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Natur

12.11.2018

Friedberg will Bauern als Biotoppfleger

Bei Rehling wird aus Ausgleichsmaßnahme der Auwald wieder aufgeforstet. So müssen Gemeinden den Verlust natürlicher Lebensräume durch ihre Bauvorhaben kompensieren.

Ökologische Ausgleichsflächen sind für Kommunen mit einem hohen Aufwand verbunden. Die Stadt will nun einen neuen Weg einschlagen.

Ob Straße, neues Wohngebiet oder Gewerbeansiedlung – wenn gebaut wird, sind für diesen Verlust natürlicher Lebensräume sogenannte Ausgleichflächen nötig. Der Gesetzgeber schreibt vor, dass dort die ökologische Qualität deutlich zu steigern und dauerhaft zu sichern ist. So weit die Theorie. In der Praxis tun sich viele Städte und Gemeinden schwer, die nötigen Grundstücke überhaupt kaufen zu können. Selbst wenn dies gelingt, ist der Unterhalt mit hohem Aufwand verbunden. In dieser Situation hat die Bayerische Kulturlandstiftung ein neues Modell entwickelt, mit dem sich jetzt der Planungs- und Umweltausschuss des Friedberger Stadtrats näher beschäftigte.

Bei dieser Variante muss sich mehr die Stadt oder Gemeinde eine Fläche eigens ankaufen und pflegen. Als „produktionsintegrierte Kompensationsmaßnahme“ – Kürzel PIK – verbleibt die Ausgleichsfläche im Eigentum des Landwirts, der sie weiterhin bewirtschaftet. Allerdings wird die Nutzung so an die Betriebsabläufe des Hofs angepasst, dass dabei auch naturschutzfachliche Belange gewahrt bleiben. Dabei müssen nicht immer dieselben Flächen für naturschützerische Maßnahmen verwendet werden, sie können innerhalb der betrieblichen Notwendigkeiten auch rotieren. Für den Produktionsausfalls und die Pflege der Flächen bekommt der Bauer Geld.

Vertrag auf 25 Jahre

Gemeinsam mit dem Vorhabensträger und den betrauten Landschaftsplanern arbeitet die Kulturlandstiftung an Konzepten, welche die naturschutzfachlichen, landwirtschaftlichen und finanziellen Belange aller Beteiligten zusammenführt. Vertraglich werden dann die Eckpunkte der Kompensation zwischen Vorhabenträger und der Stiftung festgehalten. Mit dem Landnutzer schließt die Stiftung einen Bewirtschaftervertrag. Regelmäßige Flächenkontrollen sollen die Qualität der Maßnahme gewährleisten. Die Laufzeit beträgt in der Regel 25 Jahre.

Der Wiffertshauser Ortssprecher Florian Wurzer ( CSU), der beim Bayerischen Bauernverband arbeitet, hatte die Stadt auf das Angebot der Stiftung aufmerksam gemacht. Durch herkömmliche Ausgleichsflächen werde der Landwirtschaft immer mehr Boden entzogen, so Wurzer. PIK könnte für einen Interessensausgleich sorgen. Bislang gibt es dazu erst einzelne Pilotprojekte in Bayern. Der Gesetzgeber macht aber unter der Formulierung „Rücksichtnahme auf agrarstrukturelle Belange“ deutlich, dass er einen solche konzeptionellen Ausgleich den rein flächenbeanspruchenden Maßnahmen vorzieht.

Der Kiebitz zieht nicht gerne um

Bei der Diskussion im Planungs- und Umweltausschuss gingen die Meinungen auseinander. Hubert Nießner (ÖDP) äußerte Skepsis, ob bei wechselnden Flächen ein wirksamer Artenschutz gegeben sei. Artenschutz habe oft mit langfristigen Maßnahmen zu tun, erinnerte er. Das sah auch Marion Brülls (Grüne) so: „Der Kiebitz ist standortfest. Den kann man nicht alle fünf Jahre umsiedeln.“

Als sehr interessant bezeichnete Leo Büchler (CSU) bezeichnete den Vorschlag als sehr interessant. Das Konzept sei mit Sicherheit unter wissenschaftlicher Begleitung erarbeitet worden, sonst hätte es der Gesetzgeber nicht als Alternative zugelassen, sagte er. Auch Roland Fuchs (SPD) sah darin eine Chance, eine Lösung zu finden, die dem bisherigen Missstand entgegenwirke. Bürgermeister Roland Eichmann (SPD) wies darauf hin, dass auch PIK-Maßnahmen mit der Unteren Naturschutzbehörde abgestimmt werden müsste.

Vor einer endgültigen Entscheidung sollen nun Stellungnahmen von Umweltverbänden eingeholt werden. Bei künftigen Projekten, so der einstimmige Beschluss des Ausschusses, könnte dann eine produktionsintegrierte Kompensation als Alternative zu herkömmlichen Ausgleichsmaßnahmen geprüft werden.

Lesen Sie hierzu unseren Kommentar „Spagat zwischen Natur und Landwirtschaft

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