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22.07.2010

Umwälzungen hinter Klostermauern

Schlüsselübergabe für die sanierten Gebäude im Kloster Holzen. Das Bild zeigt von links: Bezirksrat Helmuth Zengerle, Filialleiter Martin Burkhart, den Vorsitzenden vom Dominikus-Ringeisen-Werk Walter Merkt, Prälat Josef Heigl, Bürgermeister Manfred Brummer und stellvertretende Landrätin Anni Fries. Fotos: Marcus Merk
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Schlüsselübergabe für die sanierten Gebäude im Kloster Holzen. Das Bild zeigt von links: Bezirksrat Helmuth Zengerle, Filialleiter Martin Burkhart, den Vorsitzenden vom Dominikus-Ringeisen-Werk Walter Merkt, Prälat Josef Heigl, Bürgermeister Manfred Brummer und stellvertretende Landrätin Anni Fries. Fotos: Marcus Merk

Allmannshofen-Holzen Neue Wege im Kloster Holzen: Bewohner wechseln nach draußen in ein selbstständigeres Leben in Wohngruppen für Behinderte, Leute von außerhalb kommen wiederum in die Klosteranlage zur Übernachtung im Hotel. Passend zu diesem Konzept der Öffnung gibt es in Holzen große Umbauten. Für rund zwei Millionen Euro wurden zwei geschichtsträchtige Gebäude saniert. Offiziell eröffnet wurden auch drei Außengruppen in Meitingen und Nordendorf.

Das Schlagwort, das beim Festakt immer wieder fiel, hieß "Inklusion". Festredner Prälat Josef Heigl erläuterte anschaulich, was sich im Gegensatz zum Wort Integration hinter dem neuen Begriff verbirgt. "Behinderte müssen sich nicht der Gesellschaft anpassen, sondern umgekehrt." Menschen mit Behinderung würden zur Vielfalt in einer Gemeinschaft gehören. Kloster Holzen stelle sich dieser Herausforderung, betonte der Prälat. Durch die Eröffnung der Wohngruppen entlasse sie die Behinderten in eine gewisse Selbstständigkeit.

Betreuerin Heike Tschauner bestätigt, dass dieses Ziel erreicht werde. Die Bewohner der Außengruppen würden sich zum Beispiel sehr gerne zu zweit zusammenschließen, um einzukaufen. Gemeinsam besuchen sie Feste in ihren neuen Wohnorten. Das Dominikus-Ringeisen-Werk (DRW) hat Häuser mitten im Ort gewählt. Die Bewohner seien inzwischen recht gut integriert und hätten gute Kontakte zu den Nachbarn, stellen Heike Tschauner und ihre Kollegen fest.

Eine der Nachbarn ist die 77-jährige Rosa Liepert. Sie hat ihr Anwesen in Meitingens Zentrum an das DRW verkauft - mit der Auflage, dass sie in einem Anbau Wohnrecht bekommt. Zufrieden lebt die Seniorin Tür an Tür mit den 14 Bewohnern der Wohngruppe. Sie kennt alle vom Sehen und freut sich über den herzlichen Kontakt. Anfangs habe sie auf die Anfrage für eine solche Nutzung ihres Hauses eher ablehnend reagiert, gibt sie offen zu. "Aber das hat sich geändert. Ich bereue das nicht, ich fühle mich so sehr wohl." Ihre Tochter wiederum ist froh, dass die Mitglieder der Wohngruppe immer mal wieder nach ihrer allein lebenden Mutter schauen.

Umwälzungen hinter Klostermauern

Zu den Umwälzungen im Kloster Holzen gehört nicht nur der Auszug von 33 Bewohnern, sondern auch die Sanierung zweier denkmalgeschützter Gebäude. 1998 gab es erste Gespräche mit dem Architekten Anton Sommersberger über einen Umbau des leer stehenden Hauses St. Benedikt und des angrenzenden Gebäudes mit dem Namen "Torbogen". Inzwischen ist die Sanierung abgeschlossen. Im unteren Bereich wurden die Förderstätte, ein Treffpunkt für Senioren und eine Begegnungsstätte untergebracht.

Drei Säulen: Gottvertrauen, Fantasie und Mut

Der DRW-Vorstandsvorsitzende, Walter Merkt, nannte drei Säulen, auf denen die Arbeit des Werks fuße: Gottvertrauen, Mut und Fantasie. Die Integration eines Hotels in die Klosteranlage sei ein Beispiel dafür. Bereits 20 neue Zimmer sind im Haus St. Benedikt eröffnet worden. Weitere 50 werden im lang gestreckten Haus Hildegard gerade gebaut.

Der Umbau soll nächstes Jahr fertig sein. Es gehe nicht nur darum, Wanderer und Touristen zu beherbergen, sagte Prälat Heigl. Das Konzept ziele zunehmend auf Menschen, die sich gestresst fühlen und sich bei spirituellen Angeboten oder Wellness im Kloster wieder stärken wollen.

Filialleiter Martin Burkhart betonte, dass kein Cent aus der Behindertenhilfe in das Hotelprojekt fließe. Wichtig sei aber: "Belebung ist das Element, um die Klosteranlage bewahren zu können." Die Betreuung Behinderter habe weiterhin einen hohen Stellenwert. Burkhart bedankte sich bei den Beschäftigten und Bewohnern, die die Turbulenzen des Umzugs mit Geduld ertragen hätten.

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