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Aichach-Friedberg

23.12.2020

Alles anders? Vier Aus-Blicke auf das ungewöhnliche Weihnachten 2020

Bei der Friedbergerin Petra Gerber darf ihre Hündin als Erste ihr Geschenk auspacken - noch vor Gerbers Sohn. Was wohl darin ist?
Bild: Franz Scherer

Plus Weihnachten ist ein Fest der Rituale. Doch 2020 ist wegen Corona alles anders - oder doch nicht? Eine Familie und eine Single, ein Pfarrer und ein Heimleiter erzählen.

Petra Gerber, alleinstehend, aus Friedberg

Weihnachten verbringe ich jedes Jahr irgendwie anders. Doch am 24 12. feiere ich immer gemeinsam mit meinem Sohn Max – da freue ich mich sehr darauf! Den Christbaum dekoriere ich meistens am 23.12 abends oder nachts, lege die Geschenke darunter und schließe die Tür. An Heiligabend essen wir gemeinsam. Dieses Jahr wird das Weihnachtsmenü von Samok kommen. Ich will schließlich den Tag genießen und nicht in der Küche stehen. Nach dem Essen, wenn es dunkel ist, hören wir uns Weihnachtslieder an - die klassischen Stücke, gerne darf es aber auch etwas rockiger sein. Auf jeden Fall ist "Halleluja“ dabei - das ist zwar kein Weihnachtslied, für mich immer ergreifend und emotional.

Dann wird die Tür zum Wohnzimmer mit dem Christbaum geöffnet und wir halten eine Weile inne - genießen die Musik, die innere Stille und die Atmosphäre. Meine Hündin darf als Erste ihr Geschenk auspacken, danach mein Sohn. Er ist 28 Jahre alt, aber das besondere Gefühl in diesem Moment hat sich nicht geändert! Gemeinsam ratschen wir, lachen ein bisschen über die Vergangenheit und sehen uns einen Film an. Normalerweise gehen wir in die Mitternachtsmette in St. Jakob, dieses Jahr aber nicht. Weil auch in den anderen Gottesdiensten die Plätze begrenzt sind, überlassen wir unseren Platz lieber den Menschen, die vielleicht sonst niemanden an diesem so besonderen Weihnachtsfest haben.

Klaus Mayinger leitet das Seniorenheim St. Agnes in Mering. Dort geht er selber von Wohngruppe zu Wohngruppe und spielt den Bewohnern Musik vor.
Bild: Caritas

Klaus Mayinger, Einrichtungsleiter Seniorenzentrum St. Agnes, Mering

Wir veranstalten jedes Jahr am 23. Dezember abends eine große Weihnachtsfeier für unsere Bewohner. Wegen Corona kann diese heuer leider nicht im großen Rahmen in der Cafeteria stattfinden, weil wir da die Abstände nicht einhalten können. Deshalb feiern wir dieses Mal in den drei Wohngruppen. Ich wandere dann mit meiner Musikanlage von Wohngruppe zu Wohngruppe und wir lauschen den Weihnachtsliedern. Es gibt auch ein besonderes Festtagsessen, oft ist das Gans oder Ente. Unsere Küche serviert nicht jedes Jahr dasselbe, sondern wechselt ab. Die Bewohner bekommen von uns Präsente, aber viele beschenken sich auch untereinander.

Heiligabend findet dann um 10 Uhr ein Gottesdienst statt. Dieses Jahr ist die Messe aber nur für die Bewohner. Einzelbesuche sind derzeit leider nur möglich, wenn der Besucher eine FFP2-Maske trägt. Zudem muss dieser ein negatives Testergebnis bzw. Schnelltest nachweisen. Normalerweise dürfen die nicht älter als drei Tage bzw. 48 Stunden sein, zu Weihnachten liegt die Frist bei vier Tagen bzw. 72 Stunden. Abends wird zudem in jeder Wohngruppe Weihnachten gefeiert. Bei uns ist also niemand alleine.

