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Asyl

06.08.2018

Dem Schicksal ein Gesicht geben

„Wir tun doch alles, um uns zu integrieren. Jetzt seid ihr dran.“Sie geben dem Schicksal der Flüchtlinge ein Gesicht: Wolfram Grzabka (links), Zia Alibeg und seine Frau Fahima, Rojin Mohammad, Ulrike Proeller und vorne kniend die Schwestern Nour und Bdour Mohamad Ghazi.
Bild: Christine Hornischer

Die Werbeagentur Grzabka Creative und die Stadt Friedberg lassen Flüchtlinge zu Wort kommen. Sie erzählen ihre Geschichte und ihre Erfahrungen in Deutschland

Sie mussten aus ihrer Heimat fliehen und sind in Deutschland gestrandet. Über Flüchtlinge wird derzeit viel berichtet und diskutiert. Die Menschen selbst kommen nur selten zu Wort. „Meine Geschichte“ war der Titel einer Veranstaltung, in der Flüchtlinge ihre ganz eigenen Geschichten in den Gasthof zur Linde nach Friedberg mitbrachten. Veranstalter war die Werbeagentur Grzabka Creative in Kooperation mit der Stadt Friedberg und ihrer Asyl- und Integrationsbeauftragten Ulrike Proeller.

Organisator Wolfram Grzabka sagte zu Beginn: „Das Flüchtlingsthema beschäftigt viele von uns, ich finde es wichtig, dass auch die Betroffenen selber einmal zu Wort kommen.“ Einige seien zu traumatisiert, um von ihren schrecklichen Erlebnissen zu berichten. Andere finden die Kraft, sie erzählen ihre Geschichten und geben dem abstrakten Begriff „Flüchtlinge“ ein Gesicht.

Betreut werden sie von der Asyl- und Integrationsbeauftragten Ulrike Proeller. In Friedberg gibt es derzeit 400 Geflüchtete. Circa 250 Personen sind bereits anerkannt, 154 weitere befinden sich noch in laufenden Asylverfahren, ist auf einer Karte zu lesen, die Wolfram Grzabka auf den Gasthof-Tischen ausgelegt hat. Drei von ihnen erzählten vor zwei Dutzend Zuhörern von ihrem Leben in den jeweiligen Heimatländern, die Gründe für ihre Flucht, die Fluchterlebnisse und ihr neues Leben in Deutschland. Die Zuschauer erhielten Einblicke in das Leben der Flüchtlinge vor den Krisen in ihren Herkunftsländern, wurden aber auch mit der brutalen Realität im Zusammenhang mit Verfolgung und Krieg konfrontiert.

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So erzählte Rojin Mohammad aus Syrien, die mit ihrem Mann Abdulraham drei Kinder hat, dass sie hauptsächlich deswegen geflüchtet sind, weil sie ihren Kindern eine Schulbildung mitgeben wollten. Das war in Syrien nicht möglich. Die 33-Jährige und ihr Mann nahmen den Tod im Meer in Kauf, um ihren Kindern das zu ermöglichen, was für uns ganz normal ist: die Schule zu besuchen.

Zia Alibeg und seine Frau Fahima sind aus Afghanistan geflüchtet. Bei der Flucht im Jahre 2012 hatten sie eine Tochter, die beiden anderen Kinder sind hier geboren. Zia erzählte von der islamischen Talibanbewegung, die bei der Spaltung der Muslime in Schiiten und Sunniten kurzen Prozess macht: Bei allen Schiiten heißt es „Kopf ab“. Zia ist Schiit. Und dann berichtet er, wie der IS an junge Menschen für den Dschihad kommt. Da die meisten Menschen nichts zu essen haben und hungern, gehen die Terroristen zu kinderreichen Familien und sagen: „Ich gebe dir 50000 Euro für dein Kind.“ Die eigenen Kinder verkaufen, um zu überleben – traurige Realität in Afghanistan.

Nour Mohamad Ghazi aus Syrien, die aus einer Offiziersfamilie stammt, beschrieb das Syrien, als im Februar 2011 die Proteste begannen und dann ein heilloser Bürgerkrieg folgte. Die 19-Jährige erinnerte sich an „Menschen, die von heute auf morgen plötzlich verschwinden“. Irgendwann war es zu viel. Ihre Familie floh. Seit 2015 ist Nour jetzt in Deutschland, sie macht nächstes Jahr an der BOS ihr Abitur und will dann ein duales Studium beginnen. Ihre Schwester Bdour, die heute dabei ist, wurde im Friedberger Bad einmal beschimpft, weil sie ein Kopftuch getragen hat. Nour ist traurig darüber und kann sich das nicht erklären: „Wir tun doch alles, um uns zu integrieren. Jetzt seid ihr dran.“ Ulrike Proeller stimmte dem zu und sagte, dass Veranstaltungen wie diese die Integration und das Verständnis fördern. Wolfram Grzabka war sehr zufrieden mit dem Verlauf des Nachmittags. „Gegenseitiges Kennenlernen, um Grenzen abzubauen, tut not“, sagte er.

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