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Eurasburg-Hergertswiesen

29.08.2020

Der Friedelhof: Wie Tomaten 52 Familien glücklich machen

Seine verschiedenen Tomatensorten liegen Jonas Machnik vom Friedelhof in Eurasburg-Hergertswiesen besonders am Herzen.
Bild: Sabine Roth

Plus Jonas Machnik aus Eurasburg-Hergertswiesen will mehr als nur biologisch wirtschaften. Deshalb hat er ein besonderes Projekt gestartet.

Wer von Eurasburg Richtung Hergertswiesen fährt, sieht eine große Fläche, auf der Gemüse angebaut wird und Sonnen- und Wiesenblumen wachsen. Für Insekten ein Paradies. Es macht auch Menschen Spaß, sich dort aufzuhalten und die Ruhe zu genießen, wenn man Jonas Machnik besucht. Dieser pflanzt gerade Kohlrabis, die er im Oktober ernten kann. Die Idee des 31-jährigen Gärtners und Landwirtschaftsmeisters war, eine solidarische Gärtnerei zu gründen und Menschen mit saisonaler, regionaler, biologischer Ware zu versorgen.

Wer will, kann mithelfen oder zuschauen. Machnik kommt aus Dachau und hat mit seiner jungen Familie auf dem benachbarten Friedelhof im Herzen von Hergertswiesen sein Zuhause gefunden.

Viele schlossen sich in Eurasburg der Solawi an

Viele junge Familien waren Feuer und Flamme und schlossen sich der solidarischen Landwirtschaft (Solawi) an. Besonders Kinder lernen, wie Gemüse angebaut wird, und stellen fest, dass es aus Eigenbau einfach besser schmecke. Inzwischen hat die Solawi 52 Haushalte, die sich für ein Jahr gebunden haben.

Allein von Mitte März bis Juli kamen zehn Mitglieder dazu. Im Moment sei das Limit erreicht. Es gibt aber eine Warteliste; erfahrungsgemäß springen im Winter zum Saisonwechsel Mitglieder ab. Deshalb kann man sich noch anmelden. Genügend Mitglieder sind notwendig, um Planungssicherheit bei Investitionen wie Saatgut zu haben und die Abgabemengen sicher bestimmen zu können.

Auf dem Friedelhof in Eurasburg gedeihen 70 Sorten Gemüse

In der Anfangsphase war er zusätzlich in einer Landwirtschaft tätig, inzwischen kann Machnik davon leben. Auf seine Tomaten im Gewächshaus ist er besonders stolz. Er baut dort mehrere Sorten in Farben von Gelb bis Dunkelrot an, die wahrlich gut schmecken. Sie sehen nicht alle perfekt aus – aber um das gehe es gar nicht, erklärt Machnik. Es zählen Geschmack und Gesundheit.

Jonas Machnik betreibt den Hofladen Solawi am Friedelhof in Hergertswiesen.
Video: Sabine Roth

Krummes Gemüse wird nicht aussortiert. Hier kommt alles der solidarischen Gemeinschaft zugute. Ein Teil wird im Hofladen auf dem Friedelhof verkauft. Insgesamt baut Machnik 70 Gemüsesorten auf gut 5000 Quadratmetern an – alles biologisch. Im Moment kümmert er sich alleine um den Anbau; einmal in der Woche bekommt er Unterstützung von drei Rentnern aus der Solawi-Gemeinschaft.

Hofladen in Eursaburg: Bessere Böden machen besseres Essen

„Ich arbeite natürlich biologisch, und die Gärtnerei ist EU-Bio-zertifiziert. Allerdings gehen meine Ideale deutlich weiter, als es die Anforderungen an die Biolandwirtschaft tun“, erklärt Machnik. Er versucht, sogenannte aufbauende Landwirtschaft zu betreiben. Das heißt, statt nur nachhaltig (Status quo erhalten) möchte er das Land, mit dem er arbeitet, verbessern, zum Beispiel den Wert als Lebensraum für Tiere und Menschen erhöhen und die Bodenfruchtbarkeit steigern. „Durch einen gesünderen Boden werden auch die auf ihm gewachsenen Lebensmittel gesünder und schmecken besser“, sagt der Landwirtschaftsmeister und lacht.

Kunden holen sich auf dem Friedelhof auch das Fleisch der Tiere der Familie Colsman. Die Rinder werden bei Siegfried Colsman noch mit Hörnern auf der Weide gehalten. Die Familie hat den Hof 1956 gekauft und von Anfang an biologisch bewirtschaftet. Sie leistete damit Pionierarbeit und schuf einen vielfältigen und bunten Hof, zu dem 30 Hektar Acker, 25 Hektar Wiesen und Weiden und zehn Hektar Wald gehören.

Jonas Machnik ist der Herr des Gemüses im Hofladen am Friedelhof.
Bild: Sabine Roth

Außer Futter wachsen Dinkel, Weizen und Roggen als Speisegetreide sowie Leindotter, der in einer Ölmühle zu Öl gepresst wird. Neben den 30 Kühen, dem Stier und Kälbern gibt es zwei Pferde, Hühner, Enten und Gänse. „Da hat es sich bemerkbar gemacht, dass die Leute umdenken und wissen wollen, wo die Ware herkommt. Wir arbeiten im Einklang mit der Natur, und das schätzen die Kunden.“

Bald gibt es in Hergertswiesen frischen Saft

Bald kommt neue Arbeit auf den Gärtner zu. Denn dann wird er das Obst von den 50 Obstbäumen ernten und zu Saft verarbeiten. In etwa vier Wochen ist der Saft von Äpfeln, Quitten und Birnen dann zu kaufen. In einem Extraraum gibt es täglich frische Bio-Rohmilch, die man sich selbst in Flaschen abfüllen kann. Eingekauft wird auf Vertrauensbasis mit Selbstbedienung. Das Angebot soll demnächst erweitert werden. Und zwar soll – wie früher schon einmal – wieder selbst Brot gebacken werden.

In unserer Serie stellen wir Hofläden im Landkreis vor:

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