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Burgau

24.07.2019

30 Jahre Therapiezentrum Burgau: Es hat noch viel vor

An der Stelle des Alten Krankenhauses entsteht ein Neubau des Therapiezentrums. Dafür wurde am Mittwoch Richtfest gefeiert.
Bild: Bernhard Weizenegger

Plus Vor 30 Jahren gründete Max Schuster die Einrichtung. Sie ist zur renommierten Fachklinik geworden. Trotz schwieriger Umstände soll die Erfolgsgeschichte fortgeschrieben werden.

Das Therapiezentrum Burgau ist Max Schusters Lebenswerk. Dafür bekommt er auch heute, 30 Jahre nach der Gründung, noch viel Anerkennung – und für seine Entscheidung, das Haus an die Bezirkskliniken Schwaben übergeben und sie so für die Zukunft gesichert zu haben. Im Januar vergangenen Jahres kam die Facheinrichtung für neurologische Rehabilitation offiziell unter ihr Dach. Und wie Schuster am Mittwoch bei der Feier zum Jubiläum gegenüber unserer Zeitung sagte, sei er seither nur einmal ganz kurz da gewesen, und das auch nicht offiziell.

Aber er habe viel mit Geschäftsführer Stefan Brunhuber telefoniert. „Ich habe die Leute in Ruhe arbeiten lassen“, wenngleich er die Klinik „Tag und Nacht im Auge“ habe. Sie habe sich seit der Übergabe viel besser entwickelt, als er es zu hoffen gewagt habe. „Ich bin sehr zufrieden.“ Natürlich wünsche er sich, dass es auch künftig so weitergeht. Es könne jedenfalls nicht sein, dass die Mitarbeiter durch irgendwelche Vorgaben von außen frustriert werden.

Das neue Abrechnungsverfahren war ein Einschnitt

Auch Chefarzt Professor Dr. Andreas Bender, der in einem unterhaltsamen Vortrag die Geschichte des Therapiezentrums Revue passieren ließ, ging auf eine ganz bestimmte Entwicklung ein: Die Zeit, in der die Patienten hier behandelt werden können, sei im Laufe der Jahre immer weiter gesunken. Einen Einschnitt habe es 2012/2013 mit der Einführung der DRGs gegeben, einem pauschalierten Abrechnungsverfahren für Kliniken.

30 Jahre Therapiezentrum Burgau: Es hat noch viel vor
Max Schuster und sein Lebenswerk: das Therapiezentrum Burgau.
Bild: Bernhard Weizenegger

Früher habe der Fokus darauf gelegen, wie lange ein Patient bleiben kann, um möglichst gut zu genesen. Doch das habe sich dahingehend geändert, dass gefragt werde, wie lange er krank genug ist, um bleiben zu müssen. Heute könnten die Patienten meist nur noch wenige Wochen bleiben, obwohl sie weitere Behandlung bräuchten. Doch trotz dieser von außen aufgestülpten Vorgaben habe sich das Therapiezentrum seinen besonderen Geist bewahrt.

Klinik-Gründer Max Schuster wurde zum Pionier

Der komme vor allem daher, dass ein Betroffener – Max Schuster wurde zum Pionier auf dem Gebiet, da seine verunglückte Tochter damals von der etablierten Medizin abgeschrieben worden war und er selbst für sie eine Behandlung aufbauen musste – das Haus gegründet hat. Unterstützt wurde es schon zu Beginn von unserem Leserhilfswerk Kartei der Not. Außerdem gebe es hier flache Hierarchien, die große Kompetenz der Mitarbeiter, die sich als Team für die Patienten verstünden, und die Gemeinnützigkeit, von der das Therapiezentrum getragen werde. Der Fachkräftemangel sei zwar auch hier die größte Herausforderung, aber man wolle das Haus weiter ausbauen. So solle ein Medizinisches Zentrum für Menschen mit Behinderungen eingerichtet werden.

Dass Burgau auch im Allgäu ein Synonym für diese Hilfen ist, betonte Bezirkstagsvizepräsidentin Barbara Holzmann, die von dort kommt. Gerade weil viele Familien an den Folgen einer Erkrankung zerbrechen würden, wie sie im Therapiezentrum behandelt wird, sei es so wichtig, von Anfang an die beste Versorgung zu gewährleisten. Woran man als Gesellschaft und woran die dafür Verantwortlichen noch arbeiten müssten, sei die Integration nach der Behandlung. Es mache keinen Sinn, jeden in eine Werkstatt für Behinderte zu bringen.

Der Neubau des Therapiezentrums wächst.
Bild: Bernhard Weizenegger

Klinik-Studie bleibt nicht unwidersprochen

Diskutiert werden muss offenbar auch noch über die Kliniklandschaft an sich. Die Bertelsmann-Studie, nach der jede zweite Klinik in Deutschland verzichtbar sei und so die Behandlungsqualität gesteigert werden könne, wollten weder Bauminister Hans Reichhart – „wir sind stolz auf alle unsere Kliniken im Landkreis“ – noch Thomas Düll, Vorstandsvorsitzender der Bezirkskliniken, unwidersprochen lassen. Denn die Versorgung in der Region würde dadurch nicht besser, ist er überzeugt.

Welches Haus solle man denn schließen, fragte Düll, wenn nur noch die Hälfte übrig bleiben dürfe. Beide Kreiskliniken, oder lieber das BKH Günzburg und das Therapiezentrum? Oder die anderen? Fachkliniken seien eingepreist worden, obwohl sie nicht für die Grundversorgung der Menschen zuständig seien. Solchen Gutachten müsse Sachkompetenz entgegengestellt werden. Mit der Entwicklung in Burgau und dem Geschäftsverlauf sei er jedenfalls sehr zufrieden.

Ein Blick in den Rohbau des neuen Trakts.
Bild: Bernhard Weizenegger

Der Neubau des Therapiezentrums wächst

Dass trotz aller Studien und politischer Vorstöße das Gesundheitswesen in der Stadt Zukunft hat, ist auch nicht zu übersehen: Der neue Trakt des Therapiezentrums wächst, am Mittwoch wurde dafür das Richtfest gefeiert. 16 Intermediate-Care- und zwölf Intensivbetten entstehen hier, im Winter 2020/21 will man einziehen, der Zeit- und Kostenrahmen werde nach jetzigem Stand eingehalten, sagte Düll. 80 Prozent der Bausumme sei vergeben. Nur 120000 bis 130000 Euro über dem Kostenplan zu liegen, sei bei einem 21-Millionen-Projekt wie eine Punktlandung.

Der Neubau entsteht an der Stelle des Alten Krankenhauses, dem noch mancher nachtrauert, auch wenn hier „ein noch viel, viel schöneres, besseres Gebäude entsteht“, wie Minister Reichhart meinte. Schuster wollte mit etwas aufräumen: Die erste Station des Therapiezentrums sei nicht im historischen Alten Krankenhaus gewesen, sondern im Bettenbau Ost, wo die Entbindungsstation war. Doch die sei da schon geschlossen gewesen.

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