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Friedberg

24.01.2021

Weinnest in Friedberg: Inhaber verklagt die Stadt

Das ehemalige Weinnest in der Friedberger Bauernbräustraße steht seit 2018 leer. 
Foto: Ute Krogull

Plus Das Weinnest kennt jeder Friedberger als beliebte Kneipe. Seit fast drei Jahren steht es leer, sein Inhaber möchte es abreißen. Jetzt verklagt er die Stadt.

2018 begann das Drama um das frühere Weinnest in Friedberg. Das Nachbarhaus, das eine gemeinsame Wand mit dem Gebäude hatte, wurde abgerissen, im Weinnest bildete sich ein Riss. Kurz darauf war es einsturzgefährdet. Seitdem steht das Haus an der Bauernbräustraße 3 leer. Es ist inzwischen gesichert, doch ein Streit zwischen dem Eigentümer und der Stadtverwaltung verhindert, dass der Schandfleck verschwindet.

Inhaber des Gebäudes ist mittlerweile der Friedberger Immobilienunternehmer Gregor Holzbrecher. Er übt scharfe Kritik an der städtischen Bauverwaltung und am Denkmalschutz. Ihnen gibt er die Schuld, dass an dem Haus in zentraler Lage nichts voran geht. Mittlerweile hat er Klage einreichen lassen.

Weinnest in Friedberg: Sanierung oder Abriss?

So legt der Unternehmer seine Sicht der Dinge dar: Ursprünglich habe er das Gebäude erworben, um es zu sanieren. Dann habe ihm ein Gutachter erklärt, dass das so gut wie unmöglich sei. In dem Gutachten, dass unserer Redaktion vorliegt, heißt es unter anderem: "Die Rückführung des Gebäudes in eine planmäßige Standsicherheit, ..., sehen wir in keinem umsetzbaren Rahmen." Der zitierte Fachmann sähe dadurch auch die Standsicherheit angrenzender Anwesen in Gefahr. Ein Gutachter des Prüfamtes für Standsicherheit habe das bestätigt.

Holzbrecher berichtet weiter, er habe mit einem Architekten Pläne für einen Neubau erarbeitet und dem zuständigen Mitarbeiter beim Bauordnungsamt vorgelegt. Auf dessen Wunsch seien die Pläne geändert worden. All dies habe sich jahrelang hingezogen, da auch der Denkmalschutz mitzureden hatte.

Das Weinnest in Friedberg war lange wegen Einsturzgefahr abgesperrt.
Foto: Ute Krogull

In der Tat sind Sanierung bzw. Abrisse und Neubauten in der Friedberger Altstadt eine diffizile Angelegenheit. Das Weinnest, ein jahrhundertealtes Gebäude, war früher als Einzeldenkmal ausgewiesen. Dieser Status wurde ihm aberkannt. Doch die Altstadt steht unter Ensemble-Schutz - ein hoher Schutzstatus. Maßnahmen müssen mit Bauamt und Denkmalschutzbehörde abgestimmt werden. Wer abreißen will, muss nachweisen, dass eine Sanierung nicht möglich ist.

Holzbrecher versichert, er habe allen Forderungen mithilfe von Gutachtern und Architekt entsprochen. Plötzlich aber habe man ihm gesagt, er habe den zuständigen Mitarbeiter falsch verstanden. Schließlich habe jedoch Baureferentin Lillian Sedlmair im Herbst 2020 mündlich ihr Okay gegeben. Seitdem warte er auf die schriftliche Genehmigung. "Auf mündliche Aussagen des Friedberger Bauamtes gebe ich nichts mehr!" Mittlerweile habe er die Stadt wegen Untätigkeit verklagt. Außerdem reiche sein Anwalt Schadensersatzklage ein, denn ihm entgehe Miete. Was sagt die Stadtverwaltung zu den Vorwürfen?

Weinnest: Was sagt die Stadt Friedberg zu den Vorwürfen?

Auf Anfrage teilt Pressesprecher Frank Büschel mit: "Bedauerlicherweise wird vom Bauherrn seit geraumer Zeit und bereits vor Einreichung der Klage die von vorneherein mit gesondertem Bauantrag eingereichte Neubebauung nicht mehr vorangetrieben. Mängel in den Bauantragsunterlagen für den Neubau werden nicht behoben, angeforderte Unterlagen werden nicht eingereicht, trotz mehrfacher Aufforderung." Die Stadt bestätigt, dass ein Klageverfahren auf Erteilung einer Abrissgenehmigung läuft. Das es sich um ein laufendes Verfahren handelt, mache sie dazu keine weiteren Angaben.

Das will Holzbrecher nicht auf sich sitzen lassen. Er habe den Neubau geplant und geändert - allein das habe mehrere 10.000 Euro gekostet. "Wie soll ich weiter planen, wenn ich nicht weiß, dass ich abreißen darf?" Von einer Aufforderung, weitere Unterlagen einzureichen, wisse er nichts. Für ihn verstreiche wertvolle Zeit. Sein Ziel sei es, im Erdgeschoss wieder ein Weinlokal einzurichten. Im oberen Stock seien Apartments geplant, die vermietet werden sollen. Er habe die Zusage eines Friedberger Unternehmers, der das ganze Gebäude mieten und aus einer Hand bewirtschaften wolle.

Wie hässliches Entlein und Schwan: das Weinnest und der benachbarte Neubau in der Friedberger Bauernbräustraße. 
Foto: Ute Krogull

Das Gebäude nebenan erstrahlt derweil in neuem Glanz. Hier hatte der Bauunternehmer Bernhard Spielberger ein Haus abgerissen und neu gebaut. Den Abriss - die Häuser hatten eine gemeinsame Wand - macht Holzbrecher für die Probleme beim Weinnest verantwortlich. 2018 musst eine Mutter mit ihren Kindern wegen der Einsturzgefahr von einem Tag auf den anderen ausziehen. Holzbrecher und Spielberger haben seitdem kein gutes Wort für den anderen übrig. Spielberger ist dafür voll des Lobes über die Friedberger Stadtverwaltung. Alle klappe gut. Holzbrecher dagegen will künftig kein Projekt in Friedberg mehr anpacken.

Lesen Sie auch den Kommentar zum Thema: Wie lange wird das Weinnest ein Schandfleck bleiben?

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