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Integration

27.04.2016

Ein Fest der Begegnung im „bunten Haus“

Julia Helfer mit dem kleinen Murtza aus Afghanistan.
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Julia Helfer mit dem kleinen Murtza aus Afghanistan.
Bild: Kariene Eikelmann

In Baindlkirch wird auch eine neugeborene Syrerin begrüßt und es gibt ganz viel Tanz, Musik und Köstlichkeiten aus aller Welt

Die kleine Malak stand im Mittelpunkt des zweiten Begegnungsfestes, das der Asylhelferkreis in Baindlkirch organisierte. Es war der Wunsch von Jasmin und Samir Baubeyj, im Rahmen dieser Feier gemeinsam mit dem Helferkreis und den hier neu gewonnenen Freunden die Geburt ihrer Tochter Malak zu feiern. 80 Gäste fanden sich für die Begegnung verschiedener Nationen im Pfarrsaal ein, die Kariene Eikelmann als Koordinatorin des Asylhelferkreises mit ihrem Team organisiert hatte. Der Einladung folgten auch Nachbarn des „bunten Hauses“. So wird in Baindlkirch die Doppelhaushälfte genannt, in die im September vergangenen Jahres die ersten Asylbewerber einzogen. Aktuell wohnt eine alleinerziehende Mutter aus Tansania mit ihren vier Kindern darin sowie eine fünfköpfige Familie aus Afghanistan. Zwei syrische Familien mussten nach einem Wasserschaden im unteren Stockwerk auf die Schnelle verlegt werden und haben nun Quartier in Mering und in Wessiszell genommen.

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Die guten Beziehungen zu Baindlkirch blieben bestehen und darum wollten Samir und Jasmin auch die Geburt ihres Familienzuwachses in diesem Kreise feiern. Ein üppiges Büfett mit leckeren Speisen aus Afghanistan, Syrien und Tansania wurde aufgetischt, ergänzt durch marokkanische Köstlichkeiten, die die in Walleshausen lebende Arabischübersetzerin mitgebracht hatte. Die deutschen Gäste hatten für Kaffee, Kuchen und Torten gesorgt und diese fanden reißenden Absatz bei den ausländischen Gästen. Es wurde gesungen, getanzt und gelacht und auch Musik gemacht. Zu Gast waren syrische Musiker aus Unterbergen und im Gegenzug zur arabischen Musik spielte Hans Gamperl deutsche Lieder auf der Gitarre. Der Asylhelferkreis Baindlkirch besteht aus einem festen Kern von rund 20 Ehrenamtlichen, die bei Bedarf von weiteren Helfern unterstützt werden. Vorrangig bei ihrem ehrenamtlichen Engagement ist der Sprachunterricht, der an vier Nachmittagen die Woche stattfindet. Unterrichtet wird in Zweierteams mit jeweils einem Erwachsenen, alle mit pädagogischem Hintergrund, und je einem Jugendlichen als Zweitkraft. Engagiert dabei sind die vier 17-jährigen Schüler Chiara Novembre, Julia Helfer, Alessandra Biechteler und Lukas Eikelmann. Parallel dazu spielen und basteln andere Ehrenamtliche mit den Kindern.

„Die Kinderbetreuung ist die größte Aufgabe unseres Kreises und nicht selten eine Herausforderung“, erzählt Kariene Eikelmann. Denn es ist nicht leicht, die Mutter aus Tansania mit ihren vier Kleinen einfach mal zu einem Zoobesuch mitzunehmen oder auch zum Arzt zu begleiten. Vier Kindersitze und ein Großraumwagen hat nicht gerade jeder Helfer zur Verfügung. Die Kinder, die in den Kindergarten gehen, lernen sehr schnell Deutsch und das afghanische Ehepaar hat beim Fischerwirt Arbeit gefunden, so freut man sich über Erfolge in der Integration. Natürlich gibt es auch in Baindlkirch Dorfbewohner, die nicht sonderlich begeistert von den Fremden sind. „Vor allem bei Leuten, die noch nicht selbst Kontakt mit unseren Asylsuchenden hatten, kocht schon mal die Gerüchteküche“, erzählt Kariene Eikelmann. „Im Dorf wird beispielsweise gemunkelt, dass es noch ein weiteres Haus für Asylbewerber geben soll“, weiß sie. „Aber das stimmt nicht. Aktuell steht kein weiterer Bezug an“, versichert die Koordinatorin des Asylhelferkreises. „Im Großen und Ganzen klappt das Miteinander gut und unsere Familien geben ihr Bestes, um sich zu integrieren. Dort wo persönliche Begegnungen stattfinden, beispielsweise im Kindergarten oder bei Elternabenden, werden unsere neuen Mitbürger gut aufgenommen“, freut sich Kariene Eikelmann.

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