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Naturschutz

27.11.2016

In Günzburg den Regenwald retten

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3 Bilder
Der Günzburger Bernhard Lohr (links) und Schauspieler Michael Mendl im Regenwald von Borneo in der Station am Mount Meratus. Szene aus dem Film „The Final Cut“ von Michael Mendl und Jens Wolf.
Bild: Rebekka Jakob

Der Verein von Bernhard Lohr versammelt beeindruckende Stimmen für den Schutz des grünen Erbes.

Es sind Menschen, denen man gerne zuhört. Auch wenn die Botschaft, die sie transportieren, erschreckend ist. Der Regenwald und seine überwältigende Artenvielfalt sterben. Und wir, die wir tausende Kilometer entfernt davon leben, schauen viel zu wenig hin. Der Günzburger Arzt und Biologe Bernhard Lohr tut das nicht. Er schaut genau hin, und er handelt. Und er hat Menschen für den Regenwald bei der zweiten Günzburger Regenwaldnacht versammelt, denen man nicht nur gerne zuhört, ihre Leidenschaft für den Schutz des grünen Erbes der Welt ist ansteckend.

„Mich mit dem Regenwald beschäftigen zu dürfen habe ich immer als Privileg empfunden“,sagt Bernhard Lohr. Doch der Untergang dieser einzigartigen Systeme macht dem Günzburger zu schaffen. „Mir tut das Herz weh, wenn ich den zerstörten Regenwald sehe“, sagt Lohr an diesem Abend im Günzburger Forum. Noch eindringlicher wird seine Erschütterung sichtbar im Film „The Final Cut“, der erstmals öffentlich zu sehen ist. Zum zweiten Mal hat der Schauspieler Michael Mendl Bernhard Lohr, Jens Wolf und ihr Team in den Regenwald von Borneo begleitet. Oder das, was davon übrig geblieben ist. Denn im Gegensatz zu „Mein Leben am seidenen Faden“, dem ersten Film, den der Günzburger mit dem Charakterdarsteller drehte, geht es diesmal nicht um die atemberaubende Vielfalt des Naturparadieses, sondern um seinen Untergang. G

oldschürfer, die das Schutzgebiet in eine Mondlandschaft verwandeln, Wilderer, die immer tiefer in den Dschungel vordringen, illegale Kohleschürfer, die verbrannte Erde hinterlassen, Konzerne, die Baumriesen in Massen fällen und wie Streichhölzer aufeinanderstapeln lassen, und Kleinbauern, die Stück für Stück das verbrennen, was noch übrig geblieben ist. Dazwischen der Naturfilmer und -Fotograf Alain Compost, für den es nichts mehr zu fotografieren gibt und der keine Hoffnung mehr sieht. Michael Mendl bringt in seinen Kommentaren im Film seine Wut und die Ohnmacht zum Ausdruck, die man seinem Freund Bernhard Lohr auf den Bildern ansieht – vor allem, als die Gruppe am Ende das verlassene Camp Mount Meratus erreicht. Vergebens rufen die Männer dort nach der vor Jahren hier ausgewilderten Orang-Utan-Dame Maya. Immerhin, ganz zum Schluss keimt Hoffnung auf: Vier Wochen nach den Dreharbeiten waren Lohr und sein Team zurückgekehrt, sie hatten Maya und sogar deren Baby gefunden. Die Tierschützer haben das Camp wieder aufgebaut.

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Man hätte ihm noch lange zuhören mögen

So traurig, so tragisch, so erschütternd die Bilder des Films sind: Michael Mendl hätte man noch lange zuhören mögen. Genauso wie einer weiteren beeindruckenden Stimme für den Regenwald, nämlich Juliane Diller. „Ein vor Leben überbordender grüner Kosmos“, so nennt die Biologin das Naturschutzgebiet Panguana im Regenwald von Peru mit der 1968 von ihren Eltern gegründeten ersten biologischen Forschungsstation des Landes. Was auf diesen fast 1000 Hektar wächst, fliegt, krabbelt und kriecht, ist von unfassbarer Vielfalt und Schönheit. „Der größte Schatz ist der unberührte Regenwald, der von uns seit 48 Jahren geschützt wird.“

Blätter in Blau, Rot und Gelb, schillernde Samenkapseln, Pilze in wunderlichen Formen und Farben, filigrane Raupen und Schmetterlinge mit wunderbaren Zeichnungen zeigt die Leiterin der Zoologischen Staatssammlung München in ihrem Vortrag. Es ist ihr Zuhause, das sie hier präsentiert. Das ist auch ein Grund, der sie als junges Mädchen einen Flugzeugabsturz überleben ließ. „Als ich aus 3000 Metern abstürzte, sah ich das Blätterdach des Regenwalds. Und unten am Boden sah es aus wie in Panguana.“ Wenn ich hier lebend herauskomme, schwor sie sich damals, dann will ich etwas gutes tun. Juliane Diller hat es geschafft – und widmet seitdem ihre Forschungsarbeit diesem grünen Zuhause.

Was die Welt verlieren wird

Es sind die Bilder, die eindringlich vor Augen führen, was die Welt verlieren wird. Die Hoffnung dazu transportierte an diesem Abend wunderbare Musik. Vorgetragen zunächst vom Harfenquartett der Musikschule Günzburg mit Anna Martinkat, Veronika Munk, Leonie Remmele, Stefanie Rühl, Alina Wagner und Leiterin Andrea Kratzer. „Musik, die unter die Haut geht“, hatte der Verein Faszination Regenwald erbeten. Und genau die lieferten die jungen Frauen auch eindrucksvoll. Ihre unfassbar schöne Soul-Stimme lieh an diesem Abend Sängerin Cassandra Steen dem tropischen Regenwald und seinem Schutz.

Mit Titeln, die Mut machen sollen: „Gebt alles“, „Gewinnen“ und am Ende „Ich bau eine Stadt für Dich“ klangen mit großer Wärme, begleitet mit Akustik-Gitarre, durch den Saal. Sie machten Hoffnung, dass vielleicht doch noch nicht alles verloren ist für das grüne Erbe dieser Welt – solange es Menschen gibt, die dafür kämpfen. Auch tausende Kilometer entfernt in Günzburg. Oberbürgermeister Gerhard Jauernig, der Schirmherr der Veranstaltung, drückte es so aus: „Was von Günzburg ausgeht, ist auch gut für die Welt.“

Mehr zum Thema gibt es im Internet unter www.verein-faszination-regenwald.de

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