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Gedenkfeier

29.04.2015

Friedberg wird die mutigen Frauen nicht vergessen

Die Gruppe Schutzblech der Jugendkapelle umrahmte die Gedenkveranstaltung.
Bild: Andreas Schmidt

Zeitzeugen erinnern sich daran, wie die Stadt beim Kriegsende 1945 gerade noch davongekommen ist.

Von Andreas Schmidt

Friedberg Die Hauptpersonen des Abends saßen etwas im Hintergrund in einem Zeltpavillon geschützt vor dem kalten Wind, der am Friedberger Berg blies. Doch wie die beiden betagten Friedbergerinnen Anna Wolferseder und Anni Altmann 1945 zum Kriegsende Mut bewiesen haben, stand im Mittelpunkt der Gedenkveranstaltung. Sie fand statt an der geschichtsträchtigen Stelle, wo Friedberger Frauen – darunter Anni Altmann – vor 70 Jahre Panzersperren weggeräumt hatten. Und unterm Berg hatte Anna Wolferseder als Vermittlerin mit den anrückenden Amerikanern gesprochen. Es war rührend zu beobachten, wie Anni Altmann dafür Anna Wolferseder lobte: „Sie hat etwas geleistet.“

Die beiden Seniorinnen standen stellvertretend für die mutigen Frauen und Männer, die ihre Stadt 1945 vor der Zerstörung bewahrt hatten. Bürgermeister Roland Eichmann würdigte sie: „Viele Menschen in Friedberg waren bereit, sich dem sinnlosen Untergang der Stadt entgegenzustemmen unter Einsatz ihres eigenen Lebens.“ Die Stadt Friedberg werde sie nicht vergessen, versprach der Bürgermeister. Die Inschrift der Erinnerungstafel am Berg ist erneuert worden.

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Wie dramatisch die Lage am 27. und 28. April 1945 in Friedberg war, schilderte als Zeitzeuge der frühere Stadtarchivar Manfred Strehle. Demnach wussten die Amerikaner durch Luftaufklärung von den Straßensperren und dass sich Friedberg auf Verteidigung einrichtete. Als Männer versuchten, die Panzersperre abzubauen, verjagte sie ein SS-Offizier, mit der Drohung zu schießen. „So lag es an den mutigen Friedberger Frauen, das Schicksal der Stadt in die Hand zu nehmen“, sagte Strehle. Etwa 50 Frauen zogen mithilfe von Kühen die am Friedberger Berg eingerammten Baumstämme aus ihren Verankerungen. Davon ließen sich die laut Strehle aufgebrachten und wütenden Frauen auch von erneuten Drohungen der SS-Leute nicht abhalten. Die eigentliche Entscheidung fiel unterm Berg, erklärte Strehle. Der Bürgermeister schickte in letzter Sekunde zwei Unterhändler, die den Abzug der SS-Truppen und die kampflose Übergabe der Stadt meldeten. „Die Stadt ist an jenem schicksalhaften 28. April 1945 gerade noch davongekommen“, sagte Strehle. 

Doch nicht nur am Berg spielten sich damals in Friedberg dramatische Szenen ab. Es waren noch weitere Straßensperren an den Ortseingängen Richtung Aichach und München errichtet worden. An eine davon erinnerte sich Zeitzeuge Jakob Huber: „Als Junge kam mir die Sperre gewaltig vor.“ Als kleiner Schulbub war er dort mit seiner Mutter unterwegs. 70 Jahre später erinnerte er sich an die Atmosphäre der Verunsicherung und Angst. Seine Mutter Anna Huber begann mit anderen Frauen, die Sperre zu beseitigen. Jakob Huber berichtete, wie mehrere SS-Leute die Frauen bedroht hatten. „Doch sie kümmerten sich nicht darum, sondern haben einfach weiter gearbeitet“, erzählte der Zeitzeuge. Unterbrochen wurden sie allerdings von einem schweren Gewitter. Anna Huber ging aber nur kurz heim, setzte dann aber die Arbeit fort. Durchnässt und durchgefroren kam sie später nach Hause. Das Beseitigen der Panzersperre brachte ihr auch Rückenprobleme ein, erzählte ihr Sohn. Groß wurde früher über diesen mutigen Kraftakt nicht geredet. Jakob Huber begründet dies so: „Die Frauen haben es einfach getan, weil es notwendig war.“

Nun herrscht seit 70 Jahren Frieden in Friedberg. Auch die Dankbarkeit dafür brachten Gebete der Geistlichen (Stadtpfarrer Pater Markus Hau, die evangelischen Pfarrer Volker Nickel und Alexandra Dreher und der islamische Hodscha Abdulgaffar Burak) zum Ausdruck. Sie erinnerten aber auch daran, wie unfriedlich es in vielen Teilen der Welt zugeht. „Nie wieder Krieg“, lautete darum die Bitte. Dazu passten Friedenshäuschen, die Kinder an die Teilnehmer der Gedenkstunde verteilten. Das Ensemble Schutzblech der Jugendkapelle umrahmte die Feierstunde.

Dass Frieden keine Selbstverständlichkeit ist, davon hatte auch Bürgermeister Eichmann gesprochen. Er ermunterte dazu, sich den Mut der Friedberger Frauen und Männer von 1945 zum Beispiel nehmen: „Dass wir im Zweifelsmann wieder mutig sein müssen, um uns gegen Gewalt und Krieg zu stellen und für Frieden einzutreten.“

Bilder von der Gedenkveranstaltung hier

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