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Friedberg

31.08.2015

Endlich wieder ein Stück Normalität

Tagsüber sind die meisten Flüchtlinge unterwegs. Die nachts gut belegten Betten sind dann leer.
Bild: Andreas Schmidt

Für die Flüchtlinge in der Erstaufnahme heißt es jetzt abwarten, wohin ihre Reise weiterführt. Warum der Landrat Komplimente verteilt.

Von Andreas Schmidt

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Der junge Flüchtling zeigt in der Turnhalle des Friedberger Gymnasiums mit einem Daumen nach oben. Ihm ist die Erleichterung darüber anzusehen, dass er in der vorübergehenden Erstaufnahmeeinrichtung in Sicherheit ist. Auch andere Asylbewerber grüßen nach einem Kopfnicken oder einem „Hallo“ freundlich zurück. Eine leicht schläfrige, ruhige Stimmung hat sich gestern in der großen Notunterkunft breit gemacht. Viele sind draußen unterwegs. Hingegen herrschte am Samstag bei der Ankunft und Registrierung der 263 Flüchtlinge reges Treiben.

Ihre Flucht hat einen Monat gedauert  

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Die meisten kommen aus Syrien. Aber auch Menschen aus Afghanistan, Irak und Pakistan sind darunter. Viele Syrer haben eine etwa einmonatige oder noch längere Flucht hinter sich, hat Sozialarbeiterin Kathrin Stachon von der Caritas gehört. Nachfragen will sie nicht. Die Erinnerung daran, was die Flüchtlinge erleben mussten, soll nicht geweckt werden.

In Friedberg erleben sie endlich wieder ein Stück Normalität. An Zäunen und Absperrgittern bei der Notunterkunft ist frisch Gewaschenes zum Trocknen aufgehängt. Als die Flüchtlinge ankamen, mussten insbesondere Kinder mit frischer Kleidung versorgt werden. Familien sind knapp in der Überzahl gegenüber allein geflüchteten Männern und weniger Frauen. Gut 40 Kinder zählen zu der großen Flüchtlingsschar. Alle haben ein Kuscheltier geschenkt bekommen. Ein Zeichen des Willkommens ebenso wie das herzförmige Schild „Welcome Friends“ (Willkommen Freunde). Friedberger haben es draußen aufgehängt. Mittlerweile ist es mit den Flüchtlingen in die Halle gewandert.

Die Erschöpfung war ihnen anzumerken

Vollauf zufrieden zog  Landrat Klaus Metzger Bilanz über die Ankunft. Im Laufe des Samstags waren insgesamt fünf Busse aus Deggendorf und Passau vorgefahren. Dies habe sich völlig unaufgeregt und ohne Schaulustige abgespielt, freute sich Metzger. Gerade am Wochenende war den Asylsuchenden die große Erschöpfung nach ihrer Flucht anzumerken, berichtet die zuständige Abteilungsleiterin im Landratsamt, Katharina Redcay. Viele mussten unter anderem wegen Wunden, Infektionen usw. behandelt werden. Rotkreuz-Rettungsdienstleiter Thomas Winter spricht von über hundert Hilfeleistungen. Einige Asylbewerber kamen vorübergehend ins Krankenhaus, konnten es aber wieder verlassen.

Am Montag und Dienstag müssen sich alle Neuankömmlinge einem genaueren Gesundheitscheck unterziehen. Dies erfolgt nach und nach in Aichach im Gesundheitsamt und im Krankenhaus. Ansonsten heißt es jetzt für die Flüchtlinge warten. Während dessen fällt die Entscheidung, wohin sie und ihre Familien Ende der Woche bundesweit weiter verteilt werden. Katharina Redcay rechnet damit, dass die entsprechenden Busse am Donnerstag und Freitag abfahren. Einige würden am liebsten gleich zu ihren Familien, die sich schon in Deutschland aufhalten. Darum wird derzeit viel telefoniert. Der sonst wenig genutzte Münzfernsprecher in der Rothenbergstraße ist zeitweise umlagert. Doch in der Erstaufnahmeeinrichtung fällt noch keine Entscheidung über eine Familienzusammenführung.

In dieser Woche sind Mitarbeiterinnen des Landratsamtes und Hilfsorganisationen weiter für die Flüchtlinge in der Schulturnhalle da. Allen Beteiligten macht Landrat Metzger ein Kompliment: „Sie haben eine Herkulesaufgabe bewältigt.“ Und er ist zuversichtlich, dass sie weiter gestemmt wird. Die Mithilfe von zusätzlichen freiwilligen Helfern ist bislang nicht erforderlich. Neugierige sollen weiterhin draußen bleiben. Dafür sorgt rund um die Uhr ein Sicherheitsdienst.

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