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Test

21.11.2018

Der neue Mercedes GLE im ersten Test

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10 Bilder
Ist das der neue König der großen SUVs? Jedenfalls hat Mercedes den GLE von Grund auf erneuert. 
Bild: Daimler AG

Der neue GLE verfügt über ein Dämpfersystem, das den Kontakt zur Straße beinahe leugnet. Und sogar ein Tänzchen wagt die Technik.

Als die pochenden Elektro-Beats einsetzen, macht der Daimler plötzlich einen Hüpfer nach vorne. Und einen zurück. Zumindest sieht es so aus als ob. Er wippt auf den Zehenspitzen, wackelt mit den Schultern, reckt zur Musik das Hinterteil und vollführt das, was der Tanzlehrer einst einen Wie-ge-schritt nannte. Zuschauer verfolgen die Einlage johlend. Das Video wird zum Renner im Netz. Hauptdarsteller: der Mercedes-Benz GLE.

Dass ausgerechnet die schwäbische Traditionsmarke die jüngste Generation des Dickschiffs nach Art der Lowrider (so nennt man die verrückten tanzenden Autos in den USA) inszeniert, zeigt: Wer in der SUV-Flut von heute auffallen will, muss sich etwas einfallen lassen. Vor mehr als 20 Jahren begründete der GLE, der früher ML hieß, das Segment der Premium-SUVs. Wer hätte damals gedacht, dass die mehr oder weniger sinnbefreiten Straßen-Geländewagen einmal den Weltmarkt beherrschen?

Fährt wie ein SUV, der kein SUV sein will

Doch zurück in die Zukunft, der Mercedes mit seinem revolutionären elektrohydraulischen Dämpfersystem einen Schub gibt. Die Technik dient neben dem eingangs erwähnten Show-Tänzchen auch seriösen Einsatzzwecken. Erstmals gelingt es im GLE, jedes einzelne Rad in Sekundenbruchteilen um bis zu eine Handbreit anzuheben oder abzusenken. Was der Fahrer davon hat? Zum Beispiel einen hoch bauenden Koloss, der sich nicht wie viele seiner Artgenossen in den Kurven neigt, sondern nahezu jede unangenehme Wank- und Nickbewegung der Karosserie unterbindet - ein SUV, der kein SUV sein will. Was bekommt sein Besitzer noch? Zum Beispiel ein Auto, das sich von alleine auf Schlaglöcher einstellt - da es dieselben dank einer Stereo-Kamera, die permanent die Straße scannt, früher sieht als der Fahrer. Was die „E-Active Body Control“ im Extremfall noch leistet: Sie hilft den Wagen durch rhythmisches Heben und Senken frei zu fahren, wenn der etwa im Sand stecken geblieben ist.

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Für solche Gimmicks allein werden potenzielle Käufer kaum 7735 Euro zusätzlich berappen; so viel Aufpreis kostet nämlich das Super-Fahrwerk. Müssen sie auch nicht, schließlich trägt einen schon der bekannte Unterbau mit Luftfeder und Aktivdämpfer wie auf Händen. Mit dem neuen System nun erweckt Mercedes den Eindruck, als habe man die Hände auch noch weggezogen; und der GLE schwebte wie von magischen Kräften gehalten über der Straße. Der Komfortgewinn ist das stärkste Argument für das Luxus-Fahrwerk.

Fast drei Meter Radstand und eine wahre Ladehalle

Denn nichts anderes als Komfort und um Luxus erwartet die Zielgruppe. Das fängt beim Platz an. Auf fast drei Metern Radstand lässt es sich leben. Der Kofferraum ist mit bis zu 2055 Liter Volumen eine wahre Ladehalle. Wie das geht? Um satte zehn Zentimeter ist der Wagen in der Länge gewachsen. Auch Mercedes wollte sich dem umstrittenen Trend zu immer noch größeren SUVs also nicht entziehen. Man muss dem Hersteller aber anrechnen, dass die Zusatz-Zentimeter in der Tat den Insassen zu Gute kommen.

Die Fondspassagiere genießen nun eine Beinfreiheit von über einem Meter auf ihrem voll elektrisch verstellbaren Gestühl; und erstmals lässt sich sogar eine dritte Bank installieren (1100 Euro), was den GLE in einen Siebensitzer verwandelt. Löblich im Übrigen, dass dem Mega-SUV seine üppigen Ausmaße äußerlich nicht wirklich anzusehen sind. Im Gegenteil. Der Wagen wirkt etwa durch die weiter in die Ecken gestellten Räder und die daraus resultierenden kürzeren Überhänge deutlich kompakter, ja sportlicher als der Vorgänger. Die Proportionen stimmen.

Sitzen wie an einer Art Theke

Im Interieur fällt vor allem das konsequente horizontale Design auf, welches das großzügige Raumgefühl verstärkt. Vor dem Armaturenbrett des GLE sitzen Fahrer und Beifahrer wie an einer Art Theke. Die Mittelkonsole taucht förmlich unter den Instrumententräger ein. Materialmix, Verarbeitung, Bedienbarkeit und nicht zuletzt das Leise-Niveau sind so, wie sie in einem 100.000-Euro-Auto sein müssen. Niemand lasse sich von den Einstiegspreisen von deutlich unter 70.000 Euro blenden: Wer auf der Extra-Liste lustvoll ein paar Kreuzchen macht, wird eine sechsstellige Summe schnell erreichen. Wenigstens sind Allrad und Neungang-Automatik serienmäßig an Bord.

Mercedes GLE: Ausstattung, Leistung, Preise

Womit wir beim wunden Punkt auch dieses Mercedes angelangt wären. Selbst einen Schwaben-SUV muss man sich gönnen können. Die Preise beginnen bei 65.807 Euro für einen GLE 300 d 4 Matic mit 245-PS-Diesel, der allerdings „nur“ vier Zylinder beherbergt. Seine standesgemäßeren Sechszylinder-Brüder leisten 272 und 330 PS. Alle Diesel verfügen über einen zweiten SCR-Katalysator im Unterboden, was minimale Stickoxid-Emissionen gewährleisten soll. Der kleine Selbstzünder schafft die Euro 6d Temp, die größeren sogar die künftige Euro 6d Norm. Ferner im Angebot: ein mit einem 48-Volt-Bordnetz elektrifizierter Sechszylinder-Benziner, den eine E-Maschine mit zusätzlichen 250 Newtonmetern Drehmoment boosten kann. Diese Version kostet mindestens 72650 Euro.

Ein Plug-in-Hybrid soll folgen

Weitere Preise gab Mercedes noch nicht bekannt. Die Auslieferung des GLE soll im Februar beginnen. Im Laufe des Jahres will der Hersteller einen Plug-in-Hybriden nachschieben, der rund 100 Kilometer rein elektrisch zurücklegen können soll. Auf das eingangs erwähnte Tänzchen übrigens werden Interessenten lange warten müssen: Diese Show war eine einmalige. Allein der Premiere vorenthalten. Der GLE-Gag wird nie in den Verkauf gelangen. Aus Sicherheitsgründen, wie es heißt.

Keine Sorge: Es gibt auch günstigere große SUVs. Den Kia Sorento zum Beispiel. Einen Test lesen Sie hier.

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