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Donau-Ries

17.04.2019

Landrat Stefan Rößle hat plötzlich 55.000 Euro im Briefkasten

Diese anonyme Geldspende steckte bei Landrat Stefan Rößle im Briefkasten.
Bild: Stefan Rößle

Landrat Stefan Rößle fand bei sich im Briefkasten ein merkwürdiges Paket: Kein Absender, keine Briefmarke. Der Inhalt war mehr als überraschend.

Es wäre vermutlich vermessen an dieser Stelle zu behaupten, dass Landrat Stefan Rößle an den Osterhasen glaubt. Aber angesichts der Ereignisse vor knapp zwei Wochen...

Es war ein Freitagnachmittag. Der Landrat war nach Feierabend zu seiner Familie nach Oberndorf gefahren. Und wie jeder, der nach Hause kommt, holte er die Post aus dem Briefkasten. Darin: ein merkwürdiges, fest verklebtes Päckchen. Es war ohne Briefmarke und ohne Absender. So richtig dachte sich der Landrat nichts dabei und, weil er zum Kabarett ins Autohaus Mayr-Zeller weiterwollte, ließ er das Päckchen erst einmal liegen.

Am nächsten Tag dann, machte er sich doch daran, den dicken Umschlag zu öffnen. „Ich habe gegenüber meiner Frau noch gescherzt: Mach es Du auf, vielleicht ist es eine Bombe“, erzählt der Landrat und grinst ein wenig schelmisch.

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Anonyme Spende bei Landrat Rößle: 100er, 200er und 500er-Scheine

Als Rößle schließlich das „Risiko“ selbst auf sich nahm, das Päckchen öffnete und realisierte, was genau darin steckte, muss es sich dann wohl doch so angefühlt haben, als wäre der Osterhase an seinem Haus vorbeigehoppelt und hätte ihm ein besonders großzügiges Geschenk gemacht: Im Umschlag waren 55000 Euro.

„Ich habe die Scheine gezählt und es wurden immer mehr“, erzählt Landrat Rößle auch heute noch ganz aufgeregt, angesichts des unerwarteten Geldsegens und der mehr als gelungenen Überraschung. Es waren große Scheine: Hunderter, 200er, 500er-Scheine. Und eine kleine Postkarte – ebenfalls ohne Absender und Unterschrift. Darauf stand nur in ordentlich geschriebenen Lettern: „Spende für eine Schule in Afrika!“ Die Karte selbst verriet nichts über die Herkunft des Absenders. Es war eine SOS-Kinderdorf-Postkarte.

Erst Freude, dann Zweifel: Sind die Scheine im Briefkasten echt?

Die erste Freude war natürlich groß. Dann aber kam erst einmal der Zweifel: Sind auch alle Scheine echt? Woher kommt das Geld? Rößle, vor seiner politischen Karriere selbst bei der Polizei, suchte den Rat seiner ehemaligen Kollegen und ließ die Nummern der Scheine prüfen und sich auch die Echtheit des Bargeldes bestätigen. Bis auf einen 200er-Schein, der wohl etwas merkwürdig verfärbt war, hatte die Polizei aber keinerlei Bedenken.

„Ich war gerührt und erfreut zugleich“, sagt Rößle. „Und vor allem bin ich erstaunt angesichts des großen Vertrauens, das mir der Spender oder die Spenderin schenkt. Diese Person war sich anscheinend sehr sicher, dass das Geld gut angelegt wird.“

Das wird es nun auch. Das Projekt ist bereits ausgewählt – und es ist ein ganz besonderes. Es wird für den Wiederaufbau einer durch den Bürgerkrieg zerstörten Schule in Liberia verwendet. 200 Kinder gingen dort einst in den Unterricht. Jetzt müssen sie zwei Stunden Fußweg in Kauf nehmen, um zu einer anderen Schule zu gelangen, wo aktuell nur ein Notprogramm angeboten wird. Der lange Weg ist vor allem für die Mädchen sehr gefährlich, die deshalb meist gar nicht erst zum Unterricht dürfen.

Das Geld aus der anonymen Spende wird für eine Schule in Liberia verwendet

Die Schule in dem westafrikanischen Land an der Atlantikküste soll in Zusammenarbeit mit der Stiftung Fly&Help und dem örtlichen Bildungsministerium wieder aufgebaut werden. Das Geld aus der anonymen Spende deckt die Kosten komplett ab. „Das wird ein Leuchtturmprojekt für das ganze Land, das oft in Vergessenheit gerät“, sagt Rößle. Da andere Spender bisher nicht so leicht zu überzeugen waren, dort ihr Geld einzusetzen, kam die anonyme Großspende dafür besonders gut. Mit der Schule, die sechs Klassenräume umfassen wird, soll auch die Wasserversorgung in der Region ausgebaut werden.

Die 50. Schule in Afrika ist finanziert

Mit der Schule in Liberia wird das Programm „1000 Schulen für Afrika“ dann die 50. Bildungseinrichtung in der Dritten Welt finanzieren. Allein aus dem Landkreis Donau-Ries kamen Spenden für 22 Schulen zusammen.

„Ich hoffe sehr, dass der Spender mit der Verwendung seines Geldes zufrieden ist“, sagt Rößle. Er wird diese Episode seiner Zeit als Landrat wohl lange in Erinnerung behalten. Und wohl auch immer wieder an Ostern daran denken.

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17.04.2019

Bei Spenden aus anonymer Quelle habe ich als Leser so meine Bedenken, solange man nicht weiß ob Sie eventuell aus der Schweiz stammen.

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