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Mering

23.08.2010

Für Nikolas geht ein Traum in Erfüllung

Nikolas Lange kommt in die Grundschule. Der sechsjährige Bub leidet an Trisomie 21, dem sogenannten Down-Syndrom. Dank einer neuen gesetzlichen Regelung kann er betreut die erste Klasse der Regelschule besuchen. Foto: Bernhard Weizenegger
Bild: Bernhard Weizenegger

Es war ein monatelanges Bangen, und jetzt hat es ein glückliches Ende gefunden: Der sechsjährige Nikolas aus Mering darf im September seine Schultüte nehmen und sich auf den Weg in die Schule machen. Von Eva Weizenegger

Mering Es war ein monatelanges Bangen, und jetzt hat es ein glückliches Ende gefunden: Der sechsjährige Nikolas aus Mering darf im September seine Schultüte nehmen und sich auf den Weg in die Schule machen.

Was für viele Erstklässler am 14. September ein spannender Neuanfang, aber auch ein ganz normales Ereignis im Leben darstellt, ist für den kleinen Bub aus dem Meringer Ortsteil St. Afra keinesfalls so. Nikolas hat das Down-Syndrom, bei ihm kommt das Chromosom 21 dreimal statt zweimal vor, und noch vor einigen Jahren hätte er kaum eine sogenannte Regel-Grundschule besuchen dürfen. "Er wäre wahrscheinlich in eine Förderschule gekommen", sagt seine Mutter, Karin Lange. Sie engagiert sich im Vorstand des Vereins "einsmehr" Initiative Down-Syndrom Augsburg und Umgebung.

Dass seine Schullaufbahn aber in eine andere Richtung gehen wird, macht die UN-Behindertenrechtskonvention möglich. Sie gilt in Deutschland seit März vergangenen Jahres (siehe Info). In dieser Konvention ist ausdrücklich festgehalten, dass Menschen mit Behinderungen nicht vom allgemeinen Bildungssystem ausgeschlossen werden dürfen. Weiter ist geregelt, dass der Zugang zu Grundschulen und weiterführenden Schulen möglich sein muss.

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Von Anfang an war für Karin und ihren Mann Olaf klar, dass sie ihren Sohn Nikolas nicht in einer Förderschule anmelden wollten. "Nikolas geht gerne in den Flötenunterricht, er besucht die integrative Kindertagesstätte Kapellenberg, geht ins Kinderturnen, in eine Schwimmgruppe und hat auch sonst ganz viel Kontakt zu ,normalen' Kindern", erzählt Karin Lange. Sie ist überzeugt davon, dass sich Nikolas in einer Regelschule von den anderen Kindern ganz viel abschauen kann: "Down-Syndrom-Kinder ahmen sehr viel nach, und da ist es doch gut, wenn er so von und mit seinen Mitschülern lernt."

Deshalb suchten die Eltern für ihren Sohn nach einer Grundschule, die Nikolas zusammen mit einem Schulbegleiter aufnimmt. "Wir fragten in den Montessori-Schulen in Kaufering und Olching nach", erzählt Karin Lange. Die beiden Schulen sind Regelschulen, erheben als Privatschulen jedoch Schulgeld. Auch bei der Sprengelschule, der Ambérieu-Grundschule, meldeten sie ihren Sohn an.

Und nach einigen Wochen des Bangens, flatterten die Anwortbriefe bei Langes ein. "Wir können unser Glück kaum fassen, wir dürfen sogar aus drei Schulen wählen", freut sich Karin Lange.

Sie weiß durch ihre Arbeit als Vorstandsmitglied der Initiative "einsmehr", dass andere Eltern sehr oft Schwierigkeiten haben, ihre Kinder mit Down-Syndrom in einer Regel-Grundschule unterzubringen. "Es herrscht einfach Unsicherheit, diesen neuen Aufgaben nicht gewachsen zu sein. Für die Lehrer sicher auch nicht einfach, denn die neuen Gesetze der Integration und sogar Inklusion sind zwar da, es fehlt jedoch an entsprechender Ausbildung und Umstrukturierung", sagt Lange. Es gehöre schon eine Portion Mut, Selbstvertrauen und auch Eigenleistung dazu, als Lehrkörper diese neuen Wege zu gehen. Eine Unterstützung durch die Schulleitung und Schulbehörden sei da nicht nur wünschenswert, sondern unumgänglich.

Aber bei den Langes wurde der lang gehegte Traum wahr. Es sagten die Montessori-Schulen zu und die Rektorin Ilse Kleinlein von der Meringer Grundschule kam persönlich auf Langes zu, um mit ihnen zu sprechen, dass Nikolas dort gerne unterrichtet wird. "Sie hält uns sogar die Möglichkeit offen, dass Nikolas nächstes Jahr nach Mering wechseln könnte." Denn mittlerweile haben sich Karin und Olaf Lange für die Montessori-Schule in Kaufering entschieden. "Wir glauben, dass diese Pädagogik gezielt auf Nikolas und seine Fähigkeiten eingehen kann", hofft Karin Lange.

Ein Schulbegleiter, die Kosten dafür übernimmt der Bezirk Schwaben, soll Nikolas helfen, sich im Schulalltag zurechtzufinden. "Er wird ihm zur Seite gestellt und begleitet ihn während des Schultages", erklärt Karin Lange.

Für Nikolas können die Ferien nicht kurz genug sein, denn er freut sich schon so sehr darauf, endlich in seine Schultüte spitzeln und den neuen Schulrucksack auf die Schultern schnallen zu dürfen, wie alle Erstklässler, die im September in die Schule kommen.

Weitere Informationen zu der "einsmehr" Initiative Down-Syndrom Augsburg und Umgebung sind auch unter der Adresse

www.eins-mehr.de erhältlich.

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