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Oberwaldbach

06.07.2019

Feuerwehrleute gehen in Burtenbach bei 900 Grad durch die Hölle

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Dichter Qualm zieht über die Teilnehmer hinweg, während sie am Boden kauern. Im Inneren des Brandschutzcontainers in Burtenbach herrschen nun Temperaturen von rund 900 Grad.
Bild: Peter Wieser

64 Atemschutzgeräteträger verschiedener Feuerwehren haben in Burtenbach in einem Brandschutzcontainer den Ernstfall trainiert. Dort sind sie Feuer, Qualm und extremer Hitze ausgesetzt.

Wie fühlt es sich an, wenn man bei rund 900 Grad Hitze in einem verschlossenen Container Feuer und Rauch ausgesetzt ist? Diese Erfahrung haben in den vergangenen Tagen 64 Atemschutzgeräteträger von zwölf Freiwilligen Feuerwehren rund um Burtenbach gemacht. Unter extremen Bedingungen haben sie dort in einem Brandschutzcontainer den Ernstfall trainiert. Einmal mehr hatten Aktive Urlaub und Freizeit geopfert.

Im vergangenen Herbst hatte sich die Burtenbacher Wehr beim Landesfeuerwehrverband Bayern um einen solchen Container beworben, eine knappe Woche stand er nun auf dem Parkplatz beim Sportplatz neben der Burggrafenhalle. Initiiert hatte dies der Zweite Kommandant Florian Dolde. Ihm sei es wichtig gewesen, dass die Aktiven einmal so richtig die Hitze spüren.

So entwickeln sich Feuer und Rauch

„Man hat die nicht alltägliche Möglichkeit, vom Anfang bis zum Ende zu beobachten, wie sich Feuer und Rauch entwickeln.“ Allein von der Burtenbacher Wehr waren 24 Atemschutzgeräteträger dabei. Das Projekt, wie es in Burtenbach stattfand, wird vom Landesfeuerwehrverband organisatorisch begleitet, die Ausbildung führt die Firma Dräger Safety AG durch. Finanziert wird es vom Bayerischen Innenministerium.

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Bei 900 Grad durch die Hölle
Bild: Peter Wieser

Und wie läuft das ab? Pro Übungsdurchgang sind es acht Atemschutzgeräteträger. Zunächst werden sie in einer theoretischen Einweisung im Feuerwehrgerätehaus auf das vorbereitet, was auf sie zukommt und worauf es letztlich ankommt. Auch um das Brandverhalten der verschiedenen Stoffe geht es oder darum, wo sich bei der Einsatzkleidung die Grenzen zeigen. Im Anschluss geht es zu dem feuerwehrroten Brandschutzcontainer beim Sportplatz. Im Inneren herrschen immer noch Temperaturen von rund 100 Grad vom Übungsdurchgang zuvor und die Luft flimmert. Aufgrund der beim Betreten umherwirbelnden Rauch- und Aschepartikel ist das Tragen eines Mundschutzes Pflicht.

Ausbilder Burkhard Steg erklärt noch einmal den Ablauf. Dann werden im vorderen Teil des Containers Spanplatten aneinander geschichtet, einige werden an den Wänden befestigt. Anschließend werden die Atemschutzgeräte angelegt. Ein Poncho wird zusätzlich vor der kommenden Hitze schützen. Für den Fall, dass plötzlich ein technisches oder gesundheitliches Problem auftritt, ist der Container mit entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen wie einer Sprinklerglocke und einer haushaltsüblichen Klinkentür ausgestattet. Den verschlossenen Container zu verlassen wäre ansonsten nicht möglich.

Auf den Ernstfall vorbereiten

„Es wird spektakulär werden, denkt daran, dass ihr mitten drinsitzt“, wendet sich Steg noch einmal an die Teilnehmer, bevor sie in den Container steigen und er die Spanplatten entzündet. „Es ist wichtig, die Bilder einschätzen zu können, um im Ernstfall vorbereitet zu sein“, fügt er hinzu und meint damit die verschiedenen Phasen: die ersten Flammenbilder, das Ausgasen, das Verrauchen und das Entrauchen, wie auch das Verhalten des Brandherds, bevor jeweils ein kurzer Löschangriff gestartet wird.

Dichter Qualm entweicht inzwischen aus den Ritzen der Containertüren. Es wird das Öffnen eines Fensters oder einer Tür simuliert und damit, bedingt durch die plötzliche Sauerstoffzufuhr, ein Durchzünden der Rauchgase herbeigeführt. Die Teilnehmer kauern währenddessen am Boden.

Es berge zwar Risiken, aber bisher sei alles unfallfrei abgelaufen, erklärt Sebastian Kaus von der Dräger Academy, der mit Leiterin Sonja Fischbach extra aus Lübeck angereist ist, um sich ein Bild zu machen. Er hat das Projekt in Bayern zusammen mit dem Landesfeuerwehrverband entwickelt. Beginnend 2015 und auf vier Jahre angelegt, konnten zunächst gut 7200 Atemschutzgeräteträger geschult werden. Mit der Verlängerung bis 2021 sollen es noch weitere knapp 5000 sein.

Wie kommt man aus der Schutzkleidung, ohne sich zu verbrennen?

Inzwischen ist die Übung beendet und die Teilnehmer steigen aus dem Container, verschwitzt und mit roten Gesichtern. Während sie auf dem Sportplatz im Kreis zusammensitzen, erklärt Burghard Steg, wie man sich der noch heißen Schutzkleidung entledigt, ohne sich zu verbrennen. Wie fühlt man sich nach so einer Übung? Man müsse so etwas erleben, um es auch umsetzen zu können, sagt Martin Saumweber von der Feuerwehr Kemnat. „Man kann genau verfolgen, wie der Rauch durchzündet“, fügt Alexander Baraldo von der Feuerwehr Burgau hinzu. Man habe einen super „Guide“ gehabt, also jemanden, der sich um alles kümmert.

Und was sagt der „Guide“, der mehrmals täglich in einen 900 Grad heißen Container steigt, dazu? „Es macht tatsächlich Spaß. Andere gehen zum Schwitzen ins Fitnessstudio, ich geh’ halt a bissale in den Container“, verrät der Berufsfeuerwehrmann aus dem Landkreis Schweinfurt in schönstem Fränkisch. Kreisbrandrat Robert Spiller war ebenfalls vor Ort. „Es ist wichtig, dass es solche Ausbildungen gibt.“ Bedingt durch neue Baustoffe und -materialen, bei denen sich vermehrt Hitze und Rauch in Räumen stauen könne, sollte ein Atemschutzgeräteträger eine solche mitgemacht haben.

Im Landkreis Günzburg gibt es bald einen neuen Kreisbrandrat. Mehr über ihn erfahren Sie hier: Stefan Müller ist der künftige Kreisbrandrat

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