1. Startseite
  2. Lokales (Donauwörth)
  3. Erziehung: Immer mehr Eltern brauchen Hilfe

Donau-Ries

23.05.2014

Erziehung: Immer mehr Eltern brauchen Hilfe

Wenn Paare sich trennen, dann fällt es ihnen oft schwer, die Kinder aus den Streitereien herauszulassen. Doch es gibt auch andere Konflikte, die in den Familien für Zündstoff sorgen. Deshalb wenden sich immer mehr Menschen an die Erziehungsberatungsstellen in Donauwörth und Nördlingen.

Die Erziehungsberatung im Landkreis hat Zulauf. Viele Kinder leiden darunter, wenn die Eltern sich trennen. Doch es häufen sich auch andere Probleme.

Immer mehr Eltern im Landkreis brauchen Hilfe mit ihren Kindern. Etwa, wenn diese sich auffällig verhalten oder psychisch leiden – unter dem Druck in der Schule oder nach der Trennung der Erwachsenen. So haben sich im vergangenen Jahr mehr Familien denn je an die Erziehungsberatungsstellen in Donauwörth und Nördlingen gewandt. Die Zahl der Neuanmeldungen ist im Vergleich zum Vorjahr um 30 Prozent gestiegen: „Das hat uns in dieser Form selbst überrascht“, sagt Heinrich Riegel, Psychologe in der Beratungsstelle. Für ihn ein klares Zeichen dafür, dass der Unterstützungsbedarf in Sachen Erziehung gewachsen ist.

Häufig sind es gesamtgesellschaftliche Entwicklungen, die sich auch im Kleinen äußern und in den einzelnen Familien zu Spannungen und Konflikten führen. Riegel kann hier klare Trends aufzeigen. So steigen zum Beispiel die Fälle, in denen Kinder durch entgrenztes Verhalten auffallen – sie sind dann unkontrollierbar, reagieren impulsiv oder halten sich nicht an Vorgaben. Oft liegt das laut dem Diplom-Psychologen daran, dass Eltern ihren Kindern nicht mehr genügend Grenzen setzen und damit keine Strukturen vermitteln. „Die Balance zwischen Vorgaben und einer wohlwollenden Feinfühligkeit gelingt heute weniger als früher.“ Als Grund nennt der 48-Jährige, dass gerade bei jungen Eltern die Unsicherheit in Erziehungsfragen zunehme. Denn wo Großfamilien wegfallen, fehlten häufig die Vorbilder – und das in einer Zeit, da der Nachwuchs einen höheren Stellenwert einnehme als früher. Außerdem gebe es mehr Einzelkinder, die nicht vom sozialen Umgang mit den Geschwistern profitieren könnten.

Steigend ist aber auch eine andere Zahl, die sich ebenfalls in der Statistik der Erziehungsberatung in der Zirgesheimer Straße widerspiegelt: So gibt es vermehrt Probleme, die auf die Trennung oder Scheidung der Eltern zurückzuführen sind. Auch der Anteil der Patchworkfamilien in der Beratung nimmt zu. Nur in knapp über 50 Prozent der Fälle aus dem Jahr 2013 lebten die Kinder bei ihren leiblichen Eltern, sagt Riegel. 2012 waren es noch 57 Prozent. Kinder leiden häufig unter Trennungen, weiß der Psychologe: „Vielen Eltern fällt es schwer, sie nicht auf eine Seite zu ziehen.“ Für sie gibt es unter dem Titel „Kinder im Blick“ deshalb ein spezielles Kursprogramm.

ecsImgBannerWhatsApp250x370@2x-5735210184021358959.jpg

Gestiegen ist im Laufe der Jahre ebenso der schulische Leistungsdruck. Häufig geht er sogar von den Eltern aus, sagt Riegel. So gebe es Mütter und Väter, die sich schon um die Schullaufbahn ihrer Kinder sorgen, wenn diese noch im Kindergarten sind, bei denen sich später dann alles um den Übertritt aufs Gymnasium drehe. Ihnen will die Beratung Gelassenheit vermitteln. Denn die Kinder reagierten auf diesen „übertriebenen Ehrgeiz“ oft mit Angst, mit Bauch- und Kopfschmerzen. Stress bereite aber auch das verkürzte achtjährige Gymnasium.

Der Großteil der Kinder in der Beratung befindet sich im Schulalter. Es suchen aber auch Eltern mit sogenannten Schreibabys Hilfe – genauso wie Jugendliche oder junge Erwachsene. Bedarf besteht auch für die neue Fachstelle gegen sexuelle Gewalt an Kindern und Jugendlichen, die seit vergangenem Jahr im Aufbau ist. „Die Anmeldezahlen steigen in diesem Bereich“, sagt Riegel.

Immer geht es dem Team der Erziehungsberatung um „Hilfe zur Selbsthilfe“, sagt Riegel. „Wir wollen niemandem Vorgaben machen.“ Die Einrichtung, die zum Großteil vom Landkreis finanziert wird, versteht sich als niedrigschwellige Erstanlaufstelle. Sie ist gut vernetzt und vermittelt bei Bedarf auch an andere Dienste weiter.

Themen Folgen

Die Diskussion ist geschlossen.

Das könnte Sie auch interessieren