde 1982 abgerissen und ein Neubau hingestellt, der technisch auf dem neuen Stand war. Dieses Gebäude steht bis heute, der Umbau im vorderen Teil wird am morgigen Sonntag gefeiert.

Ein herber Rückschlag für den Bahnhof brachte das Jahr 2003, als die Deutsche Bahn den Gemeinden mitteilte, dass die Schalterhalle geschlossen werde. Bis dahin hatte eine Mitarbeiterin vor Ort Karten verkauft. Nun konnten die Passagiere vor allem nicht mehr im Gebäude warten. Deshalb entschloss sich 2004 die Gemeinde Otting, das Haus zu mieten und einige Renovierungsarbeiten durchzuführen. Bis heute werden 98 Euro Miete pro Monat bezahlt. 2006 und 2007 konnte dann der Anschluss an die Verkehrsverbunde Augsburg und Nürnberg erreicht werden. Die Eisenbahnbrücke in der Gullenbachstraße wurde 2007 renoviert.

Größte Baumaßnahme in jüngster Zeit aber war die Erneuerung der Bahnbrücke und Unterführung direkt vor dem Bahnhof. In diesem Jahr gründete sich auch die Interessensgemeinschaft Heimatbahnhof Otting-Weilheim, zu der elf Kommunen gehören. Diese Gruppe kämpft bis heute für den barrierefreien Ausbau des Bahnhofs und dafür, dass mehr Züge halten. Für die aktuelle Renovierung der Bahnhofsschalterhalle mit neuen Toiletten, die insgesamt knapp 120000 Euro kostete, konnten von der Regierung von Schwaben einen Zuschuss von gut 40000 Euro erreichen. Auch der Landkreis steuert 9000 Euro bei, den Rest teilen sich die elf Kommunen. Aktuell steigen in Otting-Weilheim etwa 350 Personen pro Tag in die Regionalbahn oder den Regionalexpress ein.

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