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Thannhausen/Leipheim

27.02.2020

Diebin dringt in Pfarrhäuser ein: Jetzt wird sie verurteilt

In Thannhausen hebelten die Täter ein Fenster des Pfarrhauses auf.
Bild: Alexander Kaya (Symbolbild)

Plus Die Italienerin gesteht im Gericht in Günzburg die Taten in Thannhausen und Leipheim. Zumindest in einem Fall hatte sie offenbar leichtes Spiel.

Die Taten liegen schon etwas zurück. Doch durch Treffer beim Spurenabgleich in einem anderen Fall kamen die Ermittler auf eine Frau, heute 31 Jahre alt, aus Meran in Italien. Es geht um zwei Diebstähle in Pfarrhäusern in Thannhausen und Leipheim , was sie jetzt während der Verhandlung im Amtsgericht Günzburg auch einräumte. In einem Fall „machte die Gelegenheit Diebe“, wie es ihre Verteidigerin ausdrückte, im anderen mussten sich die Täter mit Gewalt Zutritt verschaffen.

Die Staatsanwaltschaft legt der Frau zur Last, dass sie im August 2018 in die Räume der evangelisch-lutherischen Kirchengemeinde in Thannhausen eingedrungen war, indem sie mit zwei Komplizen ein Fenster aufhebelte. Aus einem verschlossenen Schrank wurden demnach ein Möbeltresor mit 460 Euro, eine Geldkassette sowie Amtsbücher und Siegel gestohlen. Bereits im November 2016 gelangte die Frau alleine in die unverschlossenen Räume des Pfarrhauses in Leipheim. Dort nahm sie fast 1000 Euro mit.

Die Angeklagte räumt die Vorwürfe im Amtsgericht Günzburg ein

Zunächst äußerte sich die Angeklagte nur über ihre Pflichtverteidigerin Cornelia McCready. Diese sagte, ihre Mandantin schäme sich sehr und räume alle Vorwürfe ein. Sie habe sich damals in einer schwierigen Lage befunden, sich aber inzwischen stabilisiert und alles weitgehend verdrängt, sodass sie auch nicht mehr dazu sagen könne. Jedenfalls habe die Angeklagte die beiden Mittäter wenige Tage vor der Tat in Thannhausen in einem Bistro in München kennengelernt und sich mit ihnen angefreundet. Ihre Nachnamen kenne sie nicht, es seien wohl Cousin und Cousine gewesen.

Diebin dringt in Pfarrhäuser ein: Jetzt wird sie verurteilt

Nach dem Einbruch habe sie sich von ihnen distanziert und den Kontakt abgebrochen. 2016 sei sie ohne festen Wohnsitz und ohne Arbeit gewesen, sie habe betteln müssen, vor allem bei Pfarrhäusern und Klöstern habe sie sich gemeldet. Jetzt lebe sie wieder in Meran , habe zwei Kinder und einen festen Partner, zudem arbeite sie als Haushaltshilfe für Senioren. Mit der vorherigen Phase ihres Lebens habe sie deshalb abgeschlossen.

Statt des Pfarrers wird ein Polizist zur Verhandlung geladen

Neben der Pfarrsekretärin aus Thannhausen sagten eine Kriminalbeamtin und eine Polizistin aus Günzburg als Zeugen aus. Letztere berichtete, dass der Leipheimer Pfarrer – er war versehentlich nicht geladen worden, dafür ein namensgleicher Polizist, der mit dem Fall aber kaum etwas zu tun hatte – damals gegen Mittag das Pfarrhaus verlassen hatte und gegen Abend zurückgekommen sei. Der Seiteneingang war demnach von innen verriegelt. Die Türe, die von außen mit einem Drehknauf geöffnet werden könne, habe der Geistliche beim Verlassen des Hauses nur ins Schloss gezogen.

Am Tatort seien DNA-Spuren und Fingerabdrücke gesichert worden, hier gab es demnach einen Treffer beim Abgleich in einem anderen Fall. Im Bundeszentralregister gibt es zu der Frau nur einen Eintrag, wie Richterin Jessica Huk vorlas, dabei geht es um die Ermittlung des Aufenthaltsortes. Auf Nachfrage unserer Zeitung erläutert Gerichtsdirektor Walter Henle , dass eine Fingerabdruckspur am Tatort in Leipheim zu der Frau passte, die österreichische Polizei hatte sie erkennungsdienstlich behandelt. Das Gericht hatte für die Verhandlung das Bundeszentralregister und das italienische Pendant abgefragt, zu einer Tat in Österreich lagen daher keine Erkenntnisse vor.

Mit von Tränen erstickter Stimme entschuldigt sie sich

Die Staatsanwältin forderte eine Haftstrafe von elf Monaten auf Bewährung, zudem eine Geldauflage von 500 Euro und den Einzug eines Wertersatzes der Beute von gut 1400 Euro. Außerdem müsse die Angeklagte jeden Wohnsitzwechsel während der dreijährigen Bewährungszeit melden. Die Verteidigerin hielt sieben Monate auf Bewährung für angemessen, 300 Euro als Geldauflage und 1400 Euro Wertersatz. Ihre Mandantin lebe von der Grundsicherung und habe Kinder, die sollten nicht mitleiden. Auch sei sie in Thannhausen nur eine Mitläuferin gewesen.

Nachdem sich die Angeklagte mit von Tränen erstickter Stimme erneut entschuldigt hatte – ein Dolmetscher übersetzte für sie, – verhängte Richterin Huk eine zehnmonatige Haftstrafe auf Bewährung und folgte bis auf eine Geldauflage von 300 Euro dem Antrag der Staatsanwältin. Allein für die Tat in Thannhausen wären es neun Monate, für die in Leipheim eine Geldstrafe. Das Geständnis, die Reue und dass die Frau sich dem Verfahren stellt, wertete die Richterin positiv, ebenso die Sozialprognose, ihre festen Verhältnisse und das Arbeitseinkommen. Doch es sei ein erheblicher Schaden entstanden. Das Urteil ist bereits rechtskräftig.

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