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Braucht es den Zoff in der Günzburger Leibistraße?

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Kommentar Von Till Hofmann
10.08.2019

Es ist ein kurioser Streit zwischen Anwohnern der Leibistraße in Günzburg und Einsatzkräften der DLRG. Er vergiftet das Klima und ist wahrlich kein Einzelfall, sondern nur ein Beispiel für eine Gesellschaft, die verlernt hat, Konflikte vernünftig zu lösen.

Im Duden wird das Wort „Aufregung“ in seinen Bedeutungsformen unterschieden.Zum einen kann damit eine heftige Gefühlsbewegung, eine Erregung gemeint sein („In Aufregung geraten“). Zum anderen wird „Aufregung“ auch so verstanden, dass Verwirrung und Durcheinander damit einher gehen („Alles war in heller Aufregung“). Und manchmal sind die Grenzen fließend.

Viel Aufregung ist zurzeit am Stadtrand von Günzburg im Spiel – genauer gesagt: in der Leibistraße. Mehrfach haben wir in dieser Woche über diese Aufgeregtheiten berichtet. Dort wollen es die wenigen Anwohner unter keinen Umständen mehr hinnehmen, dass ihr für den Durchgangsverkehr gesperrter Weg weiterhin benutzt wird, als wäre dort Ende März kein entsprechendes Verbotsschild aufgestellt worden.

Das geht soweit, dass rigoros Nummernschilder von vermeintlichen Übeltätern aufgeschrieben und bei der Polizei angezeigt werden.Gespräche, versichert eine Bewohnerin, seien sinnlos – alles schon ausprobiert. Im Mai gingen dann offenbar die Anwohner zu weit, denn auch Rettungskräfte im Einsatz – in diesem Fall die Deutsche Lebens-Rettungs-Gesellschaft – haben gleich drei Anzeigen erhalten.

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Die Sache geht aus wie das Hornberger Schießen

Unterschiedliche Angaben gibt es darüber, ob respektive welches querstehende Auto eine ehrenamtliche Mitarbeiterin dieser Organisation während ihres Einsatzes mit dem Privatwagen auf der Leibistraße behindert hat.Es ist auch müßig, das in allen Details herauszufieseln. Da dürfte Wort gegen Wort stehen – und die Sache geht aus wie das Hornberger Schießen.

Was vielen ganz offensichtlich in diesen aufgeregten Zeiten abhanden gekommen ist, das ist die Fähigkeit beziehungsweise der Wille, sich einmal in die Rolle und die Bedürfnisse des Anderen hineinzuversetzen und vernünftig miteinander zu sprechen anstatt übereinander herzuziehen.

Soviel Porzellan wie in diesem Fall und noch viel stärker in der Welt von Facebook & Co. jeden Tag zerdeppert wird, kann gar nicht hergestellt werden.

Technische Möglichkeiten ersetzen keine Streitkultur

Die sozialen Netzwerke verleihen elektronische Flügel, mit deren Hilfe man deutlich schneller als in Windeseile seine geistigen Ergüsse weltweit verbreiten kann. Das Dumme daran ist nur: Alle Nutzer haben zwar die technischen Möglichkeiten an die Hand bekommen; allerdings nicht alle die Kompetenz und die Erziehung, sich in dieser Brave New World wie in einer Zivilisation zu bewegen.

Das verleidet einem ein wenig die Kommunikation mit den vielen und nicht selten anonymen Lautsprechern im Netz, die erst auf der Tastatur losprusten und viel später nach dem Abschicken ihres Textes vielleicht mit dem (Nach-)Denken beginnen.

Egal, wie wir Nachrichten und Botschaften senden oder empfangen: Ich wünsche uns allen dabei etwas mehr Gelassenheit und Empathie – und jetzt erst einmal ein entspanntes Wochenende in der Günzburger Leibistraße und anderswo. Auf jeden Fall ganz ohne Aufregung.

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