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19.09.2014

Junge Afrikaner fühlen sich in Kissing gleich heimisch

Sehr wohl fühlen sich die jungen Leute aus Senegal und Eritrea in Kissing. Sie sind Bürgermeister Manfred Wolf (Mitte) und den Bürgern von Kissing sehr dankbar, auch Simone Losinger von der Ausländerbehörde und Kathrin Stachon von der Caritas (rechts neben Manfred Wolf) stehen ihnen weiterhin hilfreich zur Seite.
Bild: Heike Scherer

Viele Bürger zeigen von Anfang an ihre Hilfsbereitschaft gegenüber den Neuankömmlingen

In der Bachgasse 1 a hält ein schwarzer Kleinbus, aus dem dreizehn junge Afrikaner und Matthias Hamann, Leiter der Kickboxer aussteigen. Wie ihre schwarzen T-Shirts verraten, die ihnen der Verein gleich bei der Ankunft schenkte, waren sie gerade beim Training im Kissinger Fitpoint. Zweimal in der Woche wollen die sportbegeisterten jungen Männern zwei Stunden mit ihren neuen deutschen Freunden dort verbringen.

Der 22-jährige Balalo Dabo aus Senegal spricht am besten Englisch, daneben wie vier andere seiner Kameraden auch Französisch. Er erzählt, dass er mit acht weiteren Senegalesen und vier Leuten aus Eritrea am Freitag um 16 Uhr in Kissing angekommen sei. Zuvor waren sie einen Monat in München. Wie viele seiner Landsleute seien sie über Italien nach Deutschland gekommen. „Ich habe in Senegal Elektrotechnik studiert und wir sind alle daran interessiert, schnell Deutsch zu lernen, um uns mit den Menschen in Kissing unterhalten zu können“, sagt Balalo Dabo lächelnd. Sie lieben alle Sport, deshalb spielen sie mit den Kickboxern auch noch Fußball. Den Ball schenkte ihnen Matthias Hamann gleich am ersten Tag. Obwohl alle ein sehr schwieriges Leben zurückgelassen haben, wirken sie sehr fröhlich und kommen gut miteinander aus, auch wenn sie sich nur sehr mühsam mit den vier Mitbewohnern aus Eritrea verständigen können. „So einen schönen Ort wie hier hatten wir noch nie und die Leute und dieser Bürgermeister sind so gut. Wir können es ihnen nicht zurückzahlen, was sie für uns tun. Darum wünschen wir ihnen ein langes Leben und viel Erfolg“, spricht Balalo Dabo aus, was sie alle denken. „Wir möchten nicht nur herumsitzen. Wir wollen, sobald es möglich ist, unser eigenes Geld verdienen.“ Bürgermeister Manfred Wolf wird versuchen, ob er beim Bauhof Arbeiten wie Gartenpflege oder Straßenreinigung für sie organisieren kann. Solche Tätigkeiten sind nämlich vor Ablauf der Neun-Monats-Sperrfrist erlaubt und werden mit 1,05 Euro pro Stunde vergütet. Gerne würden sie diese Arbeiten für Kissing erledigen, sind sich alle Neubürger einig.

Ihre Unterkunft ist direkt an der Paar gelegen und besteht aus einer großen Küche mit zwei Kochherden, einer Spüle und einer großen Arbeitsplatte. In den vier Schlafräumen mit 24 bzw. 16 Quadratmetern sind vier bzw. jeweils drei Personen untergebracht. Im Keller befindet sich ein großer Waschraum mit drei Duschen, zwei Waschmaschinen und einem Trockner, zwei Toiletten und ein großer noch etwas kahler Aufenthaltsraum liegen rechts daneben. Die Pfadfinder haben ihre Hilfe zur wohnlichen Gestaltung bereits angeboten und schauen wie die Kickboxer täglich in der Bachgasse vorbei. Matthias Hamann berichtet vom Großeinkauf am Ankunftstag und dass alle seine Kollegen bei den Kickboxern sich schon länger im Bündnis für Demokratie und Toleranz gegen Extremismus und Gewalt engagieren. Die Kissinger Bürger steuerten für jeden Bewohner einen 20 Euro-Einkaufsgutschein bei, initiieren bereits einen Deutschkurs und helfen beim Ausfüllen der Formulare für die Anmeldung bei der Gemeinde. Sie können sich auch einen Gottesdienst- oder Festbesuch in Kissing vorstellen.

Der 21-jährige Issa Mballo aus Senegal erzählt, dass er sieben Jahre die öffentliche Schule besucht hätte, die nicht so teuer wie eine private sei. Aber viele Afrikaner könnten ihren Kindern keinen Schulbesuch finanzieren. Kostenlosen Unterricht für alle Kinder wie in Deutschland gibt es in Afrika nämlich nicht. Er habe daneben immer schon in der Landwirtschaft gearbeitet und freue sich bereits auf den baldigen Deutschunterricht. Gerne würde er auch einen Beruf erlernen. „Normalerweise stehen wir gegen 9 Uhr auf und einer der beiden Gruppen bereitet das Frühstück vor. Hier trinken wir Kaffee oder Tee, in Afrika war es meistens Milch“, fährt er fort. Mittag- oder Abendessen kocht meist auch nur einer für seine Landsleute, aber Semere, Brhan und Dreir bereiten heute ihr Gericht aus Kartoffeln, Karotten, Zwiebeln und Hähnchenfleisch gemeinsam zu.

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