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Debatte in Merching

21.03.2018

Ärger wegen Umstellung auf offenen Ganztag

Die Mittagsbetreuung in Merching wird ab kommendem Herbst in eine offene Ganztagsschule umgewandelt. Nicht alle Eltern sind jedoch über die geplante Änderung glücklich.
Bild: Gönül Frey

Merching ändert das System für die Nachmittagsbetreuung an der Grundschule. Das bereitete einigen Eltern Sorgen. Denn sie wollen bei Bedarf ihre Kinder auch einmal früher abholen dürfen – das geht künftig nicht mehr.

Eine grundlegende Änderung steht für Eltern in Merching an. Der Schulverband stellt ab kommendem Herbst auch an der Grundschule vom bisherigen System der Mittagsbetreuung auf offene Ganztagsschule um. Für die Kinder gilt damit an den gebuchten Nachmittagen die Schulpflicht. Das bereitet einigen Eltern Sorgen. Sie haben sich bereits mit einer Unterschriftenliste gegen die Umstellung ausgesprochen. Etliche werden ihre Kinder ab September nicht mehr in die Betreuung geben.

Umstellung auf OGTS: Acht Kinder kommen nicht mehr

Sozialpädagogin Anita Menge arbeitet seit 19 Jahren in der kurzen Mittagsbetreuung (siehe Info). Sie berichtet von vielen Eltern, die mit der Änderung nicht glückliche seien. Acht Kinder aus der derzeit 26-köpfigen Gruppe werden deswegen ab September nicht mehr kommen.

Es ist vor allem die starre Anwesenheitspflicht bei der Ganztagsschule, welche die Eltern abschreckt. Die Mittagsbetreuung sei eine praktische Überbrückung gewesen, bis sie selbst mit ihrer Arbeit fertig war, erklärt eine Mutter. Ihr älteres Kind kommt in die vierte Klasse, das jüngere startet im Herbst und hätte eigentlich auch die Mittagsbetreuung besuchen sollen. Jetzt wird sie beide nicht mehr anmelden und sucht noch nach einer anderen Lösung. Eine weitere Mutter wird ihre Tochter auch nicht mehr anmelden. „Dann muss sie eben eine Stunde allein zu Hause bleiben – auch wenn mir nicht ganz wohl dabei ist“, sagt sie. Denn sie wolle es sich nicht aufzwingen lassen, ihr Kind in die Betreuung zu schicken, in Zeiten, in denen sie selbst zu Hause wäre. „Sie ändern hier wieder ein System, das gut funktioniert“, ärgert sie sich. Auch eine dritte Mutter in der Runde bedauert das sehr. Sie wird ihre Kinder für den offenen Ganztag aber anmelden, weil sie berufstätig ist und keine andere Möglichkeit hat.

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Offene Ganztagsschule nicht bedarfsgerecht

Anita Menge kritisiert: „Wenn man Kinder zwingt, bis 14 oder 16 Uhr zu bleiben, obwohl die Eltern schon eine Stunde vorher zu Hause wären – das ist doch nicht bedarfsgerecht“, sagt sie.

Doch auch die Flexibilität, die die Eltern in der Mittagsbetreuung so schätzen, ist eigentlich nicht zulässig. So wie es bisher gehandhabt wurde, hätte es nicht mehr weitergehen können, erläutert die Merchinger Gemeindeverwaltung. Denn auch die Mittagsbetreuung wird bezuschusst und droht diese Gelder zu verlieren, wenn die Kinder zu den angemeldeten Zeiten nicht da sind. Fällt der Vorzug der Flexibilität weg, überwiegen nach Ansicht der Kommune die Vorteile der offenen Ganztagsschule.

Diese ist enger an die Grundschule angeschlossen, was die Zusammenarbeit beispielsweise bei Hausaufgaben verbessere. Speziell in Merching war es bisher auch so, dass lange und kurze Mittagsbetreuung unterschiedliche Träger haben. Künftig ist für die Ganztagsschule komplett die katholische Jugendfürsorge (KJF) zuständig. Dadurch können Eltern auch kombiniert zwei kurze und zwei lange Tage buchen, was bisher nicht möglich war. Die offene Ganztagsschule ist zudem von Montag bis Donnerstag bis 16 Uhr für die Eltern kostenfrei.

Es gibt allerdings in der neuen Buchungsstruktur auch Nachteile: „Ich habe eine Familie, die braucht nur den Freitag und den Montag. Der Freitag zählt aber nicht zur regulären Gruppe, so dass diese Familie noch einen dritten Tag dazu buchen muss“, erklärt Anita Menge.

Bessere Förderung für Ganztagsschule

Wie Bürgermeister Martin Walch erläutert, haben bei der Entscheidung auch finanzielle Gründe eine Rolle gespielt. So soll in Merching ein Speiseraum mit Essensausgabe neu eingerichtet werden. Mit dem System der Mittagsbetreuung würde der Schulverband hier keine Zuschüsse bekommen, bei einer Entscheidung für die Ganztagsschule hingegen käme nach Auskunft der Regierung von Schwaben ein Antrag auf Förderung nach dem Finanzausgleichsgesetz in Betracht. Im Vorfeld wurde auch überlegt, die verlängerte Mittagsbetreuung umzuwandeln und die kurze in ihrer jetzigen Form zu belassen. Doch das ist nicht zulässig. „An einer Schule kann man nicht beides nebeneinander haben“ erklärt Walch. Den Unmut der Eltern kann er nicht ganz nachvollziehen, sei es doch für sie in vielerlei Hinsicht vorteilhaft. „Aber die Eltern können jederzeit zu uns kommen, wenn sie hier Sorgen haben“, versichert er.

Schulleiterin Renate Janovsky hat die Umstellung befürwortet. Sie hält es für sinnvoll, alle Betreuungsangebote unter einem Träger zu vereinigen. Sie versteht, dass es für die Eltern praktisch war, auch mal eine halbe Stunde früher abzuholen. Wenn persönliche Dinge, wie ein Arzttermin anstehen, werde dies nach vorheriger Anmeldung immer möglich gemacht. Und auch bei anderen dringenden Anliegen der Familien, ist sie sich sicher, dass sich in Ausnahmefällen immer eine Lösung findet. „Da gibt es jetzt im Vorfeld verständlicherweise Ängste. Aber ich denke, das spielt sich ein“, sagt die Schulleiterin.

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