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Kissing

09.01.2021

Zieht die Hiasl-Erlebniswelt ins Kissinger Schlösschen ein?

Könnte die Hiasl-Erlebniswelt in das Kissinger Schlösschen einziehen? Der Förderverein hält diesen Plan für prüfenswert.
Bild: Philipp Schröders

Plus Der Förderverein in Kissing hat das Schlösschen als neuen Standort für die Hiasl-Erlebniswelt in den Blick genommen. Was die Geldgeber dazu sagen.

Inzwischen liegt der letzte Öffnungstag der Kissinger Hiasl-Erlebniswelt bereits ein paar Jahre zurück. 2017 gab es zu Halloween eine besondere Aktion für Kinder auf Gut Mergenthau. Kurz danach räumten die Mitglieder die Ausstellungsstücke aus den Räumen. Der Mietvertrag war ausgelaufen. Mehrere Optionen für eine Neueröffnung waren seitdem im Gespräch. Allerdings zerschlugen sich diese Pläne stets. Doch im Hintergrund arbeiten die Mitglieder des historischen Fördervereins aus Kissing weiter an einer Lösung.

Zurzeit steht die Figur des Bayerischen Hiasl in Plastikfolie verpackt in der ehemaligen neuapostolischen Kirche in Kissing. Dort sind alle Ausstellungsstücke untergebracht. In den vergangenen Jahren hat es schon einige Ideen gegeben, in Kissing eine neue Heimat für das Museum zu finden - bisher jedoch alle ergebnislos. Kissings ehemaliger Bürgermeister Manfred Wolf hatte einen Neubau beim Parkstüberl ins Spiel gebracht. Doch der angedachte Standort befindet sich im Außenbereich und darf nicht einfach bebaut werden.

Marxenwirt war bereits für die Hiasl-Welt im Gespräch

Zuletzt war der Marxenwirt im Altort im Gespräch. Doch das Vorhaben scheiterte an den Kosten. Laut den Partnern wäre der Umbau zu teuer gewesen. Das Museum war früher von der Regio Augsburg Tourismus, dem Wittelsbacher-Land-Verein und der Gemeinde Kissing finanziert worden. Betrieben wurde es ehrenamtlich von den Mitgliedern des Historischen Fördervereins Bayerischer Hiasl.

Der Vorsitzende Ronald Kraus hat inzwischen ein neues Objekt ins Auge gefasst. Bei Gesprächen über ein Haus im Alt-Ort habe ihm der Eigentümer das Kissinger Schlösschen vorgeschlagen. "Er meinte, das wäre für unsere Zwecke gut geeignet", sagt Kraus. Konkret geht es um den etwa 170 Quadratmeter großen Saal im ersten Obergeschoss. Der Eigentümer des Schlösschens erklärt, dass der früher zur Gaststätte im Erdgeschoss gehört habe. Der Saal stehe inzwischen schon länger leer. Das Lokal mit Biergarten im Erdgeschoss sei seit etwa acht Jahren nicht mehr verpachtet.

Das Kissinger Schlösschen hat eine bewegte Geschichte hinter sich

Das denkmalgeschützte dreigeschossige Gebäude hat eine bewegte Geschichte hinter sich. Seine jetzige Form erhielt es wohl Anfang des 18. Jahrhunderts im Auftrag der Jesuiten. Laut dem Historiker Peter Münch-Heubner wurde aber bereits ab dem Jahr 1560 dort neu erbaut, wo zuvor ein Jagdschloss für kurze Zeit sogar Kaiser Karl V. als Gast beherbergt haben soll. Zu Zeiten der Jesuiten wurde das staatliche Haus zum Sitz der von ihnen eingesetzten Hofmarkrichter. "Das Schlösschen war daher auch kein kleines Schloss, sondern ein Gerichtsgebäude", sagt Münch-Heubner. Im 19. Jahrhundert richtete ein Bäckermeister in dem Gebäude eine Bäckerei und ein Wirtshaus ein. Daher ist es auch unter dem Namen „Bäckerwirt“ bekannt.

Kraus vom Förderverein erklärt, dass sich der stellvertretende Vorsitzende Reinhard Mayr ein Bild von dem Saal gemacht habe. "Im Vergleich zum Marxenwirt ist der Renovierungsaufwand aus unserer Sicht deutlich geringer." Bereits im September habe Kraus sich daher mit einem Brief an die Partner gewandt, um konkrete Überlegungen zur Errichtung des Museums anzustellen. "Das Ziel ist es, alle an einen Tisch zu bekommen und zu überlegen, ob sich das finanzieren lässt", sagt er. Bisher habe er aber keine Reaktion erhalten.

Tourismusdirektor Götz Beck sieht zumindest Potenzial in dem möglichen Standort. "Auf jeden Fall sollte das spannende Objekt geprüft werden", sagt er. Der kulturelle Bereich ist zurzeit stark von der Corona-Krise betroffen. Doch Beck sieht darin wohl kein Hindernis für Zukunftspläne. Er sagt: "Das Thema Bayerischer Hiasl ist so interessant, dass es mit einem eigenen Museum fortgeführt werden sollte. Es wird gerade für die Attraktivität und die Identifikation in der Region sowie für den Tourismus wichtige Impulse setzen." Im Hinblick auf das weitere Vorgehen erklärt er: "Von unserer Seite werden wir – sobald die Kontaktbeschränkungen wieder etwas gelockert werden – mit den Partnern die Situation vor Ort betrachten und analysieren. Wir bleiben da auf jeden Fall dran und werden uns im Rahmen unserer Möglichkeiten gerne mit einbringen – wie wir das ja auch bei der Initiierung und Realisierung der Hiasl-Welt auf Gut Mergenthau getan haben."

Die Figur des Hiasl steht weiterhin gut verpackt in der ehemaligen Neuapostolischen Kirche in Kissing.
Bild: Philipp Schröders

Auch beim Wittelsbacher-Land-Verein steht man dem Vorhaben offen gegenüber. Geschäftsführer David Hein sagt: "Wir finden das Objekt interessant." Er sieht aber den nächsten Schritt bei der Kommune. "Wir werden das Projekt weiter unterstützen, wenn der Gemeinderat denkt, dass das Objekt für die Gemeinde finanzierbar ist." Der Wittelsbacher-Land-Verein könne dann in Zukunft weiterhin bei der Organisation helfen und sich dafür einsetzen, Gelder aus der Leader-Förderung der Europäischen Union zu beschaffen.

Kissings Bürgermeister Reinhard Gürtner sagt: "Grundsätzlich wollen wir uns alle weiterhin für das Hiasl-Museum einsetzen." Nach der Nachricht des Fördervereins habe er sich persönlich an Kraus gewandt und angeregt, dass dieser ein Treffen mit allen Partnern organisiere. "Es sind da noch eine Menge an Fragen offen", sagt Gürtner. Beispielsweise müsste geklärt werden, welche Ausstellungsstücke aus der Neuapostolischen Kirche weiterhin genutzt werden könnten und wie viel Raum für eine zukünftige Ausstellung überhaupt gebraucht wird. Des Weiteren müsse darüber beraten werden, zu welchen Konditionen der Saal gemietet werden könnte und was die Herrichtung kosten würde. "Erst wenn das alles geklärt ist, können wir das dem Gemeinderat oder dem zuständigen Ausschuss präsentieren und darüber beraten", sagt Gürtner.

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