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Bergsport

17.08.2019

Heute bietet der Alpenverein Kletterwände und Zimmer mit Wlan

Ein Renner für die Sektion Günzburg im DAV ist die Kletterwand in der Jahnhalle. Über stark steigende Mitgliederzahlen freuen sich – von links – Hans Engelhart aus Deubach (Verbindungswart zur Siegerlandhütte), Johann Rausch aus Rieden (Materialwart und Fachübungsleiter für Skihochtouren), Hans-Jürgen Abmayr aus Günzburg (Sektionsvorsitzender), Philipp Merk aus Ichenhausen (Trainer C Sportklettern) und Martina Hauer aus Leinheim (Referentin für Ausbildung und Touren).
Bild: Sandra Kraus

Wie sich die Sektion Günzburg im weltgrößten Bergsportverband in den 150 Jahren seit seiner Gründung gewandelt hat. Eine Günzburger Hütte gab es wohl nie, dafür aber ein 1000-Sterne-Hotel.

Günzburg Sie lieben die Berge und das schon seit 150 Jahren. 1869 gründeten 36 deutsche und österreichische Bergsteiger in München den Deutschen Alpenverein (DAV). Sie wollten die Berge erschließen, vielleicht auch die Not der zu dieser Zeit bitterarmen Bergbewohner lindern.

Mehr als eine Million Mitglieder

Heute ist der DAV der größte Bergsportverband der Welt mit mehr als einer Million Mitglieder. Nach wie vor ist der Verein in Sektionen organisiert. Eine davon ist seit dem Jahr 1910 die Sektion Günzburg. Deren Vorsitzender Hans-Jürgen Abmayr freut sich über die steil nach oben zeigende Entwicklung in der jüngeren Vergangenheit. „Aktuell haben wir 2194 Mitglieder, zehn Jahre zuvor waren es 1376“, berichtet er.

Im Alpenverein finden sich längst nicht mehr ausschließlich Bergwanderer, Tourengeher sowie Frauen und Männer mit einem Faible für das Hochgebirge. Richtig „in“ wurde der DAV durch das Klettern und die Kletterwände, von denen eine in der Günzburger Jahnhalle in luftige Höhe führt und Indoor-Kletterer jeden Alters anzieht. Seit einigen Jahren erobert außerdem das Mountainbike die Alpen. Auch hier ist die Sektion Günzburg mit entsprechenden Fahrtechnikkursen, Biker-Treffen einschließlich elektro-unterstützten Fahrern aktiv. Im Winter locken Ski- oder Schneeschuh-Bergsteigen.

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Die "Hirabira" muss mit, der "Deppastecka" bleibt daheim

Johann Rausch schwärmt von der Oster-Skihochtour rund um die Branca-Hütte in der südlichen Ortlergruppe oder der Skidurchquerung der Glarner Alpen. Für die sprichwörtliche Hüttengaudi haben die ambitionierten Tourengeher dabei oft keinen Nerv. „Um 22 Uhr ist Hüttenruhe, gut so nach einem anstrengenden Tag. Und oft geht es am nächsten Tag schon weit vor Sonnenaufgang weiter“, erzählt Rausch. Auf den Kopf kommt dann die „Hirabira“, also eine Stirnlampe. Ganz daheim bleibt der „Deppastecka“, also der berüchtigte Selfie-Stick.

Klimaneutral in die Berge wie zu Großvaters Zeiten zog es Johann Rausch auch schon. Ganz in der Früh von Rieden mit dem Fahrrad bis zur Grüntenalm und anschließend zu Fuß rauf zum Gipfelkreuz. Im Normalfall werden jedoch Fahrgemeinschaften in die Berge gebildet und einen vereinseigenen Kleinbus gibt es auch.

