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Landkreis Günzburg

01.05.2020

Dramatischer Anstieg: Fast jeder dritte Betrieb in Kurzarbeit

Die Zahl der Arbeitslosen ist im Landkreis Günzburg im April stark gestiegen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Mehr als 16.000 Beschäftigte im Landkreis Günzburg sind davon betroffen. Auch die Zahl der Arbeitslosen steigt drastisch.

Im Landkreis Günzburg ist die Arbeitslosigkeit im Vergleich zum Vormonat gestiegen. Die Arbeitslosenquote liegt aktuell bei 2,4 Prozent und damit 0,2 Prozentpunkte über dem Wert des Vormonats. Im Vergleich zum Vorjahreswert ist sie sogar um 0,7 Prozentpunkte gestiegen.

„Die Corona-Pandemie mit all ihren negativen Auswirkungen auf weite Teile der Wirtschaft hinterlässt deutliche Spuren auf dem Arbeitsmarkt und bildet sich jetzt auch in den Arbeitslosenzahlen ab. Zu Ende März hatten wir diesbezüglich noch keine aussagekräftigen Daten, da der statistische Stichtag vor den angeordneten Schutzmaßnahmen lag. Dies hat sich jetzt geändert“, erklärt Richard Paul, Leiter der Donauwörther Arbeitsagentur. Aktuell sind 1783 Menschen ohne Arbeit, das sind 172 mehr als vor einem Monat. Dies entspricht einer Steigerung um 10,7 Prozent. Vor einem Jahr waren „nur“ 1237 Personen arbeitslos, das sind 44,1 Prozent weniger gewesen als 2020. „Von der üblichen Frühjahrsbelebung ist dieses Jahr nichts zu spüren“, sagt Paul.

690 Menschen haben sich im Landkreis Günzburg im April neu arbeitslos gemeldet

Im Monat April haben sich 690 Menschen neu arbeitslos gemeldet, 361 davon kamen aus einer Erwerbstätigkeit. Im Gegenzug beendeten 522 Personen die Arbeitslosigkeit, davon nahmen 322 eine Beschäftigung auf. Von den 1783 arbeitslos gemeldeten Menschen waren 1343 bei der Arbeitsagentur und 440 im Jobcenter Günzburg gemeldet – das entspricht einem Plus von 131 beziehungsweise 41 im Vergleich zum Vormonat.

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Agenturchef Paul berichtet weiter: „Die Kurzarbeit stabilisiert die Beschäftigung in großem Ausmaß. Das Thema Kurzarbeit hat in den letzten Wochen unseren Arbeitsalltag beherrscht. Bis zum Anfang dieser Woche haben im Landkreis Günzburg 1104 Betriebe für 16490 Arbeitnehmer Kurzarbeit angemeldet und es gehen auch weiterhin Anzeigen ein, die Kurve flacht aber deutlich ab.“ Fast ein Drittel aller 3425 Betriebe im Landkreis Günzburg hat nach Angaben der Gewerkschaft Nahrung-Genuss-Gaststätten (NGG) damit Kurzarbeit beantragt. Zu Beginn der Corona-Krise waren es lediglich 17 Firmen. „Es ist an der Zeit, dass die Politik jetzt überlegt, wie die Branche wieder langsam anlaufen kann. Aber der Gesundheitsschutz für Beschäftigte und Gäste muss an oberster Stelle stehen“, sagt Tim Lubecki von der NGG-Region Schwaben.

Kleine Hotels und Gaststätten kämpfen im Kreis Günzburg ums Überleben

Besonders betroffen ist neben der Metallverarbeitung und dem Einzelhandel das Gastgewerbe. „Die Branche liegt seit Wochen weitgehend brach. Gerade kleinere Hotels und Gaststätten kämpfen ums Überleben. Es ist gut, dass die Bundesregierung ein riesiges Rettungspaket für die Unternehmen geschnürt hat. Aber für die Beschäftigten kommt die beschlossene Erhöhung des Kurzarbeitergeldes zu spät“, sagt Lubecki. So steigt das Lohnausfallgeld nach sieben Monaten Kurzarbeit auf 80 Prozent, für Eltern auf 87 Prozent des Netto-Einkommens. Für Köche, Kellner und Hotelangestellte sei das eine enorme Durststrecke. „Vielen wird nur der Gang zum Sozialamt oder zum Job-Center bleiben“, warnt Lubecki. Eine Mitverantwortung für die Lage trage seiner Meinung nach auch der Deutsche Hotel- und Gaststättenverband Dehoga: Anders als etwa in der Systemgastronomie weigerten sich die Arbeitgeber bis heute, das Kurzarbeitergeld per Tarifvertrag aufzustocken, so Lubecki.

Die Bearbeitung der Anträge auf Kurzarbeit und in der Folge die Auszahlung der Leistungen haben für die Agentur für Arbeit oberste Priorität. Durch eine massive Umsetzung von Personal in diesen Bereich konnte die Masse der in den vergangenen Wochen eingegangenen Anzeigen abgearbeitet werden. Aktuell ist wieder eine zeitnahe Erteilung des Grundsatzbescheides möglich. Der Schwerpunkt der Bearbeitung hat sich jetzt auf die monatliche Zahlbarmachung des Kurzarbeitergeldes verlagert. „Dies funktioniert leider nicht immer so schnell, wie wir das gerne bewerkstelligen würden, da viele Betriebe die erforderlichen Antragsunterlagen nicht vollständig einreichen. Das führt zu Rückfragen und Mehraufwand sowohl bei uns als auch im Betrieb und verzögert so die Auszahlung der Leistungen. Deshalb appelliere ich an die Unternehmen, nur komplett ausgefüllte Anträge mit den erforderlichen Unterlagen einzureichen“, sagt Richard Paul.

Kaum neue Arbeitsstellen im Landkreis Günzburg

Die Corona-Krise führt aktuell zu einer deutlich sinkenden Nachfrage nach Arbeitskräften. So wurden im April lediglich 120 neue Arbeitsstellen gemeldet. Das bedeutet einen massiven Rückgang um etwa 81 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Auch der Stellenbestand ist im Vergleich zum vergangenen Jahr rückläufig. Aktuell sind 1069 offene Arbeitsstellen gemeldet, das ist ein Minus von 43,4 Prozent zum Vorjahr.

In einigen Branchen wird in der aktuellen Situation dringend Personal benötigt. Diese Stellenangebote wurden in der Jobbörse bundesweit mit der Markierung „Stellenangebote zur Unterstützung in der Corona-Krise“ gekennzeichnet. Dadurch sind diese Beschäftigungsmöglichkeiten leicht zu filtern und die Betriebe kommen so schneller an ihre Arbeitskräfte. (mili, zg)

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