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Heimatgeschichte

08.02.2019

Ein durch und durch frommer Mensch

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Joachim Ernst von Oettingen war eng vertraut mit Nikolaus Beck.
Bild: FÖWAH

Aus dem Leben des Kammerdieners Nikolaus Beck aus Heroldingen

Nach dem Reformator Georg Karg und dem geistlichen Literaten Otto Friedrich Hörner hat Heimatforscher Ralf Hermann Melber einen weiteren Sohn Heroldingens vorgestellt: Nikolaus Beck. Dies geschah im Rahmen einer Veranstaltung des Bildungswerks Harburg im Schützenheim in Heroldingen. Aus einer Fülle an Diener-Akten hatte Gerhard Beck, Archivar auf der Harburg, eine entsprechende Leichenpredigt entdeckt und sie dem Referenten zukommen lassen.

Der Name „Beck“ ist heute noch verbreitet in Heroldingen. Etliche Vorfahren lebten zur Zeit des 30-jährigen Kriegs dort, als Nikolaus Beck als Sohn des Oberen Wirts am 29. September 1623 geboren wurde. Die gottesfürchtige Erziehung zu Frömmigkeit und der Schulbesuch beim gleichnamigen Onkel in Oettingen, der dort Leibvogt und Fischereiinspektor war, sollten das Leben des Jungen prägen.

Das ungeheure Wüten des Kriegs im Ries besonders 1634 überlebte die Familie. Als 17-Jähriger diente der junge Heroldinger als Schreiber und Sollizitant (Bittsteller) unter anderem dem Kaiserlichen Kriegskommissar Harb in Wien. 1644 versah er in der Heimat die Kammerdienerstelle von Graf Joachim Ernst von Oettingen, der auch das Schloss in Schrattenhofen bewohnte. Dort arbeitete Beck als Verwalter zehn Jahre lang und erlebte somit 1645 die Folgen der Schlacht bei Alerheim.

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Von 1654 an diente der Kammerdiener zunächst in Roth, dann direkt am Hof von Ansbach den Fürsten Albrecht II., Johann Friedrich und Georg Friedrich von Brandenburg-Ansbach. Es muss sich um sehr enge und persönliche Verhältnisse gehandelt haben, als Nikolaus Beck sich um Privatgemächer, Kleidung und Schmuck, das persönliche Geld und die Rechnungsablage der Landesherren kümmerte. Seit der Zeit in Schrattenhofen erteilte Beck aufgrund seiner Erfahrung als Verwalter durchaus Anweisungen und bezahlte schließlich Kompanie und Garde zu Pferd mit Gold.

Seine erste Frau verlor der Heroldinger während der Geburt des gemeinsamen Kinds bereits nach zehn Monaten. Auch die zweite war eine Zofe der Fürstin, mit der er viele gemeinsame Kinder hatte.

Offenbar prägte der christliche Glaube die zuverlässige und treue Arbeit Becks in einem solchen Maß, dass Pfarrer Christoff Christian Händel Ungewöhnliches über den Diener äußerte. Er dachte an die biblische Aussage des Hauptmanns unter dem Kreuz: „Dieser ist ein frommer Mensch gewesen“, und wandte sie auf Beck an. In seinem ganzen Verantwortungsbereich habe es kaum fünf derart gläubige Menschen gegeben. Die Hinwegnahme Becks sei ein größerer Verlust als der Tod von 60 „ungläubigen und unnützen Edelleuten und überflüssigen und ungerechten Beamten und Räten“ gewesen. Manches Unheil habe der Kammerdiener zu seinen Lebzeiten ferngehalten. Die Bibel und geistliche Bücher dienten ihm als Richtschnur allen Handelns.

Referent Melber wagte einen Vergleich zwischen Becks Charakter mit dem von Menschen, die heute zum Beispiel Abgas- beziehungsweise „Dieselgate“-Affären zu verantworten haben. Schließlich habe Beck seine Verantwortung vor Gott in jedem Detail seines Lebens vor Augen gehabt und sein ganzes Streben nach ewigen Dingen ausgerichtet, während er sich um zeitliche Dinge, die ihm gar nicht gehörten, gewissenhaft kümmerte.

Vor 320 Jahren, am 30. Januar 1699, starb Beck nach 14-tägiger Krankheit, nachdem die Ärzte vergeblich um seine Genesung gerungen und Geistliche ihm den ersehnten Trost zugesprochen hatten. Der verdiente Sohn Heroldingens starb während des Gebets seiner Lieben und wurde am 2. Februar 1699 in Ansbach beerdigt. (dz)

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