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Kabarett
10.03.2020

Schämen Sie sich auch für Ihre Familie?

Zwei von der skurrilen Sorte: Die BlöZingers.
Foto: Daniela Graf

Das Duo BlöZinger bringt Skurriles, (Un-)Gewöhnliches und Nachdenkliches niveauvoll auf die Thaddäus-Bühne

„Was die Familie verbindet? Man schämt sich für etwas oder generell“, erklären Roland Penzinger und Robert Blöchl alias BlöZinger auf der Kleinkunstbühne im Kaisheimer Thaddäus. „Wenn du glaubst, du bist erleuchtet – besuch’ deine Familie!“ Ja, man fühlt sich als Zuhörer schon ein bisschen ertappt, gleichzeitig amüsiert.

Das Duo BlöZinger, seit 2004 zusammen auf den Bühnen Österreichs und Deutschlands, schafft es, Bilder in die Köpfe seiner Gäste zu projizieren. Man fühlt sich an diese Karikatur erinnert: die durch einen Specht durchlöcherte Arche Noah mit der Überschrift „Egal wo du bist, es gibt immer ein Arschloch“. Und da ist man schon bei einer der Charakterzeichnungen des Familientreffens anlässlich der Beerdigung des Vaters Erich, bei Tante Trude und ihrem Tourette-Syndrom. „ERiCH“ heißt auch das Programm der beiden in Wien lebenden Künstler, welches sie in Kaisheim präsentierten.

Die Brüder Jakob und Simon stehen vor der Kirche, um Vater Erich zu Grabe zu tragen. So ganz grün sind sich die Brüder nicht, machen sich gegenseitig Vorwürfe und necken sich – ganz zum Amüsement des Publikums. In der Kirche treffen sie auf Tante Trude, ihren indischen Freund Ashanti, die tyrannische Tante Herta, ihren stillen, aber doch latent aggressiven Mann Paul und den Bruder der beiden Tanten, Alfons, der gerade auf Bewährung aus dem Gefängnis entlassen wurde. Kurioser könnte die Zeichnung einer Familie nicht sein und bietet daher einen fundierten Boden für großartige Situationskomik. Alle Figuren – auch die später auftauchenden Polizisten Harry und Stefan, die hinter „Knasti Alfons“ und seinem Kumpanen her sind – werden durch Penzinger und Blöchl verkörpert, in einer Höchstleistung an Pantomimik und Schauspielerei. Sie wechseln ihre Figuren so schnell und authentisch, dass man die fehlende Kostümierung ganz vergisst.

Das Familientreffen wird schließlich zum Roadmovie, denn der letzten Wunsch Erichs war es, seine Asche im Garten seines Hauses zu verstreuen. Der Sarg, „den man auch bei Aldi für 3,99 Euro hätte kaufen können“ (Tante Herta) ist somit leer und die Asche des Vaters befindet sich in der Vanillekipferl-Keksdose der Tante Trude. Mit dem klapprigen Fiat, der nur noch durch Kaugummi „im Wert von 3000 Euro“ zusammengehalten wird, beginnt die Fahrt, die sich zu einer chaotischen Reise entwickelt. Während Simon, Jakob, Tante Trude und Ashanti in dem Fiat („Ferrari in außergewöhnlicher Tarnung“) Platz nehmen, werden sie von Tante Herta, die nicht in den dritten Gang schalten will und Paul in einem Wagen, dahinter in einem anderen Auto Alfons und Kumpane und den beiden wohl unfähigsten Polizisten überhaupt – Harry und Stefan – verfolgt.

Ein Achsenbruch wird schnell mithilfe von Kaugummi und Heliumluftballons, des immer wieder auftauchenden Luftballonverkäufers gekittet und die Familie schwebt im Fiat „über den Wolken“ zum Ziel. Auch die anderen Figuren schaffen es mit Ach und Krach dorthin. Was sich im Laufe der Autoverfolgungsjagd geändert hat, ist das Verhältnis der Brüder und die Einsicht „Kaugummi hält einfach alles zusammen – auch die Familie.“ Zu Recht haben die beiden Kabarettisten Penzinger und Blöchl unter anderem den Deutschen Kleinkunstpreis gewonnen.

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