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Günzburg

05.08.2020

Gerichtsverhandlung: Geburtstagsparty endet fast im Gefängnis

Der Sturz von einem Balkon hatte ein juristisches Nachspiel.
Bild: B. Liss (Symbol)

Plus Ein 30-Jähriger fällt zuerst im Suff von einem Balkon und legt sich dann mit der Polizei an. Jetzt stand der bereits vorbestrafte Mann vor Gericht.

Wenn es schiefgeht, dann schon richtig: Die Geburtstagsparty eines 30-Jährigen lief völlig aus dem Ruder. Zuerst fiel der Jubilar im Alkoholrausch vom Balkon, dann legte er sich mit vier Polizeibeamten an. Wegen Widerstands, Körperverletzung und Beleidigung wäre der Mann aus dem südlichen Landkreis jetzt fast ins Gefängnis gewandert.

Vier Monate nach dem Ausraster gab der Hilfsarbeiter vor dem Amtsgericht Günzburg den reuigen Sünder. „Wie der Geburtstag ablief, war so gar nicht vorgesehen“, sagte der 30-Jährige, „ich weiß davon nichts mehr“.

Angeklagter weiß nicht mehr viel - er hatte 1,7 Promille im Blut

Was sich am 20. März dieses Jahres in dem Dorf bei Krumbach abspielte, ist laut Staatsanwaltschaft nicht von Pappe und könnte fast als eine Art Slapstick-Komödie durchgehen, wären die Folgen nicht so gravierend. „Mir tut’s von Herzen leid, dass es so weit gekommen ist“, sagte der bullig wirkende Angeklagte. Er müsse an dem Tag „gut gebechert“ haben, stellte Richterin Jessica Huk fest, denn immerhin hatte der Blutalkoholtest 1,7 Promille ergeben. „Vor allem Schnaps, aber wie viel weiß ich nicht mehr.“ Seine Erinnerung sei, dass seine damalige Ehefrau, von der er inzwischen getrennt lebt, die Balkontür aufgemacht habe und später die Polizei da war.

Wie es dazu kam, dass der Mann an dem Geburtstagsabend aus dem ersten Stockwerk abstürzte, blieb in der Verhandlung unklar.

Jedenfalls wurde die Polizei alarmiert, zwei Streifenwagen der Krumbacher Inspektion rückten an. Die zwei zuerst eintreffenden Beamten wollten den Verunglückten zur Untersuchung ins Krankenhaus bringen lassen. Das passte dem Angeklagten überhaupt nicht, er reagierte sofort aggressiv, wie die Beamten übereinstimmend als Zeugen aussagten. Der nur mit Arbeitshose bekleidete Mann wirkte erheblich alkoholisiert und wollte weiter trinken. Mit seinem Schlagstock drückte einer der Polizisten den Tobenden weg, der „die Faust ballte, als ob er zuschlagen wollte“. Erst nach Schlagstock-Gebrauch und Gerangel wurde der 30-Jährige am Boden fixiert, ihm wurden Handfesseln angelegt.

Der Mann wollte sich nicht untersuchen lassen und rastete mehrmals aus

Erkennbare Verletzungen durch den Balkonsturz habe der Mann nicht aufgewiesen. Er wolle sich untersuchen lassen, wenn ihm die Handfesseln abgenommen werde, sagte der Polizist. Als dem Angeklagten die Untersuchung im Krankenhaus eröffnet wurde, rastete der erneut aus und wehrte sich. Wieder musste er fixiert werden, was der Angeklagte mit wüsten Beschimpfungen der Beamten quittierte: Beim Gerangel erlitt zudem ein Kollege eine Handverletzung, die ihn eine Woche dienstunfähig machte.

Bei allen vier Polizisten, die als Zeugen auftraten, entschuldigte sich der Angeklagte: „Ich wollte nicht, dass es so weit kommt.“ An den verletzten Polizisten wurden bereits 1000 Euro Schmerzensgeld gezahlt, einem Kollegen für dessen zu Bruch gegangene Armbanduhr 200 Euro überwiesen. Unabhängig davon kommen auf den Angeklagten wohl weitere finanzielle Folgen durch Behandlungskosten zu. Trotz seines reumütigen Verhaltens und der Schadenswiedergutmachung wäre der 30-Jährige im Gefängnis gelandet, wenn es nach der Staatsanwältin gegangen wäre, die eine siebenmonatige Haftstrafe ohne Bewährung forderte. Denn der Hilfsarbeiter hat in der Vergangenheit schon häufiger Ärger mit der Justiz, wie 14 Einträge im Bundeszentralregister zeigen, die von Fahren ohne Führerschein, Diebstahl, Betrug bis zur Beleidigung reichen und ihm bereits Haftstrafen einbrachten.

Angeklagter bekommt Bewährung und eine Geldstrafe

Derzeit hat er aber eine unbefristete Arbeitsstelle und verdient monatlich circa 1500 Euro. Ihr Mandant sei wegen des Alkohols völlig enthemmt und aggressiv gewesen, der letzte Gefängnisaufenthalt habe wohl noch nachgewirkt, sagte seine Anwältin Julia Dümmler (Krumbach), die auf Bewährung plädierte. Richterin Huk folgte im Urteil diesem Antrag, das auf sieben Monate Freiheitsstrafe lautete mit vier Jahren Bewährungszeit. Außerdem muss der Angeklagte eine Geldauflage in Höhe von 3000 Euro zahlen und ein Antiaggressionstraining absolvieren. „Während der Woche trinke ich nichts mehr, nur am Wochenende noch so drei bis fünf Bier“, versicherte der 30-Jährige, der sein Leben jetzt in den Griff bekommen will.

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