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Mering

28.12.2020

Wie geht es weiter mit den Ludwig-Mietern in Mering?

Die Tafel ist ebenfalls in dem Ludwig-Gebäude an der Zettlerstraße untergebracht.
Bild: Eva Weizenegger (Archiv)

Plus Das drohende Aus der Firma Ludwig Leuchten könnte auch Auswirkungen auf soziale Einrichtungen wie die Tafel in Mering haben. Wie die Lage aussieht.

Für Ludwig Leuchten in Mering sieht es nicht gut aus. Das Traditionsunternehmen befindet sich wieder in finanzieller Schieflage. Das könnte auch Auswirkungen auf soziale Einrichtungen in Mering haben. Schließlich sind mehrere in dem ehemaligen Firmengebäude in der Zettlerstraße untergebracht.

Nach Informationen unserer Zeitung ist die Schließung der Firma und damit des Standorts in Mering nicht mehr abzuwenden. Der Fachanawalt Matthias Nierhaus, der für die Münchner Kanzlei Wellensiek die insolvenzrechtlichen Angelegenheiten des Unternehmens betreut, sagt dazu nur: "Wir sind weiterhin dabei, das vorläufige Eigenverwaltungverfahren zu verfolgen. Es ist geplant, es Ende Dezember zu eröffnen. Das ist aber die Entscheidung des Gerichts, die erst abgewartet werden muss."

Ludwig Leuchten blickt in Mering auf 70 Jahre zurück

Die sogenannte Eigenverwaltung ist im Rahmen der Insolvenzordnung ein "Instrument zur Sanierung und Restrukturierung von Unternehmen". Laut Nierhaus kommt es zum Einsatz, wenn eine Insolvenz nicht mehr vermeidbar ist, das betroffene Unternehmen aber über einen fortführungswürdigen Geschäftsbetrieb und eine Perspektive verfügt. Dazu, ob weiterhin mit potenziellen Investoren verhandelt wird, gibt Nierhaus keinen Kommentar ab.

Ludwig Leuchten, das auf 70 Jahre Unternehmensgeschichte zurückblickt, stellte zuletzt nur noch am Produktionsstandort im sächsischen Bergen Leuchten und Sonderlösungen für die Industrie her. In der Frühlingsstraße in Mering war nach einer Verlagerung im Jahr 2017 nur noch die Verwaltung untergebracht. Zuletzt arbeiteten 100 Beschäftigte in Bergen und für Verwaltung und Vertrieb rund 20 Mitarbeiter in der Marktgemeinde.

Das ehemalige Firmengebäude in der Zettlerstraße wird schon viele Jahre an unterschiedliche Einrichtungen vermietet. Unter anderem sind dort die Tafel, der Kleiderladen, die Kinderbetreuung Bienenkorb, eine Kindertagespflege, ein Tanzstudio und die Kolping-Kulturwerkstatt untergebracht. Laut Nierhaus gibt es derzeit keine Pläne, etwas an den Mietverhältnissen zu ändern. Zu der Frage, ob eine mögliche Insolvenz Auswirkungen auf die Immobilien in Mering haben könnte, äußert er sich nicht.

Bürgermeister Florian Mayer bedauert die Entwicklung bei der Firma Ludwig Leuchten. Noch müsse man aber die endgültige Situation abwarten. "Die Verlagerung der Produktion nach Bergen war bereits ein sehr herber Einschnitt, besonders für die vielen Angestellten, die jahrelang ihre Familien mit ihren Einkommen ernährt haben. Eine traurige Geschichte", sagt Mayer. Auf die Marktgemeinde hätten die neuen Probleme der Firma zudem Auswirkungen, weil Mering bei der Erneuerung der Straßenbeleuchtung auf Produkte von Ludwig Leuchten setzten wollte. "Wir müssen nun schauen, wie es da weitergeht", sagt Mayer.

Marktgemeinde Mering im Gespräch mit der Familie Ludwig

Im Hinblick auf die Standorte in Mering habe es bereits Beratungen gegeben. "Wir sind im Gespräch mit der Familie Ludwig sowohl was die Mietverhältnisse angeht als auch über eine mögliche Nachnutzung der Areale", sagt Mayer. Er könne aufgrund der privaten Eigentumsverhältnisse nicht näher darauf eingehen. Mayer sehe aber keine Gefahr, was die Mietverhältnisse in der Zettlerstraße angehe. Zudem gebe es ja auch feste Laufzeiten.

Im Hinblick auf den Standort in der Frühlingsstraße sagt der Bürgermeister: "Das Ziel ist es, dort Gewerbe zu erhalten." Im Hinblick auf einen möglichen Kauf des Areals durch die Marktgemeinde sagt er: "Denkbar ist vieles. Aber die Frage ist, ob das finanzierbar ist und ob die Eigentümer das überhaupt wollen." Über diese Themen soll in Zukunft auch im Marktgemeinderat beraten werden.

Die Firma Ludwig Leuchten befindet sich erneut in einer finanziellen Schieflage. Hier der Standort in der Frühlingsstraße.
Bild: Elisa Glöckner (Archiv)

Ein großer Mieter in der Zettlerstraße ist die Kolping-Kulturwerkstatt. Vorsitzender Reinhard Gürtler hat keine Befürchtungen, dass die Organisation bald ausziehen muss. Mitglieder der Familie Ludwig hätten versichert, dass alles so bleibe, wie es ist. "Was passiert, wenn die Mietverträge auslaufen, vielleicht in fünf oder sechs Jahren, kann ich natürlich nicht sagen", schränkt Gürtler ein. 2003 ist die Kulturwerkstatt in das ehemalige Firmengebäude eingezogen. Unter anderem stehen auf 340 Quadratmetern ein großer Probenraum und mehrere Musikzimmer zur Verfügung. Auf Betreiben der Kolpingkapelle und mit mehreren Unterstützern, unter anderem der Firma Ludwig selbst, wurden die Räume für die Bedürfnisse der Nutzer eingerichtet.

Für die Tafel und den Kleiderladen stehen über 500 Quadratmeter große Räumlichkeiten zur Verfügung. Die ehrenamtliche Leiterin Ingrid Engstle sagt: "Wir haben die Zusage, dass wir bleiben dürfen. Man kann allerdings nicht in die Zukunft schauen." Die Einrichtung ist erst vor etwa zwei Jahren in das Ludwig-Gebäude eingezogen. "Wir sind froh, dass wir nun die großen Räume haben." Das ermögliche den Ehrenamtlichen, während der Corona-Pandemie die Vorschriften einzuhalten und die Tafel offen zu halten. Die Standortveränderung sei aber ein Kraftakt gewesen. "Einen weiteren Umzug wird es nicht mit mir geben, das werde ich nicht schaffen mit fast 70 Jahren", sagt Engstle.

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