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Kreis Günzburg

14.02.2018

Günzburger Pfarrer und Burgauer Heilpraktikerin mit Tipps zum Fasten

Beim Fasten wird die Ernährung umgestellt. Das soll keine Diät, sondern ein bewusster Verzicht sein.
Bild: Bernhard Weizenegger

Die Fastenzeit soll keine Diät sein, sondern ein sinnvoller sowie bewusster Verzicht. So sehen es die beiden.

Fasten, das klingt nach Verzicht. Über Wochen kein Fleisch, keine Süßigkeiten, keinen Alkohol, keine Zigaretten. Weniger Konsumrausch oder weniger Zeit am Handy und vor dem Fernseher. Das Fasten kann, je nach religiöser oder weltlicher Einstellung, viele Facetten haben. Der Verzicht stehe aber grundsätzlich nicht im Vordergrund des Fastens, ist Pfarrer Christoph Wasserrab von der Günzburger Pfarrei St. Martin überzeugt. Vorrangig sei vielmehr der mögliche Gewinn – dann nämlich, wenn sich in der am heutigen Aschermittwoch beginnenden Fastenzeit im Bewusstsein etwas ändert. Etwa, wenn freie Zeit für sich und die Nächsten gewonnen wird. Wenn in der Hektik des Alltags mehr Raum bleibt zum Nachdenken, zu Umkehr, zu Gebet und zum Zwiegespräch mit Gott. „Und das Fasten hat nichts mit Diäten zu tun“, beugt die Burgauer Heilpraktikerin Ingrid Ruf einem möglichen Missverständnis vor.

Das Fasten muss für den Günzburger Geistlichen „ein sinnvoller und bewusster Verzicht“ sein. „Einfach mal die Süßigkeiten oder den Alkohol weglassen bringt wenig.“ Es sei denn, das derart gesparte Geld würde etwa für wohltätige Zwecke gespendet. Das Fasten sei für ihn „zunächst eine Frage des Glaubens und der Haltung“. Anzustreben sei deshalb ein Verzicht, der es möglich macht, „anderes zu gewinnen“. Zum Beispiel Zeit für „eine Neuausrichtung im Glauben, um Gottes Nähe und Liebe zu erfahren“, oder Bedenkzeit für die eine oder andere Korrektur im bisherigen Leben. Wasserrab: „Das ist eine große Herausforderung.“

Laut Bibel war Jesus 40 Tage in der Wüste. Weniger der Askese wegen. Vielmehr, „um eine Zeit der Stille zu finden und um sich auf sein künftiges Wirken und seinen Weg zu Gott vorzubereiten“, erklärt der Pfarrer. Das sei damals ein „Übungsweg“ gewesen, das ist es auch heute noch. Deshalb bieten die Pfarrei St. Martin und die evangelische Kirchengemeinde Günzburg in den Wochen bis Ostern gemeinsame Übungen, die „Exerzitien im Alltag“, an. Die Teilnehmer treffen sich zu Gespräch und Gebet, zum Erfahrungsaustausch und zum Ausblick auf Künftiges. Und zu einer Zeit der Stille. Der Geistliche: „Das ist die Kunst in der heutigen Zeit.“

Nachdenken über das ungesunde Leben

„Das Leben ist uns ein Stück weit von Gott geschenkt“, betont Christoph Wasserrab weiter. Von daher sei es auch geboten, in der Fastenzeit über sein womöglich ungesundes Leben nachzudenken. Und es zu ändern. Damit entspreche auch das Heilfasten einem zutiefst „christlichen Verständnis“. Das sieht die Burgauer Heilpraktikerin Ingrid Ruf ähnlich. Seit gut 20 Jahren leitet sie die Fastengruppen des katholischen Frauenbundes Unterknöringen. Ihre durch wissenschaftliche Studien belegte Erfahrung: „Durch das Fasten kommt der Körper zur Ruhe und der Kopf wird frei“. Das Abnehmen spiele eine Nebenrolle.

Fünf Werktage dauert eine Fastenwoche mit Ingrid Ruf. Beginn ist jeden Morgen um 5.30 Uhr mit einem einstündigen Spaziergang. Abends treffen sich die etwa 20 Teilnehmer erneut. Es werden Lockerungsübungen gemacht, Phasen der Entspannung eingelegt und Erfahrungen ausgetauscht. Dazwischen liegt ein striktes Fastenprogramm. Auf dem Speiseplan stehen Gemüsebrühe, Fastentee, Wasser oder Fruchtsäfte. „Das ist die strenge Form des Fastens“, erläutert Ingrid Ruf. Eine Alternative ist das Basenfasten mit Gemüse, Obst und Salat. Wie auch immer: „Nach drei Tagen stellt sich der Körper um“, erklärt die Heilpraktikerin. Der Körper komme zur Ruhe, sei nicht ständig mit der Verdauung beschäftigt und mache den Kopf frei. „Die Leute fühlen sich fit.“ Voraussetzung ist, dass die Teilnehmer gesund sind. Ruf rät auch zu Beratung und Begleitung beim Fasten. Die Heilpraktikerin leitet nicht nur Gruppen in Unterknöringen, sondern über den Frauenbund auch in Röfingen und Offingen. Über die Vhs bietet sie Fastentage in Burtenbach an. Als sie vor fast 20 Jahren in Unterknöringen mit den Fastenwochen begann, hätten die Ehemänner gelacht und gespottet. „Inzwischen machen auch Männer mit.“

Service Die Krankenkasse DAK in Günzburg bietet am Donnerstag, 22. Februar, eine Hotline zum Thema Fasten an. Von 8 bis 20 Uhr beraten Ärzte unter der kostenlosen Rufnummer 0800/1111841 Kunden aller Kassen.

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