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Günzburg

20.10.2017

Günzburg hat ein „vorbildliches“ Amtsgericht

Vor dem Günzburger Amtsgericht musste sich ein Mann für Taten verantworten, die viele Jahre zurück liegen.
Bild: Bernhard Weizenegger

Das Gericht in Günzburg ist nicht nur barrierefrei, es tut auch etwas für seine Mitarbeiter. Das lobt auch der zweite Mann nach dem Minister.

Frank Arloth ist viel unterwegs. Der Amtschef des Bayerischen Justizministeriums hat es sich zur Aufgabe gemacht, alle Behörden in seinem Geschäftsbereich zu besuchen. Darunter sind allein 73 Amtsgerichte. Nun hat er auch in Günzburg vorbeigeschaut und ein Geschenk mitgebracht: das Zertifikat „ Bayern barrierefrei“.

Der erst im vergangenen Jahr neu eröffnete Gerichtsbau an der Ichenhauser Straße ist aktuell nicht nur das vielleicht modernste Gerichtsgebäude in Deutschland, wie Arloth mutmaßt. Es ist auch bis ins Detail barrierefrei geplant worden. Sehbehinderte Menschen bekommen vom Aufzug das Stockwerk angesagt, die Handläufe der Treppen sind mit Blindenschrift markiert. Hörbehinderte können sich in den Sitzungssälen mit ihren Hörgeräten in sogenannte Induktionsschleifen einwählen, um Prozesse besser verfolgen zu können. Außerdem gibt es eine behindertegerechte Toilette. Darin befindet sich auch ein Wickeltisch, zudem gibt es ein Betreuungszimmer für Kleinkinder. Denn Barrierefreiheit gelte nicht nur für Menschen mit Behinderung, sagt Arloth, sondern für alle.

Der zweite Mann nach Justizminister Winfried Bausback ist auch nach Günzburg gekommen, um sich mit Amtsgerichtsdirektor Walter Henle und seinem Team auszutauschen. Neben der ein oder anderen „Kinderkrankheit“ durch den Umzug in das neue Gebäude plagen die Günzburger vor allem Personalsorgen. „Auch ich kann keine neuen Stellen schaffen“, sagt Arloth. „Wir können aber versuchen, etwas für die Zufriedenheit der Mitarbeiter zu tun, sei es durch Ausstattung, durch Veranstaltungen oder durch Gesundheitsmanagement.“ Hier sei das Amtsgericht Günzburg ein Vorbild für viele andere Gerichte in Bayern.

Neben den Personalsorgen hört Arloth auch häufig Klagen über die IT-Systeme, die die Justiz nutzt. Hier gebe es Besserungsbedarf. „Sie müssen den neuesten Anforderungen entsprechen und zuverlässig sein.“ Derzeit, so Arloth, sei die IT, auf die bayernweit zugegriffen wird, zum Beispiel nicht lückenlos überwacht. Das ist nur eine der Herausforderungen, die auf die bayerischen Justiz zukommen.

Wie aus der am Mittwoch vorgestellten Strafverfolgungsstatistik hervorgeht, nehmen Verfahren mit Beteiligung von Ausländern zu. Dies bedeutet auch für Günzburg mehr Arbeit. Die Zahl der Abschiebehaft-Verfahren im Bereich des Amtsgerichts etwa ist von drei im vergangenen Jahr auf 13 gestiegen. Auch die Suche nach Dolmetschern ist aufwendiger geworden, berichtet Vize-Direktorin Iris Gross. Doch wer auch immer das Günzburger Gericht betritt, wird zumindest keine Barrieren finden.

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