Viele Seiten im Jahresprogramm füllen Kurse und Ausbildungsangebote. „Sicher mitnehmen und wieder zurückbringen ist unser Ziel“, bestätigt Martina Hauer, Referentin für Ausbildung und Touren. Einem Bergsport-Anfänger empfiehlt der ehemalige Vorsitzende Hans Engelhart, immer achtsam und rücksichtsvoll zu sein, ordentliches Material zu benutzen, sich gut vorzubereiten, die Kondition realistisch einzuschätzen und das nötige Können zu besitzen.

Die digitale Welt hat längst die Welt der Berge erreicht. Die Übernachtung auf der Berghütte wird im Hüttenportal gebucht. „Die Frage, wie komfortabel eine Hütte sein darf, ist dabei so alt wie der DAV“, ist sich Abmayr sicher. „Der moderne Bergsteiger fragt nach Handyempfang, warmer Dusche, fünf Hauptgerichten zur Auswahl und einer Ladestation“, fügt Philipp Merk (Trainer C für Sportklettern) an.

Viel einfacher geht es im Winter-Biwak zu, das bei gutem Wetter unter freiem Himmel auf dem Portla-Horn bei Bregenz ein unvergessliches Erlebnis im 1000-Sterne-Hotel bringen kann.

Das Navi kann helfen oder schaden

Eine zweischneidige Sache ist aus Sicht der Kenner die Navi-Funktion der Smartphones. Unter Bergsteigern kursiert der Spruch „GPS hilft dir aus Schwierigkeiten oder bringt dich in Schwierigkeiten.“ Bei Nebel ist die Wanderkarte aus Papier klar im Vorteil. Wer als Verein seit über 100 Jahren im Hochgebirge unterwegs ist, beispielsweise mit der Spaghetti-Runde eine Tour im Wallis mit mehreren 4000ern im Programm hat, ist dankbar, dass es noch keinen tödlichen Bergunfall gegeben hat.

Viele Sektionen im DAV betreuen eine Hütte in den Alpen und benennen sie nach ihrer Sektion. „Eine Günzburger Hütte gibt es. Allerdings nur auf einer Postkarte aus dem Jahr 1912“, erklärt Abmayr schmunzelnd. Zum Alpinen Winterfest am 10. Februar 1912 gab es von der Sektion Günzburg eine Postkarte, die eine „Günzburger Hütte im Massodi“, den Brenta-Dolomiten in Südtirol, zeigt. Ein Faschingsscherz? Ein Wunsch des damals noch jungen Vereins? Rückfragen bei den Historikern im Deutschen und Österreichischen Alpenverein ergaben, dass es zu keiner Zeit eine Günzburger Hütte gab.

Abmayr passt auf die Postkarte ebenso gut auf wie auf das alte Protokollbuch, das mit der Vereinsgründung in feinster Sütterlinschrift beginnt. Und über eine Patenschaft mit der Sektion Siegerland kamen die Günzburger quasi doch zu einer Hütte. Jedes Jahr gibt es einen Arbeitseinsatz auf der Siegerlandhütte, die 2710 Meter hoch am Fuß der höchsten Berge in den Stubaier Alpen in Österreich steht. Da werden Farbkübel oder Schaltrelais im Tal in Rucksäcke gepackt und oben heißt es kräftig Anpacken, um Hütte, Wege und Brücken instand zu halten.

Vor Ort gibt es Wünsche für die Zukunft

„Unser Angebot vor Ort in Günzburg kann sich aber auch sehen lassen“, ergänzt Martina Hauer. Familiengruppe, Seniorengruppe, Skigymnastik an drei Abenden, Nordic Walking, Mountainbike-Ausfahrten, das Jugendtraining der Kletterer und die monatlichen Sektionsabende mit Vorträgen finden in und um Günzburg statt. Mehr ehrenamtliche Tourenführer, Jugendleiter und Kletterwandbetreuer würde sie sich wünschen, um das vielfältige Programm aufrecht zu erhalten und keinen zu überlasten. „Interessierte können sich in unserer Geschäftsstelle in der Jahnhalle melden“, wirbt Hauer. Für die Ausbildung sorgen dann die Spezialisten des Deutschen Alpenvereins.

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