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Daiting

10.12.2020

So könnten die Ussel-Fluten in Daiting entschärft werden

Im 2014 neu ausgebauten Bachbett der Ussel in Daiting hat sich eine Humusschicht abgesetzt. Zudem wächst links und rechts des Wasserlaufs Gras – alles Faktoren, die eine Flut im Ort begünstigen, so ein Experte.
Bild: Heike Wildfeuer-Fick

Plus Ein Experte schlägt Maßnahmen vor, wie bei einem Hochwasser der Pegel der Ussel in Daiting reduziert werden könnte. Es geht um Gras und Erdablagerungen.

Die Verantwortlichen der Gemeinde Daiting machen sich große Hoffnungen, mit ein paar gezielten Maßnahmen die Hochwassergefahr entlang der Ussel im Kernort deutlich reduzieren zu können. Grundlage dafür sind Untersuchungen eines Experten. Der stellte seine Vorschläge jetzt dem Gemeinderat vor.

Im Bereich der Gemeinde Daiting sowie des benachbarten Itzing (Stadt Monheim) ging zuletzt am frühen Abend des 19. Juni ein extremer Starkregen mit bis zu 100 Litern pro Quadratmetern nieder. Die Ussel, die sonst eher ein Rinnsal bildet, schwoll zu einem reißenden Fluss an und trat unter anderem in Daiting über die Ufer.

Der Gemeinderat Daiting verzichtet auf eine staatlich bezuschusste Studie

Der Gemeinderat erörterte anschließend, ob es sinnvoll wäre, ein sogenanntes Sturzflut-Risikomanagement erstellen zu lassen. Der Freistaat Bayern übernimmt 75 Prozent der Kosten für eine solche Studie. Doch die Räte winkten im August ab: Die Kosten wären für die kleine Juragemeinde trotzdem (zu) hoch, ganz abgesehen davon, dass die weiteren, daraus resultierenden Maßnahmen noch viel größere Summen verschlingen könnten – die sich die Kommune auch bei einer üppigen Förderung nicht leisten könnte.

Das Gremium in Daiting wählte einen anderen Weg. In der Kommune hat sich ein Fachmann niedergelassen, der mit dem Thema Hochwasser bestens vertraut ist. Der frühere Dozent an einer Hochschule untersuchte, so berichtet Bürgermeister Roland Wildfeuer, ehrenamtlich – also unentgeltlich – das Abflussverhalten der Ussel. Das Ergebnis trug der Fachmann nun den Räten vor. Demnach ließe sich den Berechnungen zufolge mit drei konkreten Maßnahmen der Pegel des Bachs nach starken Niederschlägen um insgesamt 58 Zentimeter im Dorf senken.

Das Gras im Bachbett der Ussel müsste regelmäßig gemäht werden

Zum einen wäre es nach Ansicht des Experten wichtig, das Gras im Bachbett regelmäßig zu mähen – und zwar nicht nur im Ort selber, sondern auch talwärts bis zur Nachermühle. Grund: Das Gras bremse den Abfluss an der Sohle erheblich. Würde das Gras kurz gehalten und Büsche entfernt, ließe sich der Pegel im Dorf um 26 Zentimeter reduzieren.

Ein weiteres Problem: Im seit 2014 neu ausgebauten Bachbett der Ussel hat sich inzwischen eine etwa 40 Zentimeter starke Humusschicht angesammelt. Auch dies erhöhe den Pegel. Würde der Humus entfernt, würde das den Wasserstand um 15 Zentimeter verringern.

Eine Engstelle am Ortsrand von Daiting müsste verbreitert werden

Dritter Punkt: die Engstelle am östlichen Ortsrand. Dort mündet auch der Überlauf des Stauraumkanals in die Ussel. In dem Kanal wird eigentlich Schmutzwasser gesammelt, bevor es zur Kläranlage weitergeleitet wird. Kann die Kanalisation das Abwasser nicht mehr fassen, wird es – stark verdünnt – in die Ussel abgeleitet. An dieser Stelle bildet das Bachbett jedoch laut Wildfeuer einen regelrechten Flaschenhals. Würde das Bachbett dort um zwei Meter verbreitert, würde man dem Experten zufolge weitere 17 Zentimeter gewinnen.

Unter dem Strich wäre es somit ein um 58 Zentimeter niedrigerer Pegel. „Das ist sehr viel“, erläutert der Bürgermeister. Im Juni wäre in diesem Fall die Ussel in ihrem Bett geblieben.

Wildfeuer will nun eruieren, wie sich die vorgeschlagenen Schritte möglichst zeitnah umsetzen lassen. Zunächst einmal seien Gespräche mit dem Wasserwirtschaftsamt und der Naturschutzbehörde nötig. Der Humus im Bachbett könne aus Gründen des Artenschutzes sicher nicht auf einmal abgebaggert werden. Das Mähen des Grases stelle auch in der Praxis eine Herausforderung dar. Um die Engstelle am östlichen Dorfrand beseitigen zu können, müsste die Gemeinde etwas Privatgrund kaufen.

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