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Historie

09.05.2015

Eine Ausstellung gegen das Vergessen

Auf einer Flurkarte aus dem Jahr 1937 hat Karl Mayer Stellungen der amerikanischen Panzer und Anwesen markiert, die den Flammen zum Opfer fielen.
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Auf einer Flurkarte aus dem Jahr 1937 hat Karl Mayer Stellungen der amerikanischen Panzer und Anwesen markiert, die den Flammen zum Opfer fielen.

Im Rettenbacher Heimatmuseum entsteht eine Sonderausstellung. Sie will an die Schrecken der letzten Tage des Zweiten Weltkriegs erinnern. Und davon gab es viele

Der 8. Mai 1945: Kriegsende in Europa. Gerade einmal zwei Wochen vorher in den letzten Tagen des Krieges, am 25. April, brach eine Katastrophe über Rettenbach herein, die sich nun ebenfalls zum 70. Mal jährt. Eine Ausstellung im Rettenbacher Heimatmuseum widmet sich bald auch diesem Thema.

Am Abend vor dem 25. April und auch in der Nacht waren deutsche Truppen von Günzburg her kommend durch den Ort marschiert und hatten am östlichen und südlichen Rand Schanzgräben ausgehoben. Gleichzeitig waren amerikanische Panzer über die Donau vorgedrungen. Von Mindelaltheim aus kommend hatten sie anschließend rund um die Gemeinde Stellung bezogen.

Rettenbach war eingekesselt. Die Panzersperre aus Bauernwagen an der Kammelbrücke in Remshart hatte sie nicht aufhalten können. 16 Anwesen in Rettenbach sowie weitere sechs in Harthausen fielen damals den Panzergranaten zum Opfer und brannten teilweise bis auf die Grundmauern nieder. Einzig Remshart war relativ verschont geblieben. Bei Nahkämpfen verloren 17 deutsche Soldaten ihr Leben und fanden in einem Grab auf dem Rettenbacher Friedhof ihre letzte Ruhe.

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Mit den beiden Rettenbacherinnen Hannelore Jünger und Tanja Müller ist Karl Mayer aus Harthausen seit Anfang des Jahres mit den Vorbereitungen für die Ausstellung beschäftigt, und das mindestens an einem Vormittag in der Woche. Auf einem Flurplan aus dem Jahr 1937 an einer der Schautafeln sind die Stellungen der amerikanischen Panzer rund um Rettenbach markiert.

Die Anwesen, die durch das Panzerfeuer ein Raub der Flammen wurden, sind rot gekennzeichnet. Daneben hängen zahlreiche Zeitungsberichte, die von den Schrecken der damaligen Tage erzählen, etwa von vergeblichen Versuchen eines Rettenbachers, die deutschen MG-Posten von der Sinnlosigkeit ihres Handelns zu überzeugen. „Sie wurden wie Hasen zu Tode gejagt“, heißt es in einer der Überschriften.

Viele Dinge, die von dem Grauen nicht nur aus diesen Tagen zeugen, haben Bürger aus Rettenbach sowie den Ortsteilen Harthausen und Remshart Karl Mayer für die Ausstellung zur Verfügung gestellt. Darunter finden sich auch Bilder und Gedenktafeln gefallener Angehöriger. Allein in Rettenbach waren während des Zweiten Weltkriegs 69 Gefallene und Vermisste zu beklagen. In den Ortsteilen Harthausen seien es zwölf und in Remshart 15 gewesen, erzählt Mayer. Vor Kurzem haben Hannelore Jünger und Tanja Müller die extra von der Gemeinde Rettenbach angeschafften Vitrinen sorgfältig bestückt. Darin befinden sich nun Gegenstände und Relikte von damals, aber auch Dokumente wie Soldbücher und Ahnenpässe – alles Originale.

Seit es das Heimatmuseum gibt, hat sich Karl Mayer, der sich auch unter anderem mit der Ahnenforschung und den vielen Feldkreuzen rund um die Gemeinde Rettenbach befasst, ihm ganz verschrieben. „Man arbeitet sich hinein“, wie er sagt – und das zusammen mit seinen beiden „rechten Händen“ Hannelore Jünger und Tanja Müller.

Zum Museumstag am Sonntag, 17. Mai, wird die Ausstellung mit dem Titel „70 Jahre Kriegsende in Rettenbach“ im Heimatmuseum von 14 bis 18 Uhr erstmals für die Öffentlichkeit zu besichtigen sein. Der Eintritt ist frei, Spenden sind aber willkommen.

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