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Reitsport

20.08.2019

Jana Schrödter, die junge Königin des Dressursports

Mit ihrem elfjährigen oldenburger Wallach Der Erbe gewann die 18-jährige Jana Schrödter bereits einige Dressur-Titel. Zuletzt gab’s dreimal Gold bei der Europameisterschaft der Nachwuchsreiter.
Bild: Bernhard Weizenegger

Von klein auf sind Reiten und Pferde ihr Leben. Nun hat Jana Schrödter aus Riedheim ihr Talent gleich dreimal vergoldet. Wie die 18-Jährige die Tage bei der EM erlebt hat und warum der Gedanke an Olympia im Moment noch weit weg ist.

Es scheint, als würde das Paar über dem Platz schweben. Ob im Training auf dem heimischen Hof in Riedheim oder im Wettkampf in den internationalen Dressur-Hochburgen: Wenn Jana Schrödter im Sattel ihres elfjährigen Wallachs Der Erbe sitzt, sehen selbst komplizierte Figuren leicht aus, harmonisch, spielerisch geradezu, und stets sind sie wie mit dem Lineal gezogen in den Sand gestanzt. Diese Einschätzung teilten die Richter bei der Europameisterschaft für Nachwuchs-Dressurreiter in San Giovanni in Marignano (Provinz Rimini, Italien): Alle drei Goldmedaillen in der Altersgruppe Junioren – es gab zwei Einzel-Konkurrenzen und eine Team-Entscheidung – vergaben sie an die 18-Jährige, die damit die Dominanz der deutschen Talente bei diesen Titelkämpfen krönte.

Vater Jörg Schrödter ist "mega-stolz"

Ein „Wahnsinns-Erlebnis“ sei das gewesen, „einfach der Hammer“, berichtet Jana Schrödter im Rückspiegel. Die ganze Woche in der 10000-Einwohner-Gemeinde an der Adria, das wunderbare Sommerwetter, ein perfekt organisiertes Turnier, das Zusammensein mit den Eltern, aber auch den intensiven Austausch mit den besten jungen Reitern aus vielen Ländern hat sie erkennbar genossen. Und während sie in ihrer jugendlichen Gelassenheit so tut, als sei ihr der Erfolg beinahe zugeflogen, bringt sich Vater Jörg Schrödter ins Gespräch ein und bekennt mit einem liebevollen Blick auf seine Tochter, er sei „mega-stolz“ auf deren Erfolge: „Deutschland ist die Reiter-Nation Nummer eins in der Welt. Wenn man es da in die Mannschaft schafft und dann auch noch gewinnt, das ist schon sehr besonders.“

Die Europameisterschaft ist damit abgehakt. Nun gilt es, neue Ziele zu formulieren – fürs Leben wie für den Sport. Denn deutsche Siege in internationalen Dressurprüfungen sind zwar seit Jahrzehnten eher Normalfall als Ausnahme, doch die Konkurrenz in dieser Königsdisziplin ist auch entsprechend groß, sodass Jana Schrödter zu Recht sagt, oberste Priorität sei, die Konkurrenz im eigenen Land hinter sich zu lassen.

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Und sie ist ja noch so jung. Womit weniger die Gefahr angedeutet ist, dass sie sich von den üblichen Verlockungen des Lebens ablenken lassen könnte. Nein, sie lebt viel zu intensiv für’s Reiten, arbeitet von Kindesbeinen an im Dressur-Ausbildungsstall ihrer Eltern Jörg und Sabina mit, betreibt Dressur schon lange als Leistungssport und ist entsprechend jeden Tag mit verschiedenen Tieren unterwegs. Sie kennt nichts anderes. Und sie liebt es.

Nur Pferde - oder ein zweites berufliches Standbein?

In ihren Berufswünschen allerdings ist Jana Schrödter nach eigener Einschätzung zwiegespalten. Einerseits bietet sich eine Ausbildung zur Pferdewirtin an mit der Option, den elterlichen Hof irgendwann zu übernehmen. „Das wäre schon ein Traum“, sagt sie und fügt hinzu: „Viel bessere Voraussetzungen als ich kann man kaum haben.“ Andererseits hat sie heuer ihr Abitur gebaut und da drängt sich natürlich auch der Gedanke auf, zu studieren – zumal ihre Mama meint, ein zweites Standbein könne nicht schaden.

Apropos Mama. Die junge Dressur-Königin nennt Sabina Schrödter als absolutes Vorbild fürs Leben - „weil ich bewundere, mit welcher Leidenschaft, mit welchem Ehrgeiz sie hinter allem steht.“ In Momenten wie diesen wirkt die 18-Jährige überhaupt nicht wie das „ganz normale Mädchen“, das sie von außen betrachtet auch ist. Klar nimmt sie sich Zeit für ihre Freundinnen oder tut einfach Dinge, die junge Leute eben gerne tun. Aber derselbe Ehrgeiz, den sie an ihrer Mutter so bewundert, steckt in ihr. Was die Frage herausfordert: Wie weit kann es gehen für die Dressurreiterin Jana Schrödter? Als Mitglied des Junioren-Bundeskaders war die Europameisterschaft das Höchste der Gefühle. Anschließend wird sie zu den Jungen Reitern, danach in die internationale U25-Tour aufsteigen. Und was ist mit Olympia 2024 in Paris, möglicherweise 2028 in Los Angeles? Die Antwort ist ein unbekümmertes Lächeln, eines, das nichts und alles verrät, verziert mit den Worten: „Wenn man so jung schon so erfolgreich ist, hat man natürlich schon den Ehrgeiz, das weiterzuführen.“

Das Erfolgspferd: Der Erbe

An Der Erbe soll’s nicht liegen. Wenn alles perfekt läuft, hat er noch sieben, acht, vielleicht neun Jahre auf höchstem Wettkampfniveau vor sich. Jana Schrödter ist überaus dankbar, dass sie den Wallach von einem Freund der Familie bekommen hat. Und obwohl der heimische Hof wirtschaftlich davon abhängig ist, Pferde irgendwann möglichst gewinnbringend zu verkaufen, steht das für dieses Erfolgspferd natürlich nicht zur Debatte. Seit gut einem Jahr reitet die 18-Jährige den Oldenburger nun und versteht inzwischen in jeder Situation, „welches Knöpfchen ich bei ihm drücken muss“. Zumal sie das Pferd als „immer gut gelaunt, arbeitsam, sehr schlau und sehr gutmütig“ beschreibt.

Ein bisschen speziell scheint der Wallach aber auch zu sein. Zumindest deutet die Reiterin das an, wenn sie sagt: „Man muss schon wissen, wie man mit ihm umgeht. Das Pferd zu kontrollieren ist wahnsinnig Kopfsache und auch körperlicher Aufwand.“

Isabell Werth ist ihr sportliches Vorbild

Wie es laufen kann, wenn es läuft, das verfolgt Jana Schrödter anhand ihres sportlichen Vorbildes Isabell Werth. An der mehrfachen Olympiasiegerin und Weltmeisterin fasziniert sie vor allem, „wie sie die Pferde durchs Viereck begleitet.“ Genau darin sieht die 18-Jährige auch ihre nähere Zukunft – auf höchstem Wettkampfniveau mit Der Erbe, in der Region mit diversen Ausbildungspferden aus dem heimischen Stall in Riedheim.

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