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Bäumenheim

22.01.2021

KZ-Opfer in Bäumenheim bekommen eine Stolperschwelle

Nach dem Vorbild der Stolperschwelle in Leipzig soll auch in der Hauptstraße in Bäumenheim eine Messingtafel zum Gedenken an die Opfer des Nazi-Regimes installiert werden. Geplant ist die Umsetzung der Gedenkkunst im Jahr 2020.
Foto: Sebastian Willnow/dpa

Plus 1944 gab es in Bäumenheim ein KZ-Außenlager. Wie diesen NS-Opfern nun gedacht werden soll.

Über 75 Jahre nach Ende des Zweiten Weltkrieges will auch die Gemeinde Bäumenheim ein „schönes und starkes Zeichen“ setzen – ein Zeichen für die Erinnerung an die Opfer des Nationalsozialismus. Denn in Bäumenheim wurde im Sommer 1944 ein Außenlager des Konzentrationslagers Dachau errichtet. 500 Häftlinge wurden in der Rüstungsproduktion eingesetzt. Viele starben aufgrund der unmenschlichen Lebensbedingungen und bei einem Luftangriff am 19. März 1945.

Bäumenheim möchte diesen Teil seiner Geschichte nicht verdrängen, sondern würdevoll den Opfern gedenken. Deshalb wird die Idee des Gemeinderats Florian Mittler (PWG) aus dem November 2020 wohl auch umgesetzt werden. Bäumenheim will eine sogenannte Stolperschwelle in der Hauptstraße installieren – an einer aus Messing gefertigten Planke sollen Menschen, die an der Stelle vorbeilaufen, an der sich einst der Eingang zum Arbeitslager befand, über die Geschichte der Gemeinde stolpern. Die Schwelle wäre dann Teil der weltweiten Kunst-Denkmal-Aktion des Berliner Künstlers Gunter Demnig, der mittlerweile in 1265 Kommunen in Deutschland und in 21 Ländern Europas mit den Stolpersteinen oder -schwellen die Spuren der Opfer des Nationalsozialismus sichtbar macht.

Mehrere Häftlinge in Bäumenheim starben an Entkräftung Mangelernährung und an Infektionen

Mario Felkl, Vorsitzender der Heimatfreunde Asbach-Bäumenheim, hat sich mit der Geschichte des Außenlagers befasst und viele Daten und Schicksale zusammengetragen. Die Häftlinge haben seinen Recherchen nach in Bäumenheim Flugzeugteile produziert, die andernorts Tod und Zerstörung brachten. Mehrere Häftlinge starben an Entkräftung, Mangelernährung und an Infektionskrankheiten. Sie mussten auf engstem Raum und unter menschenunwürdigen, unhygienischen Bedingungen leben. Wer krank wurde oder nicht mehr arbeiten konnte, wurde in andere Lager transportiert – um dort zu sterben.

Bei besagtem Fliegerangriff im März 1945 starben etwa 60 Häftlinge, so Felkls Recherche. „Auch außerhalb des Außenlagers waren Zwangsarbeiter und Kriegsgefangene in Asbach, Bäumenheim und Hamlar in Industrie und Landwirtschaft in großer Zahl eingesetzt, wobei auch hier viele Gefangene in Asbach-Bäumenheim den Tod fanden“, schreibt Felkl. Eine Stolperschwelle sei in den Augen des Vereins Teil einer „zeitgemäßen Erinnerungskultur“, die jetzt bei der Erneuerung der Ortsmitte an passender Stelle integriert werden könnte.

Was auf der Stolperschwelle eingraviert sein wird, ist noch offen

Der Verein hat sich bereit erklärt, weitere Recherchen zu diesem Thema anzustellen und das Projekt zu begleiten. Noch offen ist beispielsweise, was auf der Schwelle eingraviert sein wird und ob möglicherweise ein QR-Code integriert werden kann. Mit dem Mobiltelefon gescannt könnte dann jedermann nicht nur die Schwelle erkennen, sondern auch die Geschichte dahinter direkt nachlesen. Überlegt werden soll auch, ob eine Beleuchtung installiert werden könnte.

Felkl erklärte in der öffentlichen Sitzung des Bauausschusses, warum eine Stolperschwelle und kein Stolperstein für Bäumenheim passend ist. Ein Stolperstein wird nach dem Konzept Demings dort in den Straßenbelag eingelassen, wo der letzte frei gewählte Wohnsitz eines NS-Opfers lag. Zudem geht es dabei um einzelne Biografien. Mit einer Schwelle könne ganzen Gruppen gedacht werden.

Gemeinderäte in Bäumenheim begrüßen die Idee

Die Idee der Stolpersteine hat auch Kritiker. Eine vehemente Gegnerin von Demnigs Projekt ist Charlotte Knobloch, Präsidentin der Israelitischen Kultusgemeinde München und Oberbayern (IKG), die es als „unerträglich“ bezeichnete, die Namen ermordeter Juden auf Tafeln zu lesen, die in den Boden eingelassen sind und worauf mit „Füßen herumgetreten“ werde.

Diese Stimmen kamen in Bäumenheim aber nicht auf. Alle Mitglieder des Bauausschusses begrüßten die Idee und stimmten dafür. Roland Neubauer (PWG) sprach von einem passenden Mahnmal. So war die Frage, ob ein solches Projekt angegangen werden soll, schnell erledigt – ganz zur Überraschung des Bauamtsleiters, der wohl mit vielen Nachfragen gerechnet hatte.

Die Kosten für die Gemeinde, die das Projekt befürwortet und 2022 umsetzen will, werden auf etwa 2000 Euro geschätzt. Bauamtsleiter Stefan Bissinger hat bereits mit der aktuell in Bäumenheim tätigen Firma Strabag abgestimmt, dass eine Stolperschwelle nachträglich eingebaut werden könnte.

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