Burgau

17.04.2018

Ente gut, alles gut

Lassen Sie jetzt die Ente zu Wasser oder nicht? Marion Wessely (links) und Vera Hupfauer als Loriots ikonische Herren Müller-Lüdenscheid und Dr. Klöbner in der Badewanne.
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Lassen Sie jetzt die Ente zu Wasser oder nicht? Marion Wessely (links) und Vera Hupfauer als Loriots ikonische Herren Müller-Lüdenscheid und Dr. Klöbner in der Badewanne.
Bild: Rebekka Jakob

Der Loriot-Abend im Neuen Theater Burgau ist hinreißend komisch – eben weil er nicht versucht, das Original zu kopieren.

Für den Herrn, für die Dame, für das Kind, gell? So ein Familienbenutzer, der ist schon eine tolle Sache. Da ist einfach für jeden was dabei, eben „ein Geschenk, das Freude macht“. So eine Art Familienbenutzer hat das Neue Theater Burgau seit Samstag auch zu bieten: „Bitte sagen Sie jetzt nichts“, einen Loriot-Abend, der einfach allen Spaß macht: Den Kennern der Sketche genauso wie Jugendlichen, welche die Komik von Badeente und kaputtem Fernseher erst entdecken. Und erst recht dem Ensemble auf und hinter der Bühne.

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Loriot zu spielen, das klingt auf den ersten Blick wie eine ganz sichere Nummer – schließlich gehören die Sketche und Figuren, die Vicco von Bülow geschaffen hat, zum Lustigsten, das Deutschland in seiner Geschichte hervorgebracht hat. Entsprechend voll wurde das Neue Theater ja auch schon zur ausverkauften Premiere.

Leicht ist es allerdings überhaupt nicht – denn die Mimik der Figuren, die Sprechweise der Akteure in berühmten Szenen wie dem „Lottogewinner“ haben die meisten Zuschauer im Kopf. Genauso wie das ikonische Plüschsofa, auf dem Loriot und manchmal auch seine kongeniale Bühnenpartnerin Evelyn Hamann Platz nahmen. Eine Kopie auf der Bühne kann nur scheitern – allein die schon sprichwörtliche Präzision des Großmeisters Loriot ist live niemals zu erreichen.

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So ein Abend wie „Bitte sagen Sie jetzt nichts“ könnte also auch gut und gerne schief gehen. Wie wunderbar, dass das Ensemble des Neuen Theaters Burgau das mit dem Kopieren erst gar nicht versucht hat – und sich gerade damit Loriots als würdig erwiesen hat.

Furchtlos stürzt sich Vera Hupf-auer, die zugleich mit Dörte Trauzeddel Regie führt, zu Beginn des Abends in den allerschwersten Beitrag: Evelyn Hamanns zungenbrecherische Nummer als Ansagerin, die mit dem 16-teiligen englischen Fernsehkrimi „Die zwei Cousinen“ und den Feinheiten der Aussprache von „North Cothelstone Hall“, „Lord und Lady Hesketh-Fortescue“ und nicht zu vergessen „Priscilla Molesworth in Middle Fritham“ zu kämpfen hat. Und dann dieser Schlips!

Marion Wessely, Vera Hupfauer, Olaf Ude und Wolfgang Eichelmann nutzen Loriots Text, machen aber darstellerisch daraus einfach ihr eigenes Ding. Am deutlichsten wird das bei Loriots wohl berühmtester Szene mit den beiden Herren Müller-Lüdenscheid und Doktor Klöbner in der Badewanne und der Frage, ob die Ente zu Wasser gelassen werden darf. Denn in der Wanne nehmen mitnichten die beiden männlichen Darsteller Platz – sondern Marion Wessely und Vera Hupfauer. Und sie sind unter ihren angeklebten Bärten einfach nur hinreißend komisch: Ente gut – alles gut! Ein weiterer genialer Kunstgriff ist das Bühnenbild: Es kreiert schlicht die bekannte, gezeichnete Loriot-Welt in kühlem Schwarz-weiß. Samt der Knollennasenmännchen. Die werden in der Premiere zu heimlichen Publikumslieblingen, wenn Bettina Schulz und Eva Schürßner sie über die Bühne tänzeln lassen, während sie die Szenerie für den nächsten Sketch verändern. Genial!

Und dann gibt es noch diesen Moment in der Premiere, in dem die Darsteller einfach von der unfassbaren Sprach- und Situationskomik Vicco von Bülows übermannt werden. „Es wird in keinem meiner Filme irgendwo gelacht, nirgendwo. Lachen sollen die Zuschauer“, hatte er einmal gesagt. Aber wenn Frau Grötzmann ihrem Schwager den Blinddarm rausnimmt, ist es eben irgendwann mit der Contenance des erfahrensten Schauspielers vorbei und die Darsteller lachen sich einfach kurz mal gemeinsam mit dem Publikum kaputt.

Hat also gut funktioniert mit dem Familienbenutzer a la Loriot im Neuen Theater. Für den Herrn, für die Dame, für das Kind, gell?

Weitere Aufführungen von „Bitte sagen Sie jetzt nichts“ sind am Sonntag, 22. April (18 Uhr) sowie am 28. April, 4. und 5. Mai, 8., 9., 21., 22. und 29. Juni jeweils 20 Uhr. Informationen, Spielplan und Tickets im Internet und am Kartentelefon 0172/47 22 204.

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