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Osterbräuche weltweit

28.03.2018

Warum Ungarn zu Ostern eine Wasserschlacht machen

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3 Bilder
Frohe, nasse Ostern: Das Begießen der Frauen mit Wassereimern zählt in Ungarn zu den traditionellen Bräuchen.
Bild: Attila Balazs/EPA, dpa

Hier hat der Hase keine Hauptrolle: Während in Ungarn Frauen nass gemacht werden, gehen in Frankreich Glocken auf Reisen. Osterbräuche sind sehr unterschiedlich.

Vom 29. März bis zum 2. April wird mit Ostern das wichtigste christliche Glaubensfest gefeiert. In Deutschland dreht sich dabei alles um den Hasen, bei unseren europäischen Nachbarn stehen mal Heringe, mal Glocken, mal tanzende Männer im Mittelpunkt. Die schönsten Beispiele.

Frankreich: Reisende Glocken mit süßem Inhalt Warum die Glocken von Gründonnerstag bis Ostersonntag schweigen, hat mehrere Erklärungen: Entweder vor Trauer über die Kreuzigung Christi oder weil die Glocken am Gründonnerstag nach Rom reisen – wie man den Kindern erzählt. Dort lassen sie sich vom Papst segnen und packen für die Kleinen zu Hause Geschenke ein. Über Frankreich wird den prall gefüllten Glocken die süße Last dann zu schwer und sie lassen überall Schokolade und kleine Geschenke fallen, um pünktlich zum Ostersonntag ihren Dienst in den französischen Kirchtürmen wieder aufzunehmen.

Italien: Osterkuchen und Milchlämmer Prozessionen und Passionsspiele stehen in Italien im Mittelpunkt der Osterfeierlichkeiten. Grundsätzlich gilt: Je weiter südlich, desto spektakulärer sind die Feierlichkeiten. In Rom gehört natürlich der Besuch der Papstmesse auf dem Petersplatz zum Ostersonntag. Nach dem Segen „Urbi et Orbi“ geht’s nach Hause zum opulenten Pranzo di Pasqua, dem Osteressen mit der Familie. Das Festmahl besteht meist aus Abacchio, einem geschmorten Milchlamm, und der Colomba, dem italienischen Osterkuchen in Form einer Taube. Wer Ostern lieber mit Freunden verbringt, findet in dem gerne zitierten italienischen Sprichwort Absolution: „Natale con i tuoi, Pasqua con chi vuoi – Weihnachten mit der Familie, Ostern mit wem du magst“.

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Griechenland: Die Große Woche und große Picknicks In Griechenland wird aus Ostern gleich eine ganze Woche, nämlich die Große Woche. Sie beginnt am Großen Montag und endet am Großen Samstag um Mitternacht mit der Auferstehung Christi. Während dieser Zeit steht alles möglichst lebensecht im Zeichen der Leidensgeschichte von Jesus Christus. Das Hämmern von Nägeln während der Kreuzigung in der Freitagsmesse ist nichts für zarte Gemüter. Ertönt am Gründonnerstag und Karfreitag noch lautes Wehklagen über die Leiden des Heilands, so wird am Großen Samstag um Mitternacht lautstark die Auferstehung gefeiert. Anschließend geht es nach Hause, wo die traditionelle Suppe aus Lamminnereien und das Osterbrot warten. Am Ostersonntag zieht die ganze Familie nach Möglichkeit ins Freie zu einem ausgiebigen Grillfest. Dann ist bei Lamm, rot gefärbten Eiern und Häppchen der Kummer der vorherigen Tage vergessen.

Belgien: Fliegende Glocken und viel Schokolade Auch die Belgier glauben an fliegende Glocken. Belgische Glocken tun es ihren französischen Kollegen gleich und schweigen von Gründonnerstag bis Ostersonntag. Dann sind auch sie auf großer Reise nach Rom, um sich den päpstlichen Segen zu holen. Die Geschenke, die sie aus Rom mitbringen, leeren sie in Heunester, die von den Kindern vorsorglich gebastelt wurden. Ostersonntag und Ostermontag stehen ganz im Zeichen des Schlemmens, was in Belgien mit viel Schokolade zu tun hat.

