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Donau-Ries

30.07.2019

Tausende Fische sterben durch die Folgen der Hitzewelle

Tausende Fische sind am Wochenende in einem Altwasser Donau erstickt.
Bild: Schweinbeck

Plus Durch die Hitzewelle ist der Sauerstoffgehalt im Donaualtwasser so sehr gesunken, dass viele Fische verendeten. An dieser Stelle gab es schon oft ein Fischsterben.

Als Manfred Schweinbeck am Samstagmorgen ans Donaualtwasser zwischen Lechsend und Leitheim kommt, bietet sich ihm ein Bild des Jammers: Tausende von Fischen schwimmen bäuchlings an der Wasseroberfläche – Hechte, Karpfen, Schleien, Bitterlinge, Rotfedern, Rotaugen, Braxen und andere Arten mehr. Sie sind in Folge von Sauerstoffmangel qualvoll verendet. Andere schnappen noch nach Luft, haben aber keine Chance mehr. Die jüngste Hitzewelle hat ihnen den Garaus gemacht. Es ist das siebte oder achte massive Fischsterben in nur 25 Jahren in diesem Gewässer.

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Fischsterben im Kreis Donau-Ries: Polizei verständigt

Eigentlich wollte Manfred Schweinbeck an jenem Tag dafür sorgen, dass Luft ins Wasser kommt. Wie so oft hatte der Fischereiberechtigte vor, Gestrüpp rauszuhauen, das die Wasseroberfläche immer mehr bedeckt. Doch dazu kommt er nicht mehr. Was ihm bleibt, ist das übliche Prozedere in einem solchen Fall von Fischsterben: die Polizei und das Wasserwirtschaftsamt zu verständigen. Die Behörde nimmt Wasserproben und Fischkadaver zur Untersuchung mit. Das Ergebnis laut Manfred Schweinbeck: „Sauerstoffgehalt gleich Null.“

Dem Fischereiberechtigten aus Lechsend blutet das Herz, wenn er sieht, was aus diesem etwa 56 Hektar großen Altwasser geworden ist, das vor genau einem Vierteljahrhundert zum Naturschutzgebiet erklärt worden ist. Es trägt ganz offiziell die Bezeichnung „Juwel unter den Artenschutzgebieten“.

"Für den Fisch bleibt immer weniger Lebensraum"

„Es hat sich in dieser Zeit dramatisch verändert“, sagt er. „Wir haben hier eine starke Verlandung und Verkrautung. Für die Fische bleibt immer weniger Lebensraum. Es kann nicht im Sinne des Naturschutzes sein, das Altwasser immer mehr zuwachsen zu lassen.“ Dieses Juwel sei eine ideale Kinderstube für die ganz natürliche Nachzucht der Donaufische. Zudem sei das Gebiet auch wegen seiner seltenen Vogelarten ökologisch bedeutsam.

Überall im Donaualtwasser zwischen Marxheim und Lechsend schwimmen verendete Fische. Manfred Schweinbeck, der dort das Fischereirecht inne hat, zeigt die Problematik. Das Altwasser liegt im Naturschutzgebiet, droht aber zu verlanden und zuzuwachsen.

Manfred Schweinbeck, der sich zusammen mit einem weiteren Fischereiberechtigten und anderen Naturfreunden engagiert, kämpft seit Jahren. Er kämpft darum, dass dieses Donaualtwasser wieder in einen Zustand versetzt wird, der auch künftig für all die vielen Arten Lebensraum bieten kann. Er ist nicht nur mit Landratsamt und Wasserwirtschaftsamt in Kontakt und hat auch Landtagsabgeordneten Wolfgang Fackler früher schon eingeschaltet, sondern macht auch die Regierung von Schwaben und das Bayerische Landwirtschaftsministerium auf die veränderten Umstände aufmerksam. „Ich habe die Regierung über jedes Fischsterben informiert“, schildert er. „Nach meiner Meinung müsste sie diese Verlandung verhindern.“

Einen Zulauf von der Donau müsste geschaffen werden

Schweinbeck sieht nur eine Lösung, mit der es gelingen könnte das Problem dauerhaft zu beheben: Man müsste einen Zulauf von der Donau zum Altwasser schaffen. Unterhalb von Altisheim liegt die seiner Ansicht nach beste Stelle dafür. Dort könne man einen Verbindungsgraben anlegen oder unterirdische Rohre verlegen, um einen kleinen Teil der Donau in das Altwasser umzuleiten. Dann würde die Fließerosion das Altwasser auf natürliche Weise entlanden.

Das Fischsterben in einem Altwasser der Donau zwischen Leitheim und Lechsend ist nicht zu übersehen.
Bild: Schweinbeck

Von einer „schwierigen Situation“ spricht Dr. Andreas Rimböck, der Behördenleiter des Wasserwirtschaftsamts Donau-Ries. Aus seiner Sicht ist es ein normaler Prozess, dass sich die Natur immer wieder verändert und es wäre ein Eingriff, die Verlandung des Altwassers aufzuhalten. „Nimmt man einen Bagger, um das Gewässer von Schlamm und Pflanzen zu befreien, ist das ein großer Eingriff in die Natur, der sehr genau überlegt und auch genehmigt werden muss.“

Wasserwirtschaftsamt sieht Lösung "als derzeit nicht machbar"

Bedenken hat er auch bei der vorgeschlagenen Lösung der Anbindung von Donau und Altwasser: „Bei einem Graben oder einer Verrohrung müssten die Eigentümer zustimmen, durch deren Grundstücke diese bauliche Eingriff gehen soll.“ Und eine solche Anbindung müsse so beschaffen sein, dass sie sowohl bei Niedrig-, als auch bei Hochwasser funktioniere. Für Rimböck liegt nach derzeitigem Stand der Dinge keine Lösung auf der Hand. „Aus unserer Priorität sehen wir das derzeit als nicht machbar an.“

Fischsterben in einem Altwasser der Donau zwischen Leitheim und Lechsend
Bild: Schweinbeck

Ob die Regierung von Schwaben und das Bayerische Landwirtschaftsministerium sich zuständig sehen und gegebenenfalls tätig werden wollen, war gestern nicht zu erfahren. An beiden Stellen waren – urlaubsbedingt – die zuständigen Sachbearbeiter für Stellungnahmen nicht erreichbar.

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