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Leipheim

14.06.2019

Auwald: Experte erkennt fast jeden Vogel am Gesang

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Der Buntspecht kommt im Auwald recht häufig vor.
Bild: Georg Wendt/dpa

Der Auwald bei Leipheim bietet ideale Bedingungen für verschiedenste Arten. Auch bedrohte Tiere brüten dort. Klaus Schillhansl ist seit den 1960er Jahren Vogelkundler und weiß, wie sich das Gebiet verändert.

Schon vor Sonnenaufgang macht sich Klaus Schillhansl auf den Weg. Es ist noch nicht einmal fünf Uhr am Morgen, da beginnt für den Vogelkundler bereits die Arbeit. Mit dem Fahrrad fährt Schillhansl sein Gebiet im Auwald bei Leipheim ab. Es umfasst einen Quadratkilometer: Drei Kilometer ist die Strecke lang, die er abfährt. Ein Großteil davon liegt im Auwald, doch auch entlang der Donau und an den Baggerseen beobachtet er die Tiere.

Dafür braucht der Vogelkundler gut und gerne fünf Stunden. Seit den 1960er Jahren dokumentiert der Nersinger, welche Vögel in der Region leben, seit 2007 ist er für die Erfassung von Brutvögeln im Auwald zuständig. „Hier gibt es unheimlich viele Vogelarten“, stellt er die Besonderheiten des Gebiets heraus. Und auch einige seltene Exemplare haben sich dort nieder gelassen, einige stehen sogar auf der Roten Liste und sind stark gefährdet.

Im Auwald leben 97 verschiedene Vogelarten

Etwa 97 verschiedene Vogelarten sind im Auwald zwischen Weißingen und Leipheim zuhause – 76 von ihnen brüten regelmäßig in dem Gebiet. Schillhansl erkennt fast alle von ihnen am Gesang. Denn die wenigsten zeigen sich bei seinen Beobachtungen. Doch zu hören sind sie. Der Vogelkundler hält akribisch fest, wo er die Laute der Tiere vernommen hat und wie viele es waren. „So kann auch festgestellt werden, wie groß das Revier der Vögel ist und wieviele Brutpaare es in der Region gibt.“

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Eichelhäher verdanken ihren Namen ihrer Lieblingsspeise.
Bild: Georg Wendt/dpa

Jedes Jahr ist Schillhansl im Auwald unterwegs und bekommt so auch die Entwicklungen mit. 2013 gab es beispielsweise ein schweres Unwetter, unzählige Bäume wurden entwurzelt, andere in der Mitte von Blitzen durchschlagen. Doch diese offenen Flächen, die durch das Unwetter geschaffen wurden, kamen einigen Vogelarten entgegen, wie dem Wendehals. Der Vogel steht in Deutschland auf der Liste der gefährdeten Tierarten. „Im Auwald ist er wieder im Kommen.“

Die Blaumeise war zwischenzeitlich sehr stark vertreten. Zeitweise brüteten 27 Paare im Auwald, im vergangenen Jahr waren es nur noch sechs. Deutschlandweit gibt es im Gebiet im und rund um den Auwald mit das größte Vorkommen an Haussperlingen, berichtet Schillhansl. Der Auwald ist ein wahres Paradies für die verschiedensten Vogelarten. „Es ist ein lichtdurchfluteter Laub- und Mischwald.“ Viele unterschiedliche Pflanzen- und Baumarten wachsen hier, auch die unterschiedlichsten Kräuter kommen hier vor.

Ameisenkolonien haben sich angesiedelt

Es gibt sumpfige und trockene Stellen. Verschiedenste Biotope sind entstanden, wie die trockenen Gebiete, die Brennen, an denen sich Ameisenkolonien angesiedelt haben. „Deshalb gibt es auch viel Futter für die Vögel.“

Die unterschiedlichen Gegebenheiten des Auwalds locken auch die unterschiedlichsten Tierarten an. „Ein Laub- und Mischwald in dieser Größe gibt es in der Region nicht mehr. Das hat natürlich einen großen Einfluss auf die Bestände der Vogelarten“, macht Schillhansl klar. „Die große Zahl an Brutvogelarten und die zum Teil sehr hohen Brutdichten sprechen für einen optimalen Lebensraum für Vögel.“

Weit verbreitet ist auch das Rotkehlchen.
Bild: Georg Wendt/dpa

Klaus Schillhansl hat jede Dokumentation der vergangenen Jahrzehnte aufbewahrt. Etwa 350000 Daten hat er in dieser Zeit gesammelt. Vieles hat sich seitdem zum Negativen entwickelt, findet der Vogelkundler. Er kritisiert beispielsweise den Landschaftsverbrauch, der in den vergangenen Jahrzehnten stark zugenommen hat. Als Positiv bezeichnet er hingegen, dass im Lauf der Jahre viele neue Gewässer entstanden sind – so hat auch die Zahl der Wasservögel stark zugenommen.

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