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Donauwörth

29.01.2021

Schwester Christina kämpft gegen Not, Elend und Corona

Schwester Christina bei ihrem täglichen Einsatz in Albanien. Hier hilft sie den Menschen in einer Romasiedlung, um deren Not zu lindern.

Plus Die Ordensfrau aus Donauwörth wurde mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Sie erzählt von ihrer Arbeit für die Ärmsten.

Aus dem schwäbischen Nordheim ins albanische Shkoder: Schwester Christina Färber, eine gebürtige Donauwörtherin, hat sich 1999 dem karitativen und christlichen Wirken in Albanien verschrieben. Den Kontakt in die Heimat hat die 64-Jährige jedoch nie verloren. Freundschaften bestehen weiterhin, Hilfe in Form von Spenden wird ihr regelmäßig von hier aus für ihre Arbeit zuteil. Am Freitag wurde die Klosterfrau mit dem Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland Erster Klasse ausgezeichnet, um ihren unermüdlichen Einsatz für die Armen wertzuschätzen. Wir sprachen mit Sr. Christina.

Schwester Christina, was bedeutet das Bundesverdienstkreuz für Sie?

Christina: Das weiß ich nicht so recht. Ich weiß, dass es eine hohe Auszeichnung der BRD ist und ich nehme sie dankend an. Ich nehme sie auch für all jene entgegen, die jeden Tag hier mit uns leben und arbeiten, besonders für Schwester Michaela, meine Mitschwester und beste Freundin. Für mich bedeutet die Verleihung auch ein Zeichen der Wertschätzung für all unsere Armen, die im Überlebenskampf schier Unmögliches erleiden. Diese Auszeichnung, die ja auch die Kreuzesform hat, ist für mich auch ein Hinweis auf meinen Herrn, der sein Leben für mich gegeben hat und dem ich nachfolge. Die Auszeichnung nehme ich für jene entgegen, die in der Heimat uns seit Jahren treu unterstützen, uns helfen, spenden, für uns beten und uns jeden Tag zeigen, dass Solidarität nicht nur ein Wort ist.

Wie ist Ihr Leben in Albanien?

Christina: Ich bin sehr glücklich, und habe hier im Leben mit den Armen und im Kloster alles gefunden, was für mich heißt: das Leben erfahren, das Leben schätzen und mit seinen vielen Facetten schützen. Papst Franziskus sagt, dass wir an die „Ränder“ gehen sollen. Ich kann sagen, dass wir diese Ränder des menschlichen Lebens hier erfahren.

Wie meinen Sie das?

Christina: Das Elend, die Armut mit unsäglichen Schicksalen und vielen Gesichtern der Armen fordert uns voll, und lehrt uns, einfach da zu sein, mit auszuhalten und hinzulangen, wo es nötig ist. Die Ausbeutung der Armen, verbunden mit Schmutz und Korruption lassen uns in die Abgründe der menschlichen Seele gucken und fordern uns zur Vergebung heraus, aber auch zur Gradlinigkeit und zum Kampf gegen Ungerechtigkeit. Und das Wort Weggemeinschaft, das ja meine Gemeinschaft benennt, fordert uns jeden Tag neu heraus, dann mit den Menschen den Weg zu gehen, wenn sie es am nötigsten haben.

Peter Zirngraf verleiht Sr. Christina (Mitte) das Bundesverdienstkreuz. In seine Anerkennung schließt er Sr. Michaela mit ein.

Was beschäftigt Sie ganz aktuell in Albanien, wie sehen Ihre Projekte aus?

Christina: Corona und Hochwasser. Ich komme gerade von unserem LIvade, dem illegalen Wohngebiet, wo sich die Menschen aus den Bergen angesiedelt haben. Hochwasser dringt seit heute Nacht in die Häuser ein. Wir sind im Krisenmodus. Das bedeutet, dass wir mit Fischeranzügen im Hochwasser stehen und die Leute in den Häusern aufsuchen. Eben habe ich drei Familien besucht. Wir haben ihnen Blocksteine bezahlt, damit sie Möbel hochstellen und vielleicht retten können. Dann habe ich ihnen klar gemacht, dass der Strom abgeschaltet werden muss, denn ein Stromschlag im Wasser ist tödlich, wir haben Trinkwasser besorgt und Fischeranzüge verteilt. Diese Tage sind wir also bei jenen, die einfach schon am Resignieren sind. Daneben ist Covid hier außer Kontrolle. Die Menschen brauchen Unterstützung.

Welche Projekte laufen schon gut?

Christina: Da gibt es etwa den Kindergarten, die Müllabfuhr mit Pferd und Wagen. In der Ambulanz haben wir außerdem jeden Tag bis zu zehn Patienten. Und Notfälle gibt es immer. Kinder- und Jugendgruppen sind am Laufen, die Frauengruppe habe ich im letzten Jahr begonnen. Nach wie vor intervenieren wir, wenn es um Blutrache geht. Notfallhilfen sind täglich aktuell; wir verteilen Lebensmittel, Kleider, jetzt Heizmaterial, Decken. Die Corona-Krise hat die Armut sehr verstärkt. Außerdem sind wir hier Anlaufstelle für so ziemlich alle Probleme. Es gibt unglaubliche Schicksale und aus einem großen Umfeld kommen die Menschen, auch um einen Weg aus ihrer Misere zu finden, Hoffnung zu schöpfen. Unser Klösterle ist einfach so eine Insel geworden. Daneben haben wir zwei wunderbare Jungs, die voll zur Klosterfamilie gehören: Abraham und Antonio.

Welche Kontakte pflegen Sie noch besonders in Ihre schwäbische Heimat?

Christina: Ich habe in der Heimat meine drei Schwestern, viele, viele gute Freunde und den Förderverein. Es ist einfach wunderbar, so eine tolle Beziehung zu Donauwörth und dem Landkreis über Jahre hinweg haben zu dürfen. Dies ist wie guter „Rückenwind“. Ich fühle so viel Wohlwollen, erlebe so viel Hilfe und Freundschaft. Und – so Gott will und Corona heuer nicht wieder den Weg verschließt – dürfen wir wieder im August in die Heimat kommen.

Möchten Sie den Menschen hier noch eine Botschaft mit auf den Weg geben?

Christina:Vielleicht eines, obwohl ich es eigentlich nicht wage, eine Botschaft an so wunderbare Leute zu geben: Die Dankbarkeit für alles, insbesondere für das Leben, zu pflegen und jeden Tag einfach dem Schöpfer ein Danke sagen für die kleinsten Dinge.

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