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Kissing

09.02.2017

Sie geben Hunden ein neues Zuhause

Judith Stasiak (links) und Else Walther vom Tierschutzverein Kissing setzten sich für das Wohl von Hunden ein. Die Hündin Franca ist aus einer Tötungsstation in Bosnien gerettet worden.
Bild: Philipp Schröders

Nach dem Tod des langjährigen Vorsitzenden Ludwig Lackner hat Judith Stasiak die Führung beim Kissinger Tierschutzverein übernommen. Wie die Organisation sich neu aufstellt.

Franca hat überlebt. Die Mischlingshündin saß in Bosnien in einer Tötungsstation und sollte eingeschläfert werden. Aber der Tierschutzverein Franz von Assisi aus Kissing rettete das acht Monate alte Tier. Nun kümmert sich Judith Stasiak um die Hündin. Die Augsburgerin ist seit dem vergangenen Jahr die Vorsitzende des Kissinger Vereins.

Sie übernahm das Amt aus einem traurigen Grund. Nach einer schweren Krankheit starb im Mai der langjährige Vorsitzende Ludwig Lackner. „Das war eine sehr schwere Zeit“, sagt Stasiak. Lackner hatte sich viele Jahre dem Tierschutz gewidmet und stand den Mitgliedern immer mit Rat und Tat zur Seite.

Seine Witwe Doris Lackner ist ebenfalls unter Tierschützern sehr angesehen. Sie setzt sich weiterhin für den Verein ein, will aber ihr Engagement zurückfahren. „Sie ist etwas ganz Besonderes für uns“, sagt Stasiak. Doris Lackner verfüge über gute Kontakte und ein umfangreiches medizinisches Wissen, was Tiere anginge. Schatzmeisterin Else Walther fügt hinzu: „Die Frau Lackner ist das Aushängeschild des Tierschutzvereins.“

Nach dem Tod ihres Mannes schlug sie Stasiak vor, die Vereinsführung zu übernehmen. „Zunächst habe ich mir eine Woche Bedenkzeit erbeten.“ Dann beschloss Stasiak einzuspringen – unter einer Voraussetzung: „Nur wenn ich das mit vertrauten Leuten machen kann.“ Also holte sie Franz Hambeck als zweiten Vorsitzenden ins Boot. Auch er setzt sich dafür ein, Tiere aus Tötungsstationen in Bosnien zu retten. Zudem übernahm Else Walther aus Affing das Amt der Schatzmeisterin.

Auch wenn die neue Vereinsführung nicht aus der Gemeinde kommt, betont Stasiak: „Der Hauptsitz ist in Kissing und das wollen wir auch beibehalten.“ Die neue Vorsitzende knüpfte zunächst über ihren Reitstall in Augsburg erste Kontakte zum Kissinger Verein. Vor vier Jahren fing sie an, Hunde aufzunehmen. Bald arbeitete sie immer enger mit den Lackners zusammen. Zum Beispiel kümmerte sich Stasiak auch um das Facebook-Profil der Tierschutzorganisation. Neben dem Internetauftritt ist die soziale Plattform sehr wichtig, um Hunde an neue Besitzer zu vermitteln. Grundsätzlich arbeitet der Tierschutzverein mit Pflegestellen zusammen. Er hat also keine eigenen Räume, wo er die Tiere unterbringt. Bis die Hunde in ihr neues Zuhause kommen, werden sie von Paten aufgenommen. Laut Stasiak gibt es allerdings zurzeit zu wenig Pflegestellen. „Wir brauchen mehr Leute, die mindestens einen Hund aufnehmen“, sagt sie. Die Paten müssten Zeit und Platz zur Verfügung stellen. Das Futter, die Ausrüstung und die Tierarztkosten bezahle der Verein. Zudem stehe ein Hundetrainer als Berater bereit. Zurzeit gibt es sieben bis acht Pflegestellen und der Verein vermittelt drei bis vier Hunde pro Monat.

Grundsätzlich überprüft die Tierschutzorganisation, ob die Paten für die Aufgabe geeignet sind. Stasiak und Walther betonen aber, dass nicht jeder Interessent ein Experte für traumatisierte Hunde sein muss. Tiere, die aus einer Tötungsstation kommen, brauchen viel Zuwendung und Erfahrung. Es werden aber auch Hunde vermittelt, die leichter zu handhaben sind. Manchmal bleiben die Vierbeiner ein halbes Jahr in der Pflegestelle. Das liegt daran, dass der Verein sorgfältig nach neuen Besitzern sucht. „Wir wollen die Hunde ja nicht ständig neu vermitteln“, sagt Stasiak.

Der Kissinger Verein finanziert sich durch die Beiträge der Mitglieder und Spenden. Laut Schatzmeisterin Walther muss die Organisation viel Geld aufwenden. Oft seien Tiere krank oder verletzt. Da fallen hohe Arztkosten an. „Von daher würden wir uns auch über mehr Unterstützung freuen“, sagt sie.

Der Verein holt viele Vierbeiner aus Bosnien, Ungarn und Rumänien. Stasiak sagt: „Die deutschen Tierheime sind nicht zu vergleichen mit den Zuständen, die im Ausland herrschen.“ Die Tiere seien oft unter freiem Himmel zusammengepfercht und bekämen in den Tötungsstationen nichts zum fressen. Zudem betont die Vorsitzende, dass der Kissinger Verein sich nicht nur um Hunde aus dem Ausland kümmert. Viele, die weitervermittelt werden, stammen aus der Region. Zudem kümmert sich die Organisation auch um herrenlose Katzen. Das Engagement hat etwas nachgelassen, soll aber laut Stasiak wieder „angekurbelt“ werden.

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