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Porträt

19.10.2019

Siegfried Christian aus Merching: Ein Meister am Barren und am Mikrofon

Siegfried Christian als aktiver Turner am Barren, Starnberg 1965.
Bild: Archiv Doris Christian

Plus Siegfried Christian ist in Merching vor allem als Musikant bekannt. In Prittriching verbindet man mit seinem Namen sofort einen hervorragenden Turner.

Wer in Merching den Namen „Christian“ hört, denkt sofort an Musik. An Volksmusik, um genauer zu sein, mit Siegfried Christian am Bass, vielleicht auch als Sänger in wechselnder Besetzung samt Gitarre mit seiner Frau Christa als Paartaler Zweigsang, mit Schwiegermutter als Paartaler Dreigesang oder seinen ebenso musikalischen Töchtern Ursula und Doris als Christian Dreigsang. In Burching (oder auch Prittriching) hat man von ihm ein ganz anderes Bild: Dort kennt man ihn noch als qualifizierten A-Trainer im Kunstturnen, der bis 1985 auch gefragter Kampfrichter war. Aus seiner aktiven Zeit als exzellenten Turner, der bayernweit an der Spitze turnte. Der es als Einziger am Ende seiner aktiven Karriere in einem Jahr schaffte, sich die Gaumeisterschaft in Schwaben und Oberbayern zu sichern.

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Siegfried Christian floh aus der Tschechoslowakei

Dabei hatte Siegfried Christian, den es als Grundschüler mit seiner Mutter und zwei Brüdern aus Znaim, der damaligen Tschechoslowakei, auf einer abenteuerlichen Flucht nach Prittriching verschlug, als Schüler zunächst keine idealen Voraussetzungen, all das zu erreichen. Vor allem, als seine Mitschüler mit Geigenkoffern zum Musikunterricht in die Schule kamen, hätte er das auch sehr gerne gemacht. Aber er hatte auch großes Glück: Seine Mutter hatte eine schöne Singstimme und sang viel mit den Kindern – so fiel der kleine Siegfried in der Schule schon positiv auf, dass er von selbst die dritte Stimme fand.

Im Turnverein begeisterte er alle anderen sehr bald damit, dass er aus dem Stand einen Salto machen konnte. Einmal, erinnert er sich lachend, musste er das zehnmal hintereinander auf einem Fest zeigen, weil es allen so gut gefiel. Ganz schwindlig sei ihm danach gewesen. Das Talent wurde, so gut es ging, gefördert, er durfte auf Wettkämpfe mitfahren und sah sich viele Übungen auch von den anderen ab, weil ihn sein eigener Trainer zwar unterstützte, so gut es ging, aber die Qualifikation gar nicht hatte.

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Sport, Musik und Theater sind Chrisitans Leidenschaften

Begeistert spielte er zudem nebenbei Fußball und Theater – und entdeckte eines Tages bei einem Verwandtschaftsbesuch die Leidenschaft für das Gitarrespielen: Sein Onkel sang leidenschaftlich gerne Wiener Lieder mit der Familie – anders als in G-Dur konnte er die Begleitung nicht greifen. Siegfried war fasziniert von dem Instrument und lehrte sich mithilfe eines Gitarrenbuchs selbst die wichtigsten Griffe. In der Militärzeit traf er auf seinen Freund Manfred Hohenleitner, einen sehr guten Gitarristen, der täglich mit ihm übte und von dem er vieles lernte. Seine große Liebe allerdings blieb das Turnen. Sehr bald stellten sich Erfolge ein: 1959 war er zum ersten Mal Gaumeister, mehrfach konnte er diesen Erfolg wiederholen, ebenso wie den des schwäbischen Bezirksmeisters.

Auch seine zukünftige Frau Christa, selbst eine gute Turnerin, wurde dadurch auf ihn aufmerksam. Die beiden wurden ein Paar, musizierten sonntags gemeinsam mit Christas Mutter Therese Wenzl im Paartaler Dreigsang – dadurch hatte Siegi keine Zeit mehr für Fußball. Ein Glück, sagt er im Rückblick – denn Fußballspielen war von den Bewegungsabläufen her Gift fürs Turnen: „Fast vier Tage lang braucht es, bis der Körper wieder geschmeidig genug für die Bewegungen ist, wenn man vorher Fußball spielt“, weiß er.

Mit 70 lernte der Mann aus Merching Tuba zu spielen

Intensiv stürzte er sich selbst ins Training, wurde gefragter A-Trainer und Kampfrichter im Verband. So sah er vor allem seine beiden Mädchen Ursula und Doris, die – wie er – leidenschaftlich gerne turnten, eine Zeit lang nicht so oft, wie seine Frau bedauert. Doch die aktive Zeit brachte auch beruflich eine positive Veränderung: Er konnte durch einen Turnerkollegen zu den Lechwerken wechseln. Dort genoss er nicht nur die abwechslungsreiche Arbeit als Hochspannungstechniker, sondern bis heute die Kameradschaft mit den Kollegen.

Als seine aktive Turnerzeit zu Ende ging, wurde sein Engagement bei den Bayermünchinger Trachtlern beim Theaterspielen und beim Volkstanz intensiver. Mit seiner Familie reist er privat, wann immer es geht, im Sommer nach Griechenland, aus musikalischen Gründen ins europäische Ausland und bis nach Japan. Mittlerweile spielt Siegfried Christian auch ausgezeichnet Bass. Mit 70 lernte er noch Tuba dazu.

Siegfried Christian will 107 Jahre alt werden

Als sportliche Aktivität kletterte er nun in den Bayerischen Alpen, in Indien oder Frankreich. In Merching sieht man ihn wöchentlich beim Boccia-Spielen, er radelt nach wie vor mit dem Rad bis in die Stauden oder auch mal mit Tochter Ursula den Jakobsweg. Als sie am Kap Finisterre gerade den Sonnenuntergang betrachteten, kam ein Anruf von Bürgermeister Walch wegen der Sommerserenade, erinnert sich Tochter Ursula schmunzelnd. 107 Jahre will er einmal werden, sagt Siegfried Christian, der gerade 80 geworden ist – für weitere Abenteuer bleibt noch genug Zeit.

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