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Landkreis Günzburg

04.10.2016

Deutsch ist bei vielen mangelhaft

Inge Kraus, Rektorin der Grundschule Röfingen, und ihre 2b. Die Schule legt besonders viel Wert auf Leseerziehung - auch weil die Lehrer beobachten, dass viele Kinder immer schlechter Deutsch sprechen.
Bild: Stefan Foag

Immer mehr Kinder können sich nicht treffend ausdrücken. Welche Ursachen Lehrer im Landkreis dafür sehen.

„Meine Nachbarin, Frau Wiegel, hat im Garten fünfzehn Igel“, liest ein Dreikäsehoch aus der ersten Reihe. „Störche, Gänse, Ente, Möwen und seit gestern einen Löwen“, setzt dessen Mitschülerin fort. Die Klasse 2b der Grundschule Röfingen ist gerade fleißig am Reimen. Unterrichtet werden sie von Inge Kraus, der Direktorin. Seit vielen Jahren ist sie an der Schule und muss feststellen, dass die Sprachkenntnisse der Kinder immer schlechter werden. Gerade deren Wortschatz hat einen immer kleineren Umfang.

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Ihre Kollegin Rosi Grotz sieht das ähnlich. „Einfache Begriffe wie Bluse sind vielen nicht mehr bekannt“, erzählt sie. Schüler seien immer seltener in der Lage, simple Gegenstände richtig zu benennen. Vieles würden sie schlicht mit „Dings“ umschreiben. Grammatikalisch richtig oder auch in ganzen Sätzen zu sprechen fällt einem großen Teil schwer, sagt auch Guntram Jaskolka, ebenfalls Lehrer in Röfingen. Gleichzeitig sei die Anzahl der Kinder, die logopädisch betreut werden, deutlich gestiegen. Die Ursache für all das sehen die drei unter anderem in der Reizüberflutung durch die allgegenwärtigen Medien. Diese tragen dazu bei, dass der Alltag der Kinder immer hektischer wird und auf eine genaue Ausdrucksweise weniger geachtet wird. „Die Kindersendungen haben beispielsweise immer kürzere Schnitte, um mehr Action zu erzeugen. Doch die Sprache muss darunter leiden“, meint Jaskolka. Astrid Thum aus Kleinanhausen sieht das genauso.

Was ihr Sohn, der in die zweite Klasse geht, im Fernsehen sieht, habe immer seltener eine richtige Handlung. Als Lehrerin am St.-Thomas-Gymnasium in Wettenhausen kennt sie die Folgen. Unter den Aufsätzen der Fünftklässler findet sie immer seltener gute Erzählungen mit richtigen Beschreibungen. Ausrufe wie „Aaaah“ und „Oooh“ werden immer häufiger verwendet. Selbst in der Oberstufe hätten Schüler immer mehr Schwierigkeiten, kompliziertere Sachverhalte treffend zu umschreiben. Thum sieht das Problem allerdings nicht nur in den Neuen Medien. „Tageszeitungen sind zum Beispiel auch in der Verantwortung, ein gutes sprachliches Niveau zu gewährleisten“, sagt sie.

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Evelyn Schier vom Schulamt Günzburg erklärt, dass etwa ein Drittel aller Grundschüler mehrsprachig aufwachsen. Oft sind damit grammatikalische Unsicherheiten verbunden. Dennoch hebt sie dabei die Spracherweiterung als positiven Aspekt hervor. Wichtig sei es, die zweite Sprache der Kinder als Schatz zu sehen und eine Bewusstheit hierfür zu schaffen. Jeder sollte beispielsweise „Guten Morgen“ sagen dürfen, wie es ihm am liebsten ist. Aufgabe der Lehrer sei es auch, den Schülern einen differenzierten Umgang mit Deutsch zu vermitteln. Die Wortschatzförderung müsse mit vielen verschiedenen Übungen vorangetrieben werden.

In der Grundschule Röfingen wird hierfür viel getan. „Gerade auf die Leseerziehung legen wir viel wert“, sagt Inge Kraus. Diese sei in den letzten Jahren deutlich vielfältiger geworden. Es gibt unter anderem eine kleine Bibliothek, in der die Kinder Zeit bekommen, nach eigenem Interesse Texte zu wählen und sich mit diesen zu beschäftigen. Da die Eltern aber immer die einflussreichsten Sprachvorbilder seien, wünscht sich Kraus, dass diese mehr auf eine saubere Ausdrucksweise achten. Die Väter und Mütter würden sich viel mit ihren Kindern beschäftigen, jedoch diesen Aspekt nicht immer berücksichtigen.

„Morgen Abend sollen sie hier landen, zwei dressierte Elefanten“, setzen die Zweitklässler freudig ihr Gedicht fort. Sollten sie immer so motiviert arbeiten, muss man sich über ihr Deutsch keine Gedanken machen.

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