Polen: Körbchensegnung und feuchtfröhliche Taufen Im katholischen Polen werden am Ostersonntag Körbe mit Wurst, Salz, Pfeffer, Meerrettich, Eiern und Kuchen gefüllt. Festlich geschmückt mit weißem Leinen und Weidenkätzchen werden sie in der Auferstehungsmesse gesegnet. Anschließend versammelt sich die gesamte Familie zum Osterfrühstück, das sich bis in den Abend ausdehnen kann. Die gesegneten Eier, die Pisanki, dürfen nicht fehlen. Sie werden geteilt und unter Glück- und Segenswünschen verzehrt. Am Ostermontag gedenkt man mit „Smigus Dyngu“ der Taufe von Mieszko I. im Jahr 966, der den katholischen Glauben nach Polen gebracht hat.

England: Tanzende Männer und Hot Cross Buns In England werden für die Kinder Ostereier versteckt, und selbst der Osterhase hat es auf die Insel geschafft. Besonderheiten der englischen Osterzeremonie sind der Morris Dance, eine Form des Moriskentanzes, bei dem meist junge Männer geschmückt mit Bändern und Glöckchen tanzen. Anschließend werden Hot Cross Buns serviert, süße Osterbrötchen, und der Simnel-Kuchen, ein englischer Osterklassiker. Er wird mit elf Marzipankugeln verziert, die die Aposteln symbolisieren. In Wales werden aus Freude über die Auferstehung Christi Purzelbäume geschlagen.

Irland: Heringsbegräbnisse und Lauchsuppe Strenggläubige Iren essen am Karfreitag wenig bis gar nichts und gehen, wenn überhaupt, nur barfuß auf die Straße. Am Ostersonntag gibt es nach der Messe das traditionelle Osteressen, bestehend aus Lauchsuppe und Lamm. Vielerorts finden Heringsbegräbnisse statt, weil die fetthaltigen Fische in der Fastenzeit zu häufig auf dem Speiseplan standen. Die Kinder freuen sich auf riesengroße, gefüllte Schokoladeneier.

Spanien: Osterfeuer und Prozessionen Temperamentvoll feiern die Spanier in der Semana Santa Ostern. Prozessionen mit lebensgroßen Figuren zählen genauso zur Ostertradition wie emotionsreiche Wiedervereinigungsszenen zwischen dem auferstandenen Jesus Christus und seiner Mutter Maria. Mancherorts wird am Ostersonntag das Osterfeuer entzündet. Dabei wird eine Puppe, die Judas darstellen soll, mit Feuerwerkskörpern gefüllt und verbrannt. Das Ostermahl besteht je nach Region aus Stockfisch oder Lamm.

Schweden: Osterhexen und Birkenzweige Zu Ostern wird in Schweden das Haus mit dem traditionellen Påskris, einem Birkenzweig, behangen, der mit Eiern, Federn oder kleinen Küken geschmückt ist. Die Kinder ziehen als Osterhexen, Poskkärringar, verkleidet von Haus zu Haus und sammeln Süßigkeiten ein. Das Papp-Osterei, in dem die süße Beute verschwindet, wird anschließend versteckt und darf erst am Ostersonntag gesucht werden. Zum traditionellen Ostermahl gehören Hackfleischbällchen, Hering, Lachs und belegte Eihälften. Dazu wird Påskmust, eine Art Malzbier, getrunken, das es nur zu Ostern gibt.

Ungarn: Gesegnetes Fleisch und begossene Damen In Ungarn ist der Besuch der Ostermesse sehr wichtig. Daneben gibt es oft Passionsspiele und Osterfeuer und vor allem viel zu essen. Da am Ostersonntag auch für die Ungarn die Fastenzeit zu Ende geht, nehmen viele Kirchgänger das lange vermisste Fleisch mit in die Kirche, um es segnen zu lassen. Anschließend wird es dann zusammen mit weiteren, meist deftigen Köstlichkeiten und viel Alkohol verspeist. Ein alter Brauch zu Ostern ist das Begießen der Frauen durch die Männer. Es soll dazu dienen, dass diese weniger schnell verwelken, und kann entweder mit einem Wassereimer oder mit ein paar Spritzern Parfum durchgeführt werden. Je nachdem, wie die Herren den Brauch umsetzen, bekommen sie ein besonders hübsches Osterei von den Damen geschenkt. (srt)

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