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Faschingsumzug

05.03.2011

Gymnastikdamen mit lustiger Ausdauer

Mit der Paartalbahn samt Passagieren fuhren die Gymnastikdamen im Jahr 2000 in der Innenstadt vor.
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Mit der Paartalbahn samt Passagieren fuhren die Gymnastikdamen im Jahr 2000 in der Innenstadt vor.
Bild: Fotos: Mussack

Auch im 25. Jahr fehlen sie nicht beim Umzug. Sie haben schon Ufo, Palme und Heißluftballon auf einem Milchkannen-Wägelchen durch Friedberg gezogen

Friedberg Nur Orkan Wiebke und der Irak-Krieg konnte sie 1990 und 1991 stoppen. Doch sonst ist eine Gymnastikgruppe der TSV Friedberg bereits im 25. Jahr jedes Mal beim Friedberger Faschingsumzug dabei. Dabei hatten sich die Damen zunächst noch etwas geziert. Doch dann wurden sie vom Faschingsfieber angesteckt, von dem sie sich seitdem nicht mehr kurieren ließen. Mit kreativen Basteleien und fantasievollen Kostümen waren die Gymnastikdamen – früher geleitet von Rosemarie Negele, jetzt von Helga Mussack – immer wieder besondere Hingucker am Faschingsdienstag.

Auslöser war die Weiberfasnacht. Die verstanden mehrere Gymnastikdamengruppen des TSV im Café Frey zu feiern – zum Leidwesen des damaligen Wirtes ziemlich ausufernd. „Es war herrlich! Wir sind einfach nicht heimgegangen“, erinnert sich Frieda Heinicke. 1986 machten die Damen das Café als Hexen unsicher. Gitta Baur – zusammen mit Rosi Paul Initiatorin der ersten Stunde – hatte die Idee, so auch am Faschingsumzug teilzunehmen. Weil sie angemeldet waren, gab es kein Zurück mehr.

Dabei hatten die Damen zuerst Bedenken. „Uns kennt ja jeder in Friedberg“, dachte beispielsweise Reinhilde Eckert. Von wegen – unter den Hexenmasken blieben sie unerkannt. So rätselte Polizist Adolf Siedl zunächst, welche Hexen ihn mit ihren Besen traktierten. Doch in den folgenden Jahren wurde ihm klar, welche Damen ihn im Fasching beispielsweise als Kosaken oder Affen umringten.

Gymnastikdamen mit lustiger Ausdauer

Ihre gar nicht so heimliche Kommando- und Bastelzentrale befindet sich bei Familie Eckert in der Jesuitengasse. Dort nahm und nimmt die Nachbarschaft rege Anteil daran, was sich die Frauen jedes Jahr wieder einfallen lassen. Die Schreinerei Schlecht bot Unterstellmöglichkeiten. Das Ehepaar Schlecht zählte zu den größten Fans. Schon bald rollte fast jeden Faschingsdienstag das Milchkannen-Wägelchen des benachbarten Bauern Michael Schenk mit. Was hat es nicht alles transportiert: Vom Ufo, über eine Palme bis zum Heißluftballon. Auch an diesem Faschingsdienstag wird das Wägelchen wieder als fahrbarer Untersatz dienen. Für was, wird vorab nicht verraten.

Nicht immer lief alles reibungslos. 1989 fielen gleich vier Damen krankheitsbedingt aus. Aber Absagen war für den verbliebenen Rest nicht drin. Statt dessen heuerte Frieda Heinicke ihre Enkelkinder Johannes (2) und Carmen (3) als zusätzliche Clowns mit an.

Die Beiträge wurden immer aufwendiger. Rosemarie Negele erwies sich als Organisationstalent. Sie kaufte beispielsweise für ihre „japanischen“ Friedbergerinnen Kimonos in Hongkong ein. Wichtig waren und sind die Tüftlerinnen wie Lore Eigenmann oder Veronika Kasparek. Skeptische Stimmen wie „Das wird eh nichts“ waren eher Ansporn. Beispielsweise für eine Paartalbahn aus Pappe samt drei Waggons und Passagieren. Die wurde aber so schwer, dass mit Horst Eckert – sonst eher Helfer im Hintergrund – ausnahmsweise ein Mann eine tragende Rolle übernehmen durfte.

Zu den kniffeligsten Konstruktionen zählten die scheinbar auf den Händen laufenden Clowns. Drinnen war ein kompliziertes Gestell für die in die Luft ragenden „Füße“ nötig. Sogar der künstliche Clownkopf war beweglich. Drinnen steckten die Frauen natürlich richtig herum in den Kostümen. Doch die Illusion wirkte. Kinder bückten sich, um die Clowns auf Augenhöhe anzusprechen.

Mit ihren Ideen haben die Gymnastikdamen bei der Prämierung nach dem Faschingsumzug immer wieder erste Preise eingeheimst – zuletzt dreimal in Folge. Und eigentlich sind viele ihrer Beiträge zu schade, um nur einmalig zu sehen zu sein. Manches wird darum aufgehoben. „Wir könnten einen Maskenverleih eröffnen“, schmunzelt Reinhilde Eckert.

Wie lange die Faschings-Ausdauer der Gymnastikdamen noch anhält, ist unklar. Sie seien ja die „ältesten Weiblein“ der Turnabteilung. Eine bezeichnet sich sogar selber als „Vorkriegsware“. Trotzdem: „Dem harten Kern macht es einfach Spaß“, sagt Helga Mussack. Nur Pausieren ist jedenfalls nicht drin. „Wenn wir einmal aufhören, fangen wir nicht mehr an“, damit ist es den lustigen Gymnastikdamen ernst.

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