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Kissing

09.01.2020

Der Hiasl sucht weiterhin in Kissing nach einer Heimat

Der Bayerische Hiasl muss in Kunststoff gepackt ausharren, bis ein neuer Ort für eine Ausstellung gefunden wird.
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Der Bayerische Hiasl muss in Kunststoff gepackt ausharren, bis ein neuer Ort für eine Ausstellung gefunden wird.

Der Kissinger Verein, der sich für die Erinnerung an den berühmten Räuberhauptmann "Bayerischer Hiasl" einsetzt, sucht weiterhin nach einer Bleibe.

Matthäus Klostermayr musste sich schon zu Lebzeiten oft einen Unterschlupf suchen – meist auf der Flucht vor dem Gesetz. Kein Wunder, denn als Wilderer und Anführer einer Räubertruppe war der Bayerische Hiasl alles andere als ein gesetzestreuer Bürger. Auch heute sitzt er in einem provisorischen Unterschlupf. Besser gesagt ist es eine Puppe mit seinem Antlitz, die in der ehemaligen neuapostolischen Kirche in Kissing unter einer Kunststoffplane ihr Dasein fristet.

Dort hat der historische Förderverein Bayerischer Hiasl die Exponate gelagert, die früher in der Hiasl-Erlebniswelt auf Gut Mergenthau zu sehen waren. Doch der Verein musste 2018 ausziehen, wie der erste Vorsitzende Ronald Kraus erzählt: „Unser Mietvertrag lief dort nach zwölf Jahren aus und wurde nicht verlängert. Uns blieb also keine andere Wahl.“ Mit Unterstützung der Regio Augsburg Tourismus, die neben dem Verein Wittelsbacher Land das Museum finanziert hatte, wurden sämtliche Exponate in die ehemalige neuapostolische Kirche in Kissing gebracht.

Umbau des Marxenwirts hätte rund 900.000 Euro gekostet

Seitdem läuft die Suche nach einem Ort für eine neue Hiasl-Erlebniswelt. Vor rund einem Jahr stand die Überlegung im Raum, ob dieser Ort der Marxenwirt in Kissing sein könnte. Doch das Vorhaben scheiterte. Wie der zweite Vorsitzende des Hiasl-Vereins, Reinhard Mayr, erklärt, lag es vor allem am Geld: „Die notwendigen Umbauarbeiten am Gebäude hätten rund 900.000 Euro gekostet“. Wie Mayr sagt, wären ein zweiter Fluchtweg sowie ein barrierefreier Zugang notwendig gewesen. Ronald Kraus fügt hinzu: „Es gab auch die Angst, dass viel Geld investiert wird, und dann auch dort irgendwann der Vertrag ausläuft“. Die Suche nach einem neuen Gebäude läuft also weiter – allerdings mit zunehmendem Zeitdruck. Denn die ehemalige neuapostolische Kirche in Kissing soll Wohnungen weichen, welche die Wohnbau GmbH dort bauen will. „Ich verstehe, dass Nachverdichtung und günstiger Wohnraum wichtig sind. Aber für unseren Verein ist das natürlich ungünstig“, sagt Ronald Kraus. Sobald das Projekt ins Rollen kommt, muss der Verein wieder einmal umziehen. Auf die Frage, wohin es dann gehen könnte, antwortet Kraus mit einem Kopfschütteln: „Unsere Ausstellungsstücke sind zum Teil sehr groß, daher wird es ein schweres Unterfangen“. Außerdem leiden Kraus zufolge die Exponate unter jedem Umzug.

Ronald Kraus (links) und Reinhard Mayr suchen nach einem neuen Platz für die Hiasl-Erlebniswelt.

Das Hiasl-Theaterstück kommt auch nach Kissing

Auch wenn der Verein derzeit kein Heim hat, ist das Leben nicht erlahmt. Die rund 80 Mitglieder treffen sich weiterhin zu Feiern und nehmen auch am Ferienprogramm der Gemeinde teil. Am Samstag, 11. Januar, findet wieder der alljährliche Fackelmarsch statt. Ab 17 Uhr kommen alle Teilnehmer vor dem Landgasthof Alt-Kissing zusammen, wo es nicht nur Fackeln zu kaufen gibt, sondern auch Lagerfeuer und Glühwein auf Besucher warten. Ab 18 Uhr geht es dann auf den Marsch durch die Gemeinde. Ein besonderer Veranstaltungshöhepunkt folgt dann am 15. Februar. Das Sensemble-Theater gibt mit „Heute Hiasl“ ein Gastspiel im Dr.-Josef-Zimmermann-Haus. Die moderne Interpretation des Hiasl-Stoffes wird dabei zum ersten Mal im Landkreis gezeigt. Der Hiasl-Verein ist mit von der Partie und plant, den Besuchern einige Exponate zu präsentieren. Vielleicht kann sogar der Hiasl selbst kurzzeitig seinen Unterschlupf verlassen, um wieder einmal unter die Leute zu kommen.

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