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Donauwörth

30.07.2020

Granate unter den Bahngleisen gefunden

Der Kampfmittelräumdienst beim Abtransport des Blindgängers am Bahnhof in Donauwörth.
Bild: Bundespolizei

Plus Bei den Bauarbeiten am Bahnhof in Donauwörth finden Arbeiter eine Fliegergranate aus dem Zweiten Weltkrieg. Über ein Detail herrscht nun Verwunderung.

Zum Glück hat ein kleines Detail gefehlt – ansonsten hätte der gefährliche Fund aus der Nacht zu Donnerstag eine ziemlich große Aktion des Katastrophenschutzesnach sich gezogen: Absperrungen, Räumungen mehrer großer Mehrfamilienhäuser, Stillstand im Bahnverkehr und, und, und – nebenbei produzieren tausende Mitarbeiter bei Airbus in direkter Nachbarschaft Hubschrauber. Weil jedoch der Zünder einer Fliegergranate aus dem Zweiten Weltkrieg gefehlt hat, blieben den Anwohnern am Donauwörther Bahnhof diese Umstände am frühen Donnerstagmorgen erspart. Derweil herrscht Verwunderung über ein weiteres Detail des Fundes.

Drei Stunden Sperrung - und Anspannung am Bahnhof Donauwörth

Bei Baggerarbeiten im Bahnhof Donauwörth stießen in der Nacht auf Donnerstag Bauarbeiter auf die britische Fliegergranate aus dem Zweiten Weltkrieg. Gegen 2 Uhr nachts hatte ein Baggerfahrer am Gleis 6 des Donauwörther Bahnhofs den mehr als sieben Jahrzehnte alten Bombenblindgänger freigelegt. Streifen der Bundespolizei sowie der Polizeiinspektion Donauwörth sperrten den Fundort daraufhin sofort ab, der Zugverkehr wurde eingestellt. Die Mitarbeiter eines Kampfmittelräumdienstes aus Nürnberg wurden verständigt und nahmen sich der in einer eineinhalb Meter tiefen Baugrube liegenden Granate an. Um exakt 4.56 Uhr gaben die Entschärfer schließlich Entwarnung. Die britische Fliegergranate mit einer Länge von 60 Zentimetern hatte keinen Zünder. Daraufhin konnten die Absperrungen aufgehoben und der Zugverkehr wieder aufgenommen werden.

Bombe wird vernichtet

Der durch den Kampfmittelräumdienst abtransportierte Blindgänger wird nun laut Bundespolizei „zu einem späteren Zeitpunkt vernichtet“. Bernhard Turba, Sprecher der zuständigen Bundespolizei in Nürnberg, erklärt im Gespräch mit unserer Zeitung, dass solche Funde nicht überraschend seien, zumal die Achse Nürnberg-Treuchtlingen-Donauwörth Ziel von Bombenangriffen am Ende des Zweiten Weltkrieges gewesen seien. Dennoch, solche Funde seien „nichts Alltägliches“, sie würden meist bei Bauarbeiten mit größeren Baugruben zutage treten. Im Schnitt finde man im Zuständigkeitsbereich der Nürnberger Bundespolizei alle zwei Jahre solche Fliegerbomben. Ein Mitarbeiter des Räumdienstes erklärt auf Nachfrage, dass es „immer wieder vorkommt, dass der Zünder fehlt“, etwa wenn er durch den Aufprall abfiel statt auszulösen. Die gefundene Granate hätte sonst eine erhebliche Explosion verursachen können.

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Seuffert: Man muss die Luftbilder aus dem Krieg akribisch studieren

Ottmar Seuffert, Donauwörths ehemaliger Stadtarchivar und Vorsitzender des hiesigen Historischen Vereins, hat sich viel mit den Bombenangriffen auf Donauwörth beschäftigt, sie bis ins Detail analysiert und ausgewertet, teils in akribischer Kleinarbeit. So hat er einst für das Stadtarchiv auch historische Luftbilder amerikanischer Aufklärungsflugzeuge nach den Angriffen vom 11. und 19. April 1945 gekauft. Er rät dringend, diese im Vorfeld größerer Bauarbeiten zu studieren. Anhand der Struktur der Krater könne man mitunter erkennen, wo Explosionen erfolgten – und wo eben nicht. Und genau dann sei umso mehr Vorsicht angesagt. Seuffert wundert es, dass es sich bei dem jetzigen Fund um eine britische Bombe handelt – weil Donauwörth zwar zweimal massiv bombardiert wurde, aber eben zweimal durch die amerikanische Luftwaffe: am 11. April 1945 vom 3rd USA Air Force AIR sowie am 19. April von der 9th Bombardement Division der Air Force.

Donauwörths Bahnhof war ein wichtiges Ziel der US-Bomber

Bei den Angriffen seien unter anderem die Städte Treuchtlingen, Ingolstadt und eben Donauwörth vorrangige Ziele gewesen. Seuffert liegt auch die Auswertung der US-Militärs von den Angriffen vor. Hierbei geht der Bahnhofsbereich als ein primäres Ziel eindeutig hervor – und eben auch das Resultat: Sieben Schwadronen zerstörten die Gleisanlagen fast komplett, ebenso massiv die Stellwerke und Werkshallen. Auf dem Luftbild vom 14. April 1945 – also nach dem ersten Angriff – ist die Eindeutigkeit des Bahnhofs als Ziel klar zu erkennen. Warum nun aber eine britische Granate? Seuffert kann sich dies nur damit erklären, dass die Granaten wahrscheinlich in den USA produziert worden waren, sie aber von beiden alliierten Luftwaffen verwendet wurden. In jedem Fall, so Seuffert, sei davon auszugehen, dass noch einiges an Unschönem unter der Erde liege – besonders im Bereich jener ehemaliger Ziele. Bei der Umgestaltung des Bahnhofsvorplatzes vor einigen Jahren wurde ebenfalls eine Bombe gefunden. Zuvor habe Seuffert vergebens angemahnt, eine Bodenanalyse in Auftrag zu geben. Das Ganze hätte damals auch anders ausgehen können.

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