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Friedberg

01.07.2020

Fröhliche Kinder, genervte Nachbarn: Ärger um Spielplatz im Schlosspark

Seit Anfang Juni dürfen die Kinder auf den neuen Abenteuerspielplatz im Friedberger Schlossplatz. Die Anwohner sind derweil geplagt von dem Lärm.
Bild: Michael Postl

Plus Seit kaum einem Monat ist der neue Spielplatz im Friedberger Schlosspark offen. Die Anwohner sind genervt vom Lärm. Das sagt Bürgermeister Roland Eichmann.

Irgendwann floh Klaus Gold aus seinem eigenen Haus. Das ganze Wochenende habe er anschließend nicht zuhause verbracht, erzählt der Friedberger. Jedoch nicht ganz freiwillig. Denn Zuhause ließ es sich einfach nicht mehr aushalten. Vor vier Wochen ist der fast eine halbe Million Euro teure Spielplatz im Friedberger Schlosspark eröffnet worden.

Seitdem gab es kaum mehr ruhige Abende für die Anwohner der Schützenstraße. „Tagsüber fällt es nicht so auf, wenn man in der Arbeit ist“, sagt Gold. „Am Abend jedoch kann man sich nicht einmal auf die Terrasse setzen.“ Der Lärmpegel sei zu hoch.

Dabei haben die Nachbarn grundsätzlich nichts gegen den Spielplatz. „Wir haben selber Kinder und benutzen den Spielplatz“, sagt einer, der seinen Namen aber lieber nicht der Zeitung lesen will. Aber die Anwohner kommen eben nicht zu den Hochzeiten, da sei zu viel los. Auch die Kinder leiden darunter: Golds Sohn habe kaum für sein Abitur lernen können, erzählt er. „Das ist zu viel.“

Der Spielplatz im Friedberger Schlosspark birgt ein Dilemma

Roland Eichmann versteht das Dilemma: „Es ist eine schwierige Situation für die Anwohner“, räumt Friedbergs Bürgermeister ein. „Die Anwohner wussten aber zuvor, dass nebenan ein Spielplatz steht. Und Dinge ändern sich.“ Vor 25 Jahren zog Klaus Gold direkt an den Schlosspark – und wusste natürlich über den Spielplatz Bescheid. „Dieser war aber deutlich unattraktiver als der aktuelle. Deshalb waren weniger Menschen da und der Lärm war erträglich.“

In der Tat hat sich die Stadt mächtig für das Mammutprojekt ins Zeug gelegt. Fast eine halbe Million Euro steckte sie in den Spielplatz, nicht zuletzt, um den Schlosspark während der Landesausstellung attraktiver zu machen. Das sei gelungen, sagen die meisten, die den Spielplatz besuchen. In der Tat: Es dürften etwa 20 bis 30 Kinder sein, die sich an jenem Tag auf dem Spielplatz tummeln.

Der Spielplatz am Friedberger Schlossplatz ist sehr gefragt. Auch aus Augsburg kommen dorthin Besucher.
Bild: Michael Postl

Anders sei es auch nicht zu erklären, dass teilweise sogar Eltern aus Augsburg mit ihren Kindern zu dem Abenteuerspielplatz kommen. „Er bietet fast alles“, sagt eine Mutter. „Und dann ist er auch noch fast komplett aus Holz!“ Tatsächlich laden die zahlreichen hölzernen Geräte zum Spielen ein. Insbesondere die Optik mit der Burg ist ein Hingucker.

Doch auch dieser „Spielplatztourismus“ birgt ein Problem. „Die Schützenstraße ist zugestellt mit Autos“, sagt ein Anwohner. „Wenn dann noch Radler durchfahren, ist es ein riesiges Gedränge.“ Eichmann verweist deshalb auf den Parkplatz nahe der B 300 am Schloss, versteht aber, dass die Parkplatzsituation schwierig ist.

„Das muss aber nicht nur die Schuld der Spielplatzgänger sein“, gibt er zu bedenken. Die Alternative sei kaum besser: Anwohnerparkplätze. „Dann wäre die Schützenstraße leerer und würde eher zum Rasen einladen“, sagt Eichmann.

Kinderspielplatz in Friedberg: Anwohner finden die Betriebszeiten inakzeptabel

Im Frühjahr vergangenen Jahres hat es einen Workshop der Stadt gegeben. „Da wurde uns das Mitspracherecht aber eher vorgegaukelt“, sagt ein Teilnehmer. Dem widerspricht Eichmann: „Jeder durfte seine Ideen einbringen. Einige haben wir auch in unser Konzept eingearbeitet.“

Eine Planerin sei, wie der Workshop-Teilnehmer sagt, zwar dort gewesen, habe jedoch nur grobe Pläne vorgelegt. „Selbst wenn es etwas Konkreteres gegeben hätte – als Laie hätte ich die Konsequenzen nicht einschätzen können.“ Dies treffe auch auf ihn und die Stadtverwaltung zu, räumt Eichmann ein. „Wir konnten damals ebenfalls nicht wissen, dass es einen derart hohen Zuspruch geben wird.“

Das ist er aber nun, auch wegen des Rutschturms. Dieser sei eigentlich ein Highlight, wie auch von Kindern zu hören ist. Gerade die Rutsche sei jedoch sehr laut, moniert ein Anwohner. Dem Bürgermeister fehlte diese innovative Art von Spielplätzen in Friedberg, nun mutiert ein solcher jedoch zum Ärgernis.

Die Anwohner haben konkrete Vorschläge, die sie in der Stadtratssitzung am Donnerstag (19 Uhr in der Max-Kreitmayr-Halle) anbringen wollen. Die Öffnungszeiten seien inakzeptabel, findet Klaus Gold. Von 8 bis 21 Uhr dürfen Kinder bis zwölf Jahre im Sommer dort spielen.

„Wenn es um 21.15 Uhr immer noch zu laut ist, gehe ich schon einmal hin und weise die Eltern auf die Öffnungszeiten hin“, sagt ein Anwohner. Die Reaktionen seien gemischt. „In der Regel sind die Eltern aber verständnisvoll und gehen.“

Klar ist laut den Anwohnern jedoch, dass die Stadt keinen Gedanken an die Anwohner verschwendet habe. „Die Stadt hätte uns besser informieren sollen“, monieren sie. Bürgermeister Eichmann ist derweil bemüht, die Interessen aller Bürger zu berücksichtigen. „Das geht aber nicht zu 100 Prozent. Teilweise fehlt mir der Hebel, an dem ich ansetzen kann.“ Grundsätzlich befasse er sich jedoch mit der Thematik und sei bereit, Maßnahmen zu ergreifen.

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