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Baugebiet

02.01.2012

Nymphen als Nachbarn

Norbert Mannes
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Norbert Mannes

Vorhaben der Gemeinde Mertingen sorgt durch eine ungewöhnliche Planung für Aufsehen. Fläche bekommt die Form einer Lotusblüte

Mertingen Vielleicht wird es gar nicht so lange dauern, ehe einem eine Lotusblüte ins Auge springt, wenn man Mertingen überfliegt. Sie soll nämlich aus der Vogelperspektive das neue Baugebiet im Mertinger Süden kennzeichnen. Planer, Verwaltung und Gemeinderat arbeiten mit Hochdruck dran, schon bald Parzellen in der Kommune anbieten zu können, die den Grundsätzen der Feng-Shui-Lehre entsprechen.

Kaum sind die ersten Verwaltungshürden für einen ersten Bauabschnitt mit 60 Parzellen genommen, sorgt das Vorhaben bayernweit für Aufsehen. Auch ansonsten sei das Interesse beträchtlich, bestätigt Bürgermeister Albert Lohner: „Die Nachfrage ist groß.“ 60000 Quadratmeter befänden sich im Besitz der Gemeinde. Diese seien nun beplant worden.

„Bei der geomantischen Begehung und Analyse im Projektteam erkannten wir die Präsenz von Nymphen auf dem Grundstück. Daher empfiehlt es sich, das Neubaugebiet in Bauabschnitten zu erschließen, um ausreichende Rückzugsmöglichkeiten für die Naturwesen zu schaffen.“ Solche Sätze, wie man im Vorentwurf zum Bebauungsplan findet, sind nicht jedermanns Sache in Mertingen. Aber Verfasser Norbert Mannes (Monheim) erfreut sich wissenschaftlicher Anerkennung.

Er hat zum Thema Geomantie seine Diplomarbeit verfasst und Mertingen dafür als Beispiel genommen. „Durch die systematische Aufstellungsarbeit nehmen wir Kontakt zu den vorherrschenden Energien auf und erkannten die Notwendigkeit, für die Nymphen einen entsprechenden Raum zu schaffen“, schreibt Mannes. „Dieser sollte Platz zum Tanzen bieten und verspielt sein.“ Wie der Diplom-Ingenieur weiter erklärt, sei daraufhin die Idee entstanden, „dem Neubaugebiet die Form einer Lotus- beziehungsweise Seerosenblüte (botanisch Nymphaea) zu geben“.

Mannes hat das infrage kommende Areal, das im Süden Mertingens von der Umgehungsstraße begrenzt wird, genau untersucht und will dabei nicht nur Hinweise auf Nymphen wahrgenommen haben. Durch „Fernpeilung“ registrierte er einen „strahlenden Engelfokus“ im Mertinger Gemeindewald, „eine helle, lichte und heilige Energie“. Mannes sieht in Engeln die Genien ganz besonderer Plätze. Er hat aber auch einen Gegenpol bestimmt: den Fokus der Unterwelt.

Mit einer Wünschelrute war Mannes im künftigen Baugebiet unterwegs, hat aber auch die sogenannte Radiästhesie angewendet. In seiner Arbeit erklärt er zudem, dass auch das Pendel ein weiteres Hilfsmittel sein könne.

Wer mit Geomantie und Feng- Shui nicht allzu viel am Hut hat, wird sich an die harten Fakten halten. Heinz Zettl und Christoph Roider von der Ingenieurgesellschaft Steinbacher-Consult (Neusäß) haben die Vorgaben des Experten aufs Papier gebracht. Sie haben eine organische Planung vorgelegt, die deutlich von herkömmlichen Baugebieten abweicht. Man verspricht sich dadurch eine automatische Verkehrsberuhigung. Die Straßen sollen als Spielstraßen kinderfreundlich angelegt werden.

Er sei froh, so Bürgermeister Lohner, „dass der Gemeinderat mit ihm voll hinter dem Plan steht“. Das Thema Geomantie selbst, jene Wissenschaft, der zufolge sich die energetischen, seelischen und geistigen Qualitäten eines Orts mit Hilfe von Gefühlen und Geräten wie der Wünschelrute erfassen lassen sollen, sei natürlich diskussionsfähig, „aber letztlich zählt das Ergebnis“.

Die Mertinger sind nicht die Einzigen, die ein Neubaugebiet auf der Grundlage geomantischer Untersuchungen planen ließen. Allein Mannes kennt sieben weitere Projekte in Bayern. Nur das in Mertingen beruht auf der Diplomarbeit, die Mannes an der Hochschule Weihenstepahn-Triesdorf angefertigt hat.

Was jenseits des geistigen Hintergrunds Fakt ist: Es werden im Bereich „Mertingen Süd“ verschiedene Baustile zugelassen sein, „quartierunterschiedlich“. Neben Einfamilien- sollen auch Reihenhäuser und größere Wohneinheiten entstehen.

Ziel sei es, so Bürgermeister Lohner, dass die Interessenten nach den Erschließungsarbeiten voraussichtlich im Juli mit dem Bau ihrer Wohnprojekte beginnen könnten. Bis dahin sollen auch schon die Straßen in dem Baugebiet trassiert und mit einer ersten Asphaltschicht versehen sein. "Angemerkt

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