Sandra, Daniel, Neele und Malte Maucher aus Dasing feiern Weihnachten in recht kleinem Kreis. Die Oma in Baden-Württemberg rufen sie nur an - per FaceTime, damit man sich wenigstens sieht.
Bild: Edigna Menhard

Sandra Maucher mit Daniel, Neele und Malte, aus Dasing

Wir feiern so richtig klassisch Weihnachten, immer in der Familie im sehr kleinen Kreis mit meinen Eltern, meiner Schwester, meinem Bruder und natürlich meinem Mann und meinen Kindern. Vormittags wird der Christbaum aufgestellt und geschmückt. Nachmittags gehen wir normalerweise in die Kirche, was dieses Jahr leider ausfällt. Dann wird gegessen . wie jedes Jahr Würstchen und zweierlei Kartoffelsalat. Im Anschluss gehen wir spazieren, bis man dann durch das Fenster sieht, dass der Christbaum leuchtet - der Opa hat in der Zwischenzeit Christkind gespielt. Da kommen wir schnell ins Haus, lesen die Weihnachtsgeschichte und singen "O du fröhliche“, "O Tannenbaum“ und "Jingle Bells“. Dazu spielen die Kinder Schlagzeug und Gitarre, die Mama auf dem Hackbrett. Danach dürfen die Kinder Geschenke auspacken und wir Erwachsenen beschenken uns. Mit einem Spieleabend klingt dann der 24. 12. aus.

Am ersten Weihnachtsfeiertag fahren wir sonst immer zur anderen Oma nach Baden-Württemberg, dieses Jahr werden wir aber nur ein Telefonat machen - per FaceTime, damit wir uns wenigstens gesehen haben. Der zweite Weihnachtsfeiertag ist ein Familientag, den wir mit unseren Kindern alleine bleiben. Da gehen wir spazieren, meistens durch den Wald.

 Pater Hans-Joachim Winkens, Wallfahrtsdirektor von Herrgottsruh, hat Weihnachten viel um die Ohren. Die Einschränkungen für die Gottesdienste erschweren das 2020 noch.
Bild: Edigna Menhard

Pater Hans-Joachim Winkens, Wallfahrtsdirektor von Herrgottsruh

Am 24. 12. ist unser Tag sehr ausgefüllt. Der Morgen beginnt mit einem Gottesdienst, danach kommen Menschen zu Einzelgesprächen oder zur Beichte. Nachmittags beginnt schon die erste Christmette. Die Christmetten sind für meine Mitbrüder und mich Heiligabend der Schwerpunkt. Leider fällt wegen der Ausgangssperre die 22-Uhr-Messe aus. Dann werden wir aber einen kleinen, privaten Advent feiern und uns an den Christbaum setzen. Wir werden eine Kleinigkeit essen und ein Weihnachtslied singen, wahrscheinlich "Stille Nacht“. Dann tauschen wir Geschenke aus. An den Weihnachtsfeiertagen finden weitere Messen statt, wir werden aber auch Mitbrüder besuchen, natürlich mit Abstand und Maske. Dieses Jahr haben wir vier geistliche Feiertage hintereinander, das ist schon etwas stressig. Wenn ich selbst Kraft tanken will, schaffe ich das durch die Liturgie, Gespräche oder einen Spaziergang.

Es tut auch mal gut, eine Stunde Ruhe zu haben. Ich gehe dann auf mein Zimmer, mache die Tür zu, zünde die Kerzen auf dem Adventskranz an, lese die Weihnachtspost und nasche etwas. Am liebsten mag ich die Plätzchen, die früher meine Mama gebacken hat. Am liebsten mag ich an Weihnachten die Lieder. Was ich bei meiner Arbeit als Priester vermisse, ist, dass ich an Weihnachten nie Kontakt zu meiner Familie habe. Meine Mutter wird nächstes Jahr 90. Die werde ich an Heiligabend irgendwann zwischendurch anrufen.

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