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Friedberg

29.11.2019

Abschied nach 23 Jahren: Sie baute das Friedberger Kinderheim um

Gudrun Keller-Buchheit hört als Geschäftsführerin des Kinderheimverein Friedberg auf uns wechselt zum Hessing-Förderzentrum in Augsburg. Foto: Ute Krogull

Plus Gudrun Keller-Buchheit war 23 Jahre Geschäftsführerin des Kinderheimvereins Friedberg. Die Probleme von Familien sind in dieser Zeit gewachsen.

Der Kinderheimverein ist eine feste Größe in Friedberg. Kinderheim und Kindertagesstätten kennt fast jeder. 23 Jahre lang wurden sie von Gudrun Keller-Buchheit geleitet – eine Zeit, in der sich viel verändert hat. Nun wechselt die Pädagogische Geschäftsführerin zu Hessing. Dort wird die 59-Jährige Mitte Januar Spartenleiterin des Hessing-Förderzentrums.

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Kinderheim in Friedberg wuchs enorm unter Keller-Buchheit

Die Zeiten, in denen Keller-Buchheit 1992 (damals noch als Heimleiterin) beim Kinderheimverein anfing, sind mit den heutigen kaum vergleichbar. Einerseits wuchs die Einrichtung stark – von 65 auf fast 170 Mitarbeiter. Neue Kindertagesstätten wurden eröffnet, das Kinderheim machte Außenwohngruppen auf, kümmert sich um junge Flüchtlinge, Aufgaben wie die ambulante Betreuung von Familien oder die Jugendsozialarbeit an Schulen kamen hinzu. Andererseits hat sich auch die Pädagogik verändert. Noch immer steckt in manchen Köpfen das Bild der „armen Waisen“ im streng geführten Heim – doch so ist es längst nicht mehr.

Voll Idealismus und mit fortschrittlichen Ideen übernahm Keller-Buchheit Anfang der 1990er Jahre die Aufgabe als Heimleiterin in ihrer Heimatstadt Friedberg. Zuvor hatte sie nach dem Studium der Sozialen Arbeit und Diplompädagogin in Bamberg mehrere Jahre in einer Jugendwohngruppe und für die Adoptionsberatung der Diözese gearbeitet. Georg Fendt selber stellte sich als Heimleitung ein und machte sie später zu seiner Nachfolgerin in der Geschäftsführung. „Er wollte frischen Wind hineinbringen“, meint Keller-Buchheit rückblickend. Das Kinderheim war damals stark von den Mallersdorfer Schwestern geprägt, die selber die Gruppen leiteten. Vieles sei sehr reglementiert gewesen. Doch im Lauf der 90er Jahre baute sie das Kinderheim konzeptionell und pädagogisch um – ein Kraftakt.

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Alle Kinder sollen in Friedberg eine Chance haben

Mittlerweile werden 45 Kinder und Jugendliche im Kinderheim im Georg-Fendt-Haus begleitet. Mehr als 60 Familien betreut der sozialpädagogische Fachdienst ambulant. Darüber hinaus besuchen 500 Kinder eine der sieben Kindertagesstätten. Eine weitere Kita an der Bozener Straße ist geplant. Außerdem soll am Kinderheim ein Familienstützpunkt angesiedelt werden, der Eltern Rat und Hilfe bietet.

Ohne ihre engagierten Mitarbeiter wäre der Wandel nicht vonstattengegangen, betont Keller-Buchheit, die sagt, ihr sei es stets Anliegen gewesen, dass auch Kinder mit schwierigen Startbedingungen eine Chance bekommen. Das werde immer wichtiger, denn: „Die Probleme von Kindern bzw. Familien sind größer geworden.“ Und längst machen diese Probleme nicht mehr vor der vermeintlich heilen Welt der Mittelschicht Halt.

Kinderheim in Friedberg: Eltern sind teilweise überfordert

Immer mehr Eltern haben psychische Probleme, tun sich schwer, Grenzen aufzuzeigen, seien so mit sich, ihrer Arbeit, der Wohnsituation beschäftigt, dass die Kinder untergehen. Meist sei dann eine Krise der Auslöser, dass sie allein mit den Kindern nicht mehr klar kommen. Mittlerweile gebe es immer wieder Kinder im Grundschulalter, denen auch der Kinderheimverein nicht mehr helfen kann. „Systemsprenger“ heißen sie im Fachjargon – sogar ein aktuell preisgekrönter gleichnamiger Film dreht sich um solch ein Mädchen. Es ist kein Begriff, den Keller-Buchheit mag, aber die Entwicklung bereitet ihr Sorgen: „Es ist schwer, ein passendes System zu finden, in dem sich diese Kinder angenommen fühlen und entwickeln können.“

Sie sieht aber auch das Positive, das in Heim und Kitas erreicht wurden: Dass viele Jugendliche eine Lehrstelle bekommen (junge Flüchtlinge aber oft fast an der Bürokratie scheitern), dass ein Projekt wie „Raus aus dem Haus“ bei den Jugendlichen ankommt, die voller Begeisterung auf Deutschland-Radtour gehen, dass die Kitas sich pädagogisch mit viel Einsatz weiterentwickeln und dass es trotz des Fachkräftemangels immer wieder gelingt, auch für neue Gruppen Personal zu finden.

Am 6. Dezember feiert Keller-Buchheit ihren Abschied

Denkt sie an „ihre“ Kinder und Mitarbeiter, kommt zum Abschied Wehmut auf. In den nächsten Tagen besucht Keller-Buchheit die verschiedenen Kitas, am 6. Dezember ist die offizielle Abschiedsfeier. Doch die neue Aufgabe bei Hessing in Augsburg-Göggingen reizt sie auch, wie sie sagt, zumal es zwischen ihr und dem Vorstand des Kinderheimvereins in der letzten Zeit offenbar nicht ganz rund lief. Bei Hessing habe sie die Chance, mit 59 noch einmal Neues anzupacken, zumal auch hier eine Neuausrichtung des Förderzentrums anstehe. Gudrun Keller-Buchheits Stelle als Pädagogische Geschäftsführerin wird neu besetzt; Kaufmännischer Geschäftsführer bleibt Richard Schulan